Aktie unter der Lupe
Commerzbank-Aktien fallen in Ungnade

Das Dementi der Commerzbank, in diesem Jahr wohl doch keine Kapitalerhöhung mehr durchzuboxen, erfreut die Aktionäre. Viele Experten halten die Aktie des zweitgrößten deutschen Bankhauses allerdings nicht für attraktiv. Sie raten Anlegern ihre Papiere zu halten oder zu verkaufen. Denn auf das Finanzinstitut kommt so einiges zu.
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FRANKFURT. Kommt die Kapitalerhöhung - oder kommt sie nicht? Nach der Deutschen Bank sollte sich auch die Commerzbank entscheiden. Vor wenigen Tagen dann das Dementi: In diesem Jahr werde es mit der Kapitalerhöhung voraussichtlich nichts mehr geben, hieß es. Die Aktionäre waren erfreut, mit dem Kurs geht es an der Börse seither ein wenig nach oben. Montagnachmittag legten die Papiere der Bank gut ein Prozent zu auf 6,50 Euro.

Hätte das Institut die bereits genehmigten 590 Mio. Papiere auf den Markt geworfen, wäre der ohnehin schon schwache Kurs noch weiter zurückgefallen. 30 Prozent Platzierungsabschlag, wie ihn zuletzt die Deutsche Bank erlebt hat, hätten die Commerzbank-Aktie nach dem aktuellen Kurs in Richtung vier Euro gedrückt. Am Ende hätte die Commerzbank nicht annähernd das Kapital erwirtschaftet, das sie in den nächsten Monaten aufbringen muss.

Aber ist die Commerzbank-Aktie nach der verschobenen Kapitalerhöhung attraktiv für Anleger? Nein, sagen die meisten Experten. Ein Großteil der Analysten, die zuletzt die Aktie unter die Lupe genommen haben, empfehlen "Halten" oder "Verkaufen"; lediglich 30 Prozent sagen, die Papiere seien attraktiv.

Analysten sind skeptisch

Tatsächlich kommt so einiges auf das Institut zu. So bald wie möglich will Bankchef Martin Blessing die Staatsbeteiligung an seinem Institut beenden, Kostenpunkt: 18,2 Mrd. Euro. Außerdem will das Financial Stability Board, eine multinationale Organisation zur Neuordnung des Bankenmarkts, die Commerzbank als systemrelevantes Institut einstufen. Blessing müsste nochmals einige Milliarden mehr an Eigenkapital zur Seite legen. Und bis 2014 muss er die Eurohypo verkaufen, doch so viele faule Kredite liegen noch im Portfolio, dass niemand einen guten Preis zahlt.

SEB-Analyst Manfred Jakob rechnet zwar nicht damit, dass die Aktie deutlich absackt. Aber: Allzu bald dürfte die Commerzbank die Staatshilfen nicht zurückzahlen können. Erst wenn das operative Geschäft stabil und der Kurs gestiegen ist, wird die Bank in der Lage sein, die Milliarden für den Bund aufzubringen.

Dass der Konzernüberschuss aus dem ersten Halbjahr 1,1 Mrd. Euro betrug, bedeutet für Jakob nicht, dass es weiter so schnell vorangeht: "Ich sehe noch keine Nachhaltigkeit in den Erträgen." Die Aktie hatte in letzter Zeit schon mehrmals Anlauf genommen, immer erfolglos. Den aktuellen Wert hatte das Papier auch schon vor drei, vor sechs und vor neun Monaten.

Der größte Optimist unter den Analysten ist Alexander Hendricks von der Deutschen Bank. Er erwartet, dass die Aktie auf acht Euro steigt und ändert sein Rating von "Halten" auf "Kaufen", nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen Integration der Dresdner Bank. Doch damit schließt die Commerzbank nur eine von vielen Baustellen ab.

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