Aktie unter der Lupe
Chipgigant Intel auf Rekordkurs

Chipgigant Intel ist auf Rekordkurs. Dennoch sind Anleger skeptisch, obwohl der Intel-Chef Otellini ein gutes Jahr 2011 prognostiziert. Anleger befürchten, der Konzern könnte den Anschluss an ein großes Geschäft verpassen.

StuttgartDas vergangene Jahr sei das beste in der Geschichte von Intel gewesen – und 2011 werde sogar noch besser, sagte Intel-Chef Paul Otellini auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz. Fast 44 Milliarden Dollar hat der weltgrößte Computerchiphersteller 2010 umgesetzt und den Gewinn um fast 50 Prozent gesteigert. Trotzdem haben Intels Aktien an der Börse einen schweren Stand: Nachdem der US-Technologieindex Nasdaq in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 20 Prozent zugelegt hat, treten Papiere des Chipkonzerns bei rund 21 Dollar auf der Stelle.

Schuld daran ist vor allem die Angst der Anleger, dass Intel den Anschluss an das nächste große Geschäft verpassen könnte – nämlich bei den Chips, die in Smartphone-Handys und Tablet-Computern wie Apples I-Pad eingebaut werden. Hier hat vor allem Intels britischer Rivale ARM Holdings den Fuß in der Tür. Die von Intel produzierten Chips verbrauchten dagegen noch zu viel Energie, kritisieren Experten. „Die Anforderungen der Branche ändern sich durch die neuen Produkte, und andere Halbleiteraktien sind hier wichtiger geworden als Intel“, sagt Paul Mendelsohn, Chef-Investmentstratege bei Windham Financial Services. Besser sieht es bei Chips für traditionellere Computer aus. In 93 Prozent aller PC-Server und in 86 Prozent aller Laptops stecken Intels Chips, schätzt Analyst Srini Pajjuri vom Brokerhaus CLSA. Vor allem Intels neueste Chipgeneration „Sandy Bridge“ wird von Analysten gelobt.

Dennoch sei es auch für diesen Bereich wichtig, dass Intel bald den Sprung ins Tablet- und Smartphonegeschäft schafft: „Sie haben viel zu verlieren, wenn die Kunden demnächst in großem Umfang Tablet-Computer kaufen und dadurch die Umsatzzahlen bei PCs und Laptops sinken“, sagt David Dillon, Fondsmanager bei Highmark Capital Management. Intel hat angekündigt, man werde im Laufe des Jahres ins Smartphone-Geschäft einsteigen.

Außerdem überraschte die Geschäftsleitung den Markt mit der Ankündigung, in diesem Jahr bis zu 9,3 Milliarden Dollar für neue Produktionsanlagen auszugeben. Das wäre eine Steigerung von etwa 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und Intels größte Investitionssumme seit zehn Jahren. Einige Analysten sehen diese Entscheidung skeptisch: Sechsmal habe Intel seit 1993 seine Investitionen um mehr als 25 Prozent gesteigert, sagt James Covello von Goldman Sachs. Und in fünf dieser Fälle seien danach die Bruttomargen gesunken, weil die Lagerbestände stark anwuchsen.

Die positiven Anlageurteile überwiegen dennoch: 30 von 49 Banken raten zum Kauf von Intel-Aktien, davon vergibt fast die Hälfte die Bestnote „Starker Kauf“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 24 Dollar und damit etwa 15 Prozent über dem aktuellen Kurs.


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