Aktie tief im Minus: Deutsche Bank rutscht weiter ab

Aktie tief im Minus
Deutsche Bank rutscht weiter ab

Die Deutsche Bank präsentiert einen Milliardenverlust. Die Aussichten sind ebenfalls nicht gut. Die Aktie gibt deutlich nach. Die Dividende steht auf dem Spiel. Analysten können den Zahlen dennoch etwas Gutes abgewinnen.
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FrankfurtDie Deutsche Bank schockiert Anleger mit einem Milliardenverlust und einem schwachen Ausblick. Die Aktie fiel am Montagnachmittag zeitweise um sechs Prozent auf 36,99 Euro. Sie war größter Verlierer im deutschen Leitindex Dax.
Die Deutsche Bank hatte am Sonntagabend überraschend Zahlen veröffentlicht. Danach stand von Oktober bis Dezember 2013 unterm Strich ein Fehlbetrag von fast einer Milliarde Euro. Vor Steuern erwirtschaftete Deutschlands größtes Geldhaus ein Minus von knapp 1,2 Milliarden Euro. 2013 stand zwar unterm Strich ein Gewinn. Dieser blieb mit 1,1 Milliarden Euro aber weit unter den Erwartungen von Analysten, die bei mehr als drei Milliarden Euro lagen.
Gründe waren vor allem das schwache Geschäft mit Anleihen, Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Belastungen aus dem Abbau von Risiken. Die Ursachen liegen nicht nur bei Fehlern in der Vergangenheit, auch die Aussichten sind nicht wirklich rosig. „Wir erwarten, dass 2014 ein Jahr mit weiteren Herausforderungen und ihrer disziplinierten Bewältigung sein wird“, hieß es in einer Mitteilung des Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Ob die Bank ihre Dividende kürzen muss, steht noch nicht fest. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Er verwies darauf, dass der Aufsichtsrat darüber entscheiden müssse. Dass die Bank in den ersten neun Monaten Geld für eine Ausschüttung von 75 Cent je Aktie zurückgelegt habe, habe nichts zu bedeuten. „Wir grenzen immer eine stabile Dividende ab.“

Um erneut 75 Cent zahlen zu können, müsste die Deutsche Bank gut 70 Prozent ihres Nettogewinns im Konzern von 1,08 Milliarden Euro ausschütten. Die Aufseher drängen die Banken aber dazu, Gewinne einzubehalten, um ihre Kapitaldecke aufzubessern.

Manche Analysten können dem Zahlenwerk trotz allem Positives abgewinnen: Kian Abouhossein von JP Morgan, lange einer der schärfsten Kritiker des Bank-Vorstands, schrieb in einer Studie: „Die Zahlen zum vierten Quartal zeigen, dass die Deutsche Bank noch im Restrukturierungs-Modus ist, aber das Management hat unsere Wunschliste erfüllt, was einen aggressiven Abbau der Risiken, Fortschritte bei der Kostensenkung und der Beilegung einiger Rechtsstreitigkeiten angeht.“ JP Morgan empfiehlt, die Aktie zu kaufen. „Zwei Schritte vorwärts, einen zurück“, fassen die Bankenexperten der Citi die Zahlen zusammen. Für den „geduldigen Anleger“ biete die Deutsche-Bank-Aktie Chancen.

„Es liegt nahe, dass der Vorstand möglichst viele Belastungen vorziehen will, um seine ambitionierten Ziele für 2015 zu erreichen“, sagte Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. Aber auch operativ hätten die Sparten - mit Ausnahme der Vermögensverwaltung - nicht positiv überrascht. „Beim Risikoabbau hat es im vierten Quartal nur relativ geringe Fortschritte gegeben - die Kosten waren höher als gedacht.“

„Analysten sehen die Zahlen gar nicht so negativ“, sagte ein Händler. „Generelle Meinung ist: Die Aktie ist günstig, der Kehraus geht weiter, die Restrukturierung läuft.“ Dass die Aktie nachgebe, liege daran, dass sich die Bank auch für das laufende Jahr sehr verhalten geäußert habe. Ein anderer Händler sprach von Gewinnmitnahmen, schließlich habe die Aktie seit Jahresbeginn mehr als 13 Prozent zugelegt. „Die Zahlen der Deutschen Bank sind nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei ihren Restrukturierungs- und Einsparbemühungen ist die Bank auf einem guten Weg.“

Erfüllung der Verschuldungsquote schwieriger als gedacht

Zwar äußerten sich die Co-Vorstandsvorsitzenden Fitschen und Jain zuversichtlich, alle für 2015 gesetzten Ziele zu erreichen. Als Fitschen und Jain 2012 Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank ablösten, hatten sie ihre Planungen auf das Jahr 2015 ausgerichtet. Doch die Vergangenheit ist längst noch nicht aufgearbeitet. Aufsichtsbehörden rund um den Globus untersuchen das Geschäftsgebaren von Großbanken aus den Boomzeiten des Finanzsektors.

