Aktie unter der Lupe
Anleger hoffen auf Wende bei Sachsenmilch

Für die Kleinaktionäre der Sachsenmilch AG könnte sich die geplante Änderung des Erbschaftsteuerrechts in Form hoher Kursgewinne auszahlen. Denn nach Einschätzung von Anlegerschützern drückt der Hauptaktionär und Milch-Multi Theo Müller gezielt den Kurs des Tochterunternehmens, etwa durch eine schleppende Informationspolitik.

HB DÜSSELDORF. So sind bislang kaum Zahlen über den Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres zu bekommen. Müller hatte noch auf der Hauptversammlung Anfang des Jahres keinen Hehl aus seiner Motivation gemacht und gesagt, solange der Kurs niedrig sei, gehe es ihm gut. Auch was hinter all dem steht, hatte er mehrfach zu erkennen gegeben: die Erbschaftssteuer. Denn je niedriger der Marktwert der Sachsenmilch, desto weniger Steuern müssen die Erben zahlen. Eine aktuelle Stellungnahme war von der Müller-Gruppe nicht zu bekommen.

Die Bundesregierung hat am Mittwoch beschlossen, die Erbschaftsteuer für Unternehmen, die weitergeführt werden, zu senken und nach zehn Jahren ganz zu erlassen. Allerdings soll eine Höchstgrenze für Betriebsvermögen von 100 Mill. Euro gelten. Sachsenmilch ist derzeit an der Börse mit rund 27 Mill. Euro bewertet – und das bei einem Jahresumsatz von zuletzt etwa 1,2 Mrd. Euro.

Der Dresdner Finanzprofessor und Gründer der Aktionärsvereinigung „Sachsenmilch-Initiative“, Hermann Locarek-Junge, erwartet nun wegen der Gesetzesnovelle, dass der Kurs nicht mehr künstlich gedrückt werde.In den vergangenen zwölf Monaten sank der Aktienpreis des Molkereiunternehmens aus Leppersdorf bei Dresden von 51 auf knapp 35 Euro. Doch selbst, wenn es nur nach dem Substanzwert gehe, müsse das Papier über 70 Euro notieren, sagt der BWL-Professor. Vor rund einem Jahr hatte er mit Studenten anhand zu erwartender Cash-Flows sogar einen fairen Aktienwert von 220 Euro ermittelt.

Diese Berechnung ist jedoch mittlerweile hinfällig, da die Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG im Dezember einen großen Verpackungsvertrag mit ihrer Tochter Sachsenmilch gekündigt hat. Durch den Schachzug geht dem sächsischen Unternehmen nach Angaben Locarek-Junges etwa ein Drittel vom Umsatz und ein erheblicher Teil vom Ergebnis verloren. Nach Ansicht von Harald Petersen, der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ist, lässt Müller diese Gewinne nicht mehr bei Sachsenmilch anfallen, weil er sie dort wohl irgendwann mit den Minderheitsaktionären, die rund 15 Prozent an dem Unternehmen halten, teilen müsste.

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