Aktie unter der Lupe
Analysten fliegen auf Lockheed-Aktie

Das steigende Sicherheitsbedürfnis der Amerikaner füllt die Auftragsbücher des amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Bei den Anlegern ist die Aktie des Unternehmens in diesen Tagen daher gefragt wie nie. Mit knapp 109 Dollar pro Titel erreichte Lockheed vergangene Woche ein Allzeithoch, Tendenz steigend.

STUTTGART. Auch wenn der Zeitplan für einen US-Truppenabzug aus dem Irak weiter unklar bleibt – das Waffenbudget der Vereinigten Staaten wird weiter rapide ansteigen. Das erwarten Analysten und auch die US-Rüstungskonzerne, die ein gutes Geschäft mit dem steigenden Sicherheitsbedürfnis der Amerikaner machen. Lockheed Martin, einer der größten Waffenproduzenten der Welt, prognostiziert der sogenannten Heimatschutzbranche (Homeland Security) auf mehrere Jahre hinaus ein Wachstum im zweistelligen Bereich.

Bis zu 200 Mrd. Dollar wird die Regierung allein in diesem Jahr für neue Waffen ausgeben, schätzt etwa Analyst Robert Stallard von Bank of America. Spätestens die Äußerungen des US-Befehlshabers im Irak, General David Petraeus, hätten „deutlich gezeigt, dass wir von einer Abschwächung beim Verteidigungshaushalt noch weiter entfernt sind als vielleicht angenommen“, sagte auch sein Kollege Paul Nisbet vom Luftfahrtaktien-Spezialisten JSA Research der Nachrichtenagentur AP. Bei den Anlegern ist die Lockheed-Aktie in diesen Tagen daher gefragt wie nie. Mit knapp 109 Dollar pro Titel erreichte Lockheed vergangene Woche ein Allzeithoch, Tendenz steigend. Analyst David Strauss von UBS Investment setzt sein Kursziel auf 114 Dollar: „Es ist erstaunlich, wie sich die Gewinnmargen von einem ohnehin schon hohen Niveau nochmal verbessert haben.“ Er schätzt, dass der Konzern im übernächsten Jahr beim Vorsteuergewinn (Ebit) die Fünf-Milliarden-Dollar-Marke knacken wird.

Selbst wenn sich die USA vollständig aus dem Irak zurückziehen sollten, würde das die Rüstungsbranche kaum in eine tiefe Krise stürzen, sagen Experten. Denn nach fast fünf Jahren Militäreinsatz seien Geräte und Ausrüstung an vielen Stellen veraltet, verschlissen oder schlicht kaputt. Sie müssten deshalb ersetzt und repariert werden, was den Konzernen weitere Einnahmen bringt.

Schon jetzt sind Lockheeds Auftragsbücher über viele Jahre hinaus gut gefüllt. Von der Raumfahrtbehörde Nasa und dem FBI kamen vergangene Woche zwei Bestellungen über zusammen 200 Mill. Dollar. An die Stadt New York liefert Lockheed ein elektronisches Sicherheitssystem für 200 Mill. Dollar, das die Brücken, Tunnel und Bahnhöfe vor Terroranschlägen schützen soll. In den vergangenen fünf Jahren sind sämtliche Sicherheitskräfte der US-Flughäfen in Lockheed-Fortbildungen geschult worden.

Und die US-Luftwaffe ist sowieso Dauerkunde bei der Firma aus Maryland. Vergangene Woche kündigte ein Generalleutnant gleich mehrere Nachbestellungen erfolgreicher Produkte an: Vom Kampfflugzeug F-35 sollte Lockheed ursprünglich bis zu 48 Exemplare pro Jahr bauen – jetzt will die Air Force gerne doppelt so viele Flieger abnehmen, wenn die Regierung mitspielt. Von einem anderen Flugzeugtyp sollen fast 400 statt der bislang vom Verteidigungsministerium genehmigten 180 Maschinen geliefert werden.

Allerdings: Derzeit weht ein schärferer Wind zwischen den beiden Vertragsparteien, weil Lockheed offenbar den Kostenvoranschlag für militärische Transportflugzeuge überziehen wird. Ursprünglich waren diese auf 83 Mill. Dollar pro Stück angesetzt, sollen jetzt aber möglicherweise um bis zu 17 Mill. Dollar teurer werden. Die Luftwaffe hat vor kurzem angedroht, das milliardenschwere Projekt zu kippen, wenn die Kosten zu stark steigen. Laut Gesetz muss der US-Kongress die Ausgaben erneut genehmigen, wenn ein Rüstungsprogramm den ursprünglichen Kostenanvorschlag um mehr als 15 Prozent übersteigt.

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