Aktie unter der Lupe
Bernhard-Effekt stützt die VW-Aktie

Die Reaktion an der Börse war deutlich: Um fast acht Prozent stieg die Aktie des Automobilherstellers VW am Mittwoch und auch gestern ging es noch einmal leicht bergauf. Seitdem bekannt ist, dass der frühere Daimler-Chrysler Manager Wolfgang Bernhard ab Frühjahr 2005 zum Wolfsburger Konkurrenten wechselt und dort spätestens zum 1. Januar 2006 die Führung der Markengruppe Volkswagen (VW, Skoda, Bentley, Bugatti) übernimmt, keimt bei den Aktionären neue Hoffnung auf.

HB FRANKFURT/M. Im laufenden Jahr mussten die Aktionäre stark leiden: Der VW-Titel hat seit Anfang Januar gut 30 Prozent an Wert verloren. Gründe für den Schwächeanfall gibt es zahlreiche: die Ankündigung einer deutlich verringerten Gewinnerwartung im Juli, schwache Verkaufszahlen, der geplatzte Einstieg des Emirats Abu Dhabi, der Abstieg aus dem für die Eurozone maßgeblichen Auswahlindex Euro Stoxx 50 und die bislang ergebnislosen Tarifverhandlungen im eigenen Haus.

Ob nun mit dem Einstieg des als harter Sanierer bekannten Wolfgang Bernhard auch für die Aktie die Wende kommt, darüber gehen die Meinungen bei den Analysten weit auseinander. Zwar haben einige von ihnen nach Bekanntwerden der Personalie ihre Einschätzung nach oben revidiert. Keith Hayes von Goldman Sachs beispielsweise stufte die Aktie von „underperform“ auf „in line“ herauf. „Die Maßnahme zeigt, dass der VW-Konzern die Notwendigkeit einer fundamentalen Restrukturierung erkannt hat“, sagte Hayes.

Michael Punzel von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ging sogar von „Marketperformer“ auf „Outperformer“ nach oben und traut der Aktie damit eine bessere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu. Sein Kursziel für die VW-Stammaktie, die gestern bei 34,80 Euro notierte, stufte er von 40 auf 45 Euro herauf. Als Gründe nannte er, dass das Vertrauen in Kostensenkungsmaßnahmen des Konzerns zugenommen habe und sich positive Auswirkungen in der laufenden Tarifrunde ergeben könnten.

Obwohl die Bernhard-Personalie bei den Analysten unisono gelobt wird, stehen die meisten von ihnen der Aktie noch immer skeptisch gegenüber. Von den 46 Wertpapier-Experten, die sich laut der Agentur Bloomberg im vergangenen Jahr mit Volkswagen beschäftigt haben, raten noch immer 18 zum Verkauf. Nur 14 empfehlen die Aktie zum Kauf, der Rest nimmt eine neutrale Position ein. Die meisten Analysten wollen so wie Stephen Reitman von Merrill Lynch erst mal abwarten, wie die anstehenden Maßnahmen zur Kostenreduzierung letztlich in der Praxis ausfallen werden. „Jeder, der jetzt in kurzer Zeit ein Feuerwerk erwartet, dürfte letztlich enttäuscht werden“, sagt Reitman, der aber weiterhin zum Verkauf der Aktie rät. Deutliches Aufwärtspotenzial sieht er wie das Gros seiner Kollegen erst dann, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld und damit die Konsumneigung bessert. Dann dürften gerade Volumenhersteller wie VW besonders profitieren.

Wohlwollender als viele Fundamentalanalysten äußern sich technische Analysten zu der Aktie. „Ein Schlusskurs von über 34 Euro spricht für weitere, technisch orientierte Käufe“, sagt Manfred Wolter von der Landesbank Rheinland- Pfalz. Die nächsten Hürden warten seiner Meinung nach rund um 36 Euro und dann bei 38 Euro.

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