2013 sei das zweite Jahr in Folge gewesen, in dem die Bank in das künftige Wachstum sowie in die weitere Stärkung der Kontrollen investiert und Altlasten abgearbeitet habe, sagten Fitschen und Jain: „Diese Faktoren beeinflussten unsere Finanzergebnisse.“

Allein die zahlreichen juristischen Streitigkeiten etwa wegen windiger Hypothekengeschäfte in den USA vor der Finanzkrise sowie der Beteiligung an den Manipulationen bei wichtigen Zinssätzen kosteten die Bank im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro. Für weitere Prozesse waren zum Jahresende zusätzlich 2,3 Milliarden Euro zurückgelegt.

Auch der beschleunigte Abbau von Risiken belastete. Dabei trennt sich das Institut von zahlreichen Finanzengagements und nimmt dabei auch Verluste in Kauf. Auf die kurz vor dem Verkauf stehende Tochter BHF-Bank schrieb das Geldhaus noch einmal 200 Millionen Euro ab.

Zudem drückten die Kosten für das eingeleitete Sparprogramm und für Investitionen etwa in die Stärkung des Mittelstandsgeschäfts in Deutschland auf die Bilanz. Belastend wirkten sich diesmal auch Bilanzierungseffekte bei den eigenen Schulden aus.

Schwach lief in der zweiten Jahreshälfte wie bei den US-Konkurrenten das für die Deutsche Bank sehr wichtige Geschäft mit Anleihen. Viele Anleger hielten sich angesichts des erwarteten Ausstiegs der US-Notenbank aus der ultralockeren Geldpolitik zurück.

Außerdem litten die Investmentbanken unter den Folgen des lähmenden US-Haushaltsstreits. Im Transaktionsgeschäft bekam die Deutsche Bank die niedrigen Zinsen zu spüren, während der Umbau in der Vermögensverwaltung erste Früchte trug. Ein stabiles Ergebnis erzielte das Privatkundengeschäft.

Zur Erfüllung ihrer maximalen Verschuldungsquote wird die Bank mehr Zeit benötigen als geplant. Nach den jüngsten Änderungen an den Basel-III-Kapitalregeln erhöhe sich die Berechnungsgrundlage für die Kennziffer - eine Art bereinigte Bilanzsumme - um 200 Milliarden auf 1,65 Billionen Euro, hieß es in einer Präsentation für Analysten. Die Bankenregulierer des Baseler Ausschusses hatten vor eine Woche in Grenzen eine Verrechnung sich entsprechender Derivate-Positionen erlaubt - aber offenbar nicht in dem Maße, wie die Deutsche Bank das erwartet hatte.

Sie war bisher nach den EU-Vorschriften davon ausgegangen, dass sie drei Prozent Eigenkapital für eine Bilanzsumme von 1,45 Billionen Euro werde vorhalten müssen. Auf dieser Basis kam sie zum Jahresende auf 3,1 Prozent. Um auf Dauer über der geforderten Marke von drei Prozent zu bleiben und die Leverage Ratio zu erfüllen, wollte die Bank ihre Bilanz bis Ende 2015 auf 1,33 Billionen Euro schrumpfen lassen. Dazu muss sie nun mehr leisten als gedacht - wenn die Regeln nicht noch einmal geändert werden.

Die aktuellen Probleme der Deutschen Bank gehen zum Teil auch auf die Zeit unter Vorstandschef Josef Ackermann zurück. Details dazu finden Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft hier unter diesem Link.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Aktie tief im Minus: Deutsche Bank rutscht weiter ab"

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  • So schauts aus! Wenn man nur etwas Einblick in diesen IB Sumpf der DB hat dann gute Nacht Deutschland! Aber Hauptsache in Königstein Villen für 2 Mio. kaufen. Ts ts ts

  • War doch keinen Frage ob, sondern nur wann die Deutsche Bank mit ihrer Verschleierungstaktik baden geht. Wer aufmerksam die Entwicklung verfolgt, weiß das dies nur die Spitze des Eisberges ist.

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