Aktie unter der Lupe
Analysten loben Schindler

Die Aktie des Schweizer Rolltreppen- und Aufzugbauers Schindler hat in diesem Jahr bereits einen Höhenflug auf bis zu 73 Franken hinter sich. Und Analysten sind zuversichtlich, dass sich der Kurs in hohen Regionen hält.

ZÜRICH. Dafür spricht vor allem die veränderte Geschäftsstrategie der Schweizer aus. Bisher sah das, was Schindler macht, so aus: Der Löwenanteil des Gewinns kommt aus dem Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen, insbesondere die Wartung macht sich bezahlt. Deutlich abgeschlagen folgt ein dritter Bereich, der sich Also nennt. Also ist eine selbständig an der Schweizer Börse notierte Firma, die IT-Produkte herstellt.

Schindler besitzt 64,45 Prozent der Also-Anteile. Bislang war die Firma mit rund 600 Mitarbeitern nicht sonderlich groß und im vergangenen Jahr auf ihren Hauptmärkten Deutschland und der Schweiz auch noch unter Margendruck geraten. Prompt sank das Betriebsergebnis, das Also für den Schindler-Konzern einfuhr, um rund ein Viertel. Der Konzerngewinn lag bei umgerechnet gut elf Mill. Euro, was sich angesichts eines Reingewinns bei Schindler von knapp 260 Mill. Euro im vergangenen Jahr bescheiden ausnimmt. In diesem Jahr allerdings hat sich die Lage entspannt. Der IT-Markt hat angezogen.

Doch nun geht Schindler bei Also einen anderen Weg: Vergangenen Monat kündigte Also an, auf Einkaufstour zu gehen und den finnischen IT-Installateur GNT zu kaufen. Der Umsatz, der derzeit bei rund 1,3 Mrd. Euro liegt, soll sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Am gleichen Tag, als die Also-Führung die Messlatte hochlegte, ruderte Schindler zurück. In einer eigenen Mitteilung räumten die Aufzughersteller zwar ein, dass die Ziele der Also-Truppe verständlich seien. Sie überstiegen aber das ursprünglich angestrebte Engagement. Schindler werde daher „einen nächsten Expansionsschritt von Also nicht mehr allein vollziehen“.

Diese etwas sybillinisch gehaltenen Worte der Schindler-Mannschaft lassen nach Einschätzung von Panagiotis Spiliopoulos, Analyst bei der Zürcher Bank Vontobel, nur einen Schluss zu: Schindler hat genug von seiner Rolle als Mehrheitsaktionär bei Also. Damit kommt Schindler einer immer wieder erhobenen Forderung der Analysten nach und konzentriert sich künftig stärker auf sein Kerngeschäft. Die Analysten verlangen das nicht ohne Grund: Aus Sicht der Schindler-Aktionäre war der schwache Also-Beitrag sinnlos. Was die Beteiligung, die 1988 aufgebaut worden war, und damals vielversprechend geklungen haben mag, technisch bringt, vermochte Schindler nicht darzustellen.

Lieber hört die Schar der Investoren etwas Neues aus Schindlers Kerngeschäft, dem Fahrstuhl- und Rolltreppenbau. Dort setzt das Unternehmen auf Innovationen und tastet sich Schritt für Schritt immer weiter in die Haustechnik vor. So etwas kostet Geld, das Also nicht binden darf – und so etwas wird honoriert: Nach der jüngsten Präsentation über das, was die Techniker bei Schindler in der Pipeline haben, korrigierten die Branchenbeobachter ihre Ziele für die Aktien nach oben und die Titel setzten zum Höhenflug an.

Analysten trauen der Aktie noch einiges zu. Nach Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg raten neun Experten zum Kauf, vier zum Halten und nur einer zum Verkauf der Titel. Ein Manko hat das Papier allerdings: Die Familie hält knapp 70 Prozent der Anteile. Das dämpft Spekulationsgelüste.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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