Aktie unter der Lupe
Analysten halten Post-Aktie für günstig

Unter Experten gilt die Aktie Gelb als solider Wert. Die Anleger sind aber durch Einflussnahme der Politik auf den Logistikkonzern verunsichert.

DÜSSELDORF. Sollte Klaus Zumwinkel, Vorstandschef der Deutschen Post, einen neuen Job brauchen, müsste er nicht lange suchen. Jede Bank würde den Mann sofort einstellen und mit der Anlageberatung betrauen, hat er doch die Qualitäten eines Brokers. Doch damit ist – zum Glück für die Deutsche Post – nicht zu rechnen. So preist Zumwinkel vor allem ein Wertpapier an: die Aktie Gelb. „Seit Januar können wir mit unserer Aktie absolut und relativ zufrieden sein,“ sagte der Post-Chef zuletzt auf der Hauptversammlung des Logistikkonzerns.

Die Aktie hat bis zur Jahresmitte rund 33 % gewonnen, sehr viel stärker also als der Dax, der nur rund 6 % zulegte. Seit Jahresbeginn ist die Aktie Gelb unter allen 30 im Dax gelisteten Unternehmen einer der Gewinner. Auch verglichen mit den Wettbewerbern, den börsennotierten US-Paketkonzernen UPS und Fedex sowie der niederländischen Post TPG, hat sie relativ gut abgeschnitten. Doch was nutzt es: „Der Aktienkurs spiegelt nach wie vor weder das große Potenzial noch den wahren Wert des Unternehmens wider,“ klagt Zumwinkel.

Analysten sehen das ähnlich. Sie empfehlen die Aktie der Deutschen Post überwiegend als solide Anlage mit Defensivcharakter. „Wir gehen weiter davon aus, dass die Deutsche Post in einem anhaltend schwierigen Makro-Umfeld die Märkte outperformen wird,“ sagt Markus Hesse von der Hypo-Vereinsbank. Doch spiegelt der Aktienkurs dies kaum wider. „Der Aktienkurs ist seit der Veröffentlichung der Quartalszahlen trotz einer niedrigeren Steuerquote nach der Übernahme des Expressdienstes DHL, einer überraschend positiven operativen Entwicklung und einem verbesserten Marktumfeld nur um etwas über 10 % gestiegen,“ sagt Nils Machemehl von M.M. Warburg. An der massiven Unterbewertung gegenüber den Wettbewerbern habe sich nichts geändert. Dies treffe vor allem auf die TPG zu, deren Logistikgeschäft ungleich stärker von der Rezession betroffen sei als das der Deutschen Post.

Die Ursache sind politische Risiken, die das Investment in die Post-Aktie belasten. Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz hält das Briefmonopol, das Ende 2007 in Deutschland ausläuft, für ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sei das Briefmonopol die „Cash-Cow“ der Post, andererseits werde der schrumpfende Briefmarkt noch lange Zeit entscheidend die Entwicklung der Deutschen Post beeinflussen. „Auch wenn die Express- und Logistikaktivitäten auf Dauer ihre Ertragskraft steigern könnten, würde das Briefgeschäft bis zum Jahr 2013 den größten Beitrag zum Konzernergebnis liefern,“ sagt Hellgren.

Schwer belastet wird die Post-Aktie von dem juristischen Kleinkrieg um den Einstieg in das US-Paketgeschäft. Die US-Konkurrenten Fedex und UPS versuchen, die Paket-Tochter DHL mit allen Mitteln aus dem amerikanischen Markt herauszuhalten. Dabei wird der Deutschen Post auch von der Konkurrenz vorgeworfen, die Expansion im Paketgeschäft durch das Briefmonopol zu subventionieren. Ein Thema, das weiterhin die Brüsseler Kommission beschäftigen wird. „Die Expansionspläne der Deutschen Post sind sowohl mit dem üblichen Marktrisiko als auch mit erheblichen legalen und politischen Schwierigkeiten behaftet,“ sagt Hellgren.

Auch die Mehrheitsbeteiligung der Bundesrepublik an der Deutschen Post bewertet er „nicht eindeutig als positiv“. Zwar habe dies einen stabilisierenden Einfluss, da der Staat damit de facto ein Garant letzter Instanz für die Post darstelle, doch als Kehrseite der Medaille erkennt Hellgren den „unter Umständen problematischen Vorrang rein politischer Aspekte vor wirtschaftlichen Entscheidungen“. So seien UPS und Fedex während ihres Abwehrkampfes in den USA im US-Kongress beachtlich politisch unterstützt worden, wobei teilweise auch Diskussionen um den Irak-Konflikt Einfluss genommen hätten.

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