Aktie unter der Lupe
Export gibt Tofas-Aktie Schwung

Analysten sehen für den türkischen Autohersteller Potenzial. Schließlich läuft es rund in der türkischen Automobilindustrie. Die schwache Lira und Übernahmegerüchte treiben den Kurs zusätzlich.

ISTANBUL. In den ersten acht Monaten des Jahres produzierte sie 660 371 Fahrzeuge – ein Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Branche profitiert nicht nur vom starken Wirtschaftswachstum in der Türkei, sondern fährt auch von einem Exportrekord zum nächsten. Immer mehr Autofahrer, die in Europa einen Ford, Fiat, Renault oder Toyota fahren, sitzen am Steuer eines Autos „Made in Turkey“, oft ohne es zu wissen.

Aber auch ausländische Anleger steigen vermehrt bei den türkischen Automobilherstellern ein. Favorit vieler Analysten ist Tofas, die Türk Otomobil Fabrikasi AS. Für Sayra Can Altundas, Türkei-Experte bei Morgan Stanley, ist das Tofas-Papier sogar „die türkische Aktie überhaupt“. Altundas nennt für den Wert ein Kursziel von 5,60 Lira. Das entspräche einem Potenzial von rund 40 Prozent gegenüber dem derzeitigen Kursniveau.

Ganz sorgenfrei ist die türkische Automobilbranche allerdings nicht. In der zweiten Jahreshälfte könnte der heimische Absatzmarkt unter den höheren Zinsen und der Lira-Abwertung leiden. Damit verteuern sich Import-Fahrzeuge, auf die bei den türkischen Pkw-Zulassungen rund 70 Prozent sowie 50 Prozent der Transporter entfallen.

Heimische Hersteller wie Tofas könnten hingegen vom Kursverlust der Lira profitieren. Überdies geht ein immer größerer Anteil der Tofas-Produktion in den Export – und da wird die schwache Lira für größere Margen sorgen. Das Unternehmen ging noch Anfang Januar für 2006 von 93 500 exportierten Fahrzeugen aus, setzte die Zielmