Aktie unter der Lupe
Der sagenhafte Neustart von General Motors

Dem Autohersteller General Motors gelang im vergangenen November der Neustart an der Börse. Zwar läuft bei dem US-Giganten noch nicht alles rund, doch die langfristigen Aussichten sind gut. Auch Analysten sehen weiteres Potenzial.
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STUTTGART. Ein neuer Start an der Börse, ein neuer Konzernchef und viele Rückrufaktionen wegen Mängeln - der US-Autogigant General Motors (GM) stand in diesem Jahr oft in den Schlagzeilen. Nachdem die US-Regierung das Unternehmen in der Wirtschaftskrise mit knapp 50 Milliarden Dollar vor dem Aus bewahrt hatte, nahm GM 2009 seine Aktien notgedrungen aus dem Handel und konzentrierte sich auf die Sanierung.

Im November wagte sich GM zurück an die Börse: Mit einem Volumen von mehr als 23 Milliarden Dollar stellten die Amerikaner einen neuen Weltrekord auf. Der Großteil des Geldes geht nun an den Staat zurück. "Sie haben ein paar hässliche Jahre hinter sich, aber GM ist jetzt in wesentlich besserem Zustand als vor dem Bankrott", sagt Anand Chokkavelu vom Online-Börsendienst Motley Fool. Er setzte GM vor wenigen Tagen auf seine Liste der "zu Unrecht übersehenen Aktien 2011".

Noch läuft zwar nicht alles rund bei GM. Vor allem die zahlreichen Rückrufaktionen sorgten für Peinlichkeiten: Mindestens neun Millionen Wagen mussten in diesem Jahr in die Werkstatt gerufen werden.

Dennoch: Die langfristigen Aussichten für GM sind gut, sagen die Analysten. Von den sechs Banken, die die Aktie inzwischen wieder in ihre Empfehlungslisten aufgenommen haben, raten vier zum Kauf und zwei zum Halten von GM. Das durchschnittliche Zwölfmonats-Kursziel liegt derzeit bei knapp 42 Dollar - das wäre ein Plus von etwa 25 Prozent. Im Vergleich zum Ausgabepreis beim Börsenstart Mitte November liegen die Titel derzeit nahezu unverändert.

Im ersten Quartal 2010 schrieb der Konzern zum ersten Mal seit 2007 wieder schwarze Zahlen und hat seine Vierteljahresgewinne seitdem stetig gesteigert. Im dritten Quartal etwa lag der Ertrag bei rund zwei Milliarden Dollar. Schlechter sieht es bei der deutschen Opel-Tochter aus: Der operative Gesamtverlust im Europageschäft, zu dem neben Opel auch die britische Marke Vauxhall gehört, lag in den ersten neun Monaten 2010 bei 1,2 Milliarden Dollar. Das kommende Jahr soll nach Erwartungen von Analysten noch einmal hart werden, bevor der Autobauer 2012 in die schwarzen Zahlen zurückkehren werde.

Eines der größten Probleme für GM ist das schlechte Image. Viele Analysten befürchten, dass die Kunden GMs Kernmarken Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac als minderwertig gegenüber der Konkurrenz ansehen. Toyota, Volkswagen und BMW genießen einen besseren Ruf.

Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Vermarktung, die sich aus den vielen Namen ergeben: "GM hat nur lokale Marken. Selbst Opel heißt in Großbritannien Vauxhall", sagte Analyst Jürgen Meyer von SEB Asset Management dem Magazin "Spiegel". "Damit können sie sich zum Beispiel Bandenwerbung bei allen Großereignissen wie der Fußball-EM oder-WM sparen. Denn was sollte darauf stehen: Opel, Vauxhall oder GM?"

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  • Ok, genug gejubelt. bitte mal Fakten: ist der börsenjubel gerechtfertigt, weil tatsächlich echte Kosten gesenkt und unproduktive bereiche abgewickelt oder saniert wurden (wenn ja welche konkret) oder haben wir es hier wieder eher mit Erfolgen der Kosmetikindustrie zu tun, die "Fortschritte" mit allem, was das Schminköfferchen hergibt -sei es kreative buchführung, bilanztricks oder TARP-Programm- herbeizaubert. Ein blick hinter die Kulissen (mindestens der Versuch) würde dem Handelsblatt zur Ehre gereichen. So ist der Artikel, für alle die nicht an Wunder glauben, nicht besonders glaubwürdig.

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