Aktie unter Ausgabepreis
Bastei Lübbe startet schwach an der Börse

Das Verlagshaus Bastei Lübbe ist an die Börse gegangen, aber kaum jemand wollte die Aktie kaufen. Das Papier sank schnell unter den Ausgabepreis. Trotzdem konnte der Verlag nicht alle Titel loswerden.
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FrankfurtKalte Schulter für Spezial-Agent Jerry Cotton: Der Sprung aufs Finanzparkett fiel für den Verlag des in den eisigen Straßenschluchten New Yorks gestählten FBI-Ermittler am Dienstag eher enttäuschend aus. Ein Börsianer bezeichnete den Börsengang als „schlicht uninteressant“. Dabei hat Dauer-Ermittler Cotton mittlerweile in Jahrzehnten als Heftchen-Held mehr als 3000 Abenteuer erfolgreich bestanden.

Bei den Börsenplänen des Kölner Verlagshauses Bastei Lübbe spielen gerade Heftchen-Helden wie der FBI-Mann die Hauptrolle. Denn mit den digitalen Erben von Cotton, Lassiter, Bergdoktor & Co will der Börsenneuling in die Zukunft starten. „Wir sind an unsere Ursprünge zurückgekehrt“, beschreibt Vorstandschef Thomas Schierack die Strategie.

Dabei hatte Bastei Lübbe bereits den Gang an die Börse nur mit Mühe geschafft. Dann fiel bereits am Starttag der Kurs unter den Ausgabepreis von 7,50 Euro. Ursprünglich hatte Bastei Lübbe 9 bis 11 Euro pro Aktie bekommen wollen. Statt der angepeilten bis zu 58,3 Millionen Euro erhalten die Kölner bis zu 30 Millionen Euro. Die Familie will die Mehrheit mit rund 60 Prozent der Anteile behalten.

Jährlich verkauft der Verlag rund 12 Millionen der Hefte mit den bunten Titelbildern und dem typischen grauen Papier. Neben den Endlos-Serien im Stil des unermüdlichen FBI-Ermittlers hat der Kölner Verlag längst auch Romane internationaler Bestseller-Autoren wie Dan Brown (Inferno) oder Ken Follett (Die Spur der Füchse) sowie Sach- und Kinderbücher im Programm.

Wenn es um die neue Strategie geht, haben jedoch die Serien-Lieblinge die Nase vorn. „Hauptziele sind eine Internationalisierung und weitere Digitalisierung“, sagt Schierack. Dabei sollen Serien-Helden aus deutscher Produktion auch den chinesischen Markt erobern.

Einen erfolgreichen Start in der chinesischen Hochsprache Mandarin habe etwa die in Berlin spielende Serie „Coffeeshop“ hingelegt. Die ausschließlich digital angebotenen Inhalte sollen die Kunden regelmäßig auf Smartphones oder Tablet-Pcs mitverfolgen können.

„So sehen wir die Zukunft“, sagt Schierack. Die Mischung aus Text, Hörbuch, Spielen und Zusatz-Inhalten wie etwa Kochrezepten wird vor dem Angebot in internationalen Märkten von Fachleuten auf ihre „kulturelle Durchsetzbarkeit“ etwa auch in China geprüft, sagt Schierack. Auch der FBI-Mann könne sich nach Fernost aufmachen. „Das Risiko ist überschaubar.“ Auch in weiteren Ländern soll das digitale Serien-Angebot weiter ausgebaut werden.

Jerry Cotton ist unsere Vergangenheit und ist durchaus geeignet ein Teil der Zukunft zu sein“, sagt Schierack. Bei seinen Präsentationen vor internationalen Finanzinvestoren hatte der Bastei Lübbe-Chef auch einen Stapel der schmalen Heftchen im Aktenkoffer.

„Keine Druckkosten, keine Lagerung, kein Transport“, so beschreibt Schierack das digitale Geschäftsmodell. Autoren für die selbst produzierten Serien sollen in einer eigenen Akademie ausgebildet werden. Und der Bedarf ist groß: So schreiben allein fünf Autoren gleichzeitig für die Jerry Cotton-Serie.

Und Nutzer sind auch bereit, für das schnelle digitale Lesevergnügen zu bezahlen, ist sich Schierack sicher. „Das ist keine Information, das ist Unterhaltung, die gibt es nicht kostenlos im Netz“, sagt er. Für das gedruckte Buch sieht der Bastei Lübbe-Chef allerdings auch Zukunftschancen: „Das Buch ist immer noch das wichtigste Geschenk“, ist er sich sicher. „Ich glaube nicht, dass das drastisch heruntergeht“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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