Aktie unter der Lupe
Das Orakel und die Rück

Ein Erfolgsgeheimnis am Aktienmarkt lautet: Kopiere jene, die es besser wissen. Dazu gehören neben Managern auch Branchenkenner, wie die Anlagelegende Warren Buffett. Sein Einstieg bei der Münchener Rück wertet die Versicherung auf.

FRANKFURT. Der reichste Mann der Welt verdiente über seine Holding Berkshire Hathaway 2007 im Versicherungsgeschäft mehr als 5,6 Mrd. Dollar - etwa 60 Prozent des Betriebsgewinns. Der zur Gruppe zählende Rückversicherer Gen Re ist ein Konkurrent der Münchener Rück, wenn es um die Übernahme großer Risiken wie etwa die Versicherung eines Hochhauses geht. An einem weiteren Großversicherer, der Swiss Re, ist Buffett mit rund drei Prozent beteiligt. Es überrascht daher, dass er zudem Aktien der Münchener Rück kaufte.

Für den Buffett-Kenner und Frankfurter Fondsmanager Hendrik Leber besagt das allein noch nichts. "Berkshire Hathaway hält relativ viele Portfoliobeteiligungen, die gar nicht von Buffett, sondern von Lou Simpson gemanagt werden. Es kann also sein, dass Buffett das Investment gar nicht gesehen hat." Die Größenordnung sei auch zu gering, um für Buffett bedeutsam zu sein. "Warum sollte Buffett ?schlechtes? Geschäft eines Wettbewerbers kaufen, wenn er das Geschäft vorher gesehen und abgelehnt oder wegen zu dünner Margen abgewiesen hat? Das Rückversicherungsgeschäft ist ja doch so transparent", sagt Leber.

Andere sind naturgemäß euphorischer. Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard merkte auf der Hauptversammlung an, Buffett sei ja "ein Großaktionär, der weiß, was er tut". Zufrieden ist auch der als aggressiv bekannte, schwedische Finanzinvestor Cevian. Dessen Mitgründer Crister Gardell sagt: "Es ist positiv, dass Warren Buffett wie wir ein deutliches Wertpotenzial in der Münchener Rück sieht." Gardell fügte hinzu: "Wir sind ein langfristiger Investor, und wir haben konstruktive Diskussionen mit der Gesellschaft."

Auffällig an der Wortwahl ist: Cevian stellt sich auf eine Stufe mit Buffett, der für seinen langen Atem bekannt ist. Der Meister selbst wird sich zu den Vermutungen wohl erst Anfang Mai vor seinen Aktionären äußern.

Einige Analysten sind irritiert über den Zeitpunkt des Einstiegs, weil ja sogar das Management selbst eine Gewinnabschwächung vorhersagt. "Wir erwarten weltweit für die nächsten Jahre eine Zunahme von Schadenhäufigkeit und Schadenhöhe, wobei uns die Schadenereignisse im ersten Quartal in unserer Annahme bestätigen", sagt Thilo Gorlt, Analyst der BHF-Bank. Wegen der niedrigen Anleihezinsen dürfte es den Versicherern zudem zunehmend schwerer fallen, die Renditeniveaus der Vergangenheit mit bis zu fünf Prozent zu erzielen. "Deshalb muss die Branche in andere und vor allem höherverzinsliche Anlagen investieren, die in der Regel aber auch ein höheres Risiko haben." Derlei hat das Management vergangene Woche ausdrücklich angekündigt.

Für Gorlt ein Grund zur Skepsis: Er rät zum Verkauf, das Kursziel von 102 Euro liegt deutlich unter dem aktuellen Niveau. Optimisten heben dagegen die günstige Bewertung hervor. Unter der Finanzkrise leiden die Münchener so gut wie gar nicht. "Das operative Geschäft steht bei den Versicherern auf relativ soliden Füßen. Da bricht kein Geschäft weg - im Gegensatz zu den Banken", urteilt Thomas Noack, Analyst der WestLB. Er glaubt nun an Kurse von 139 Euro für Aktie. Damit spiegelt er den insgesamt verhaltenen Optimismus der Analysten wider.

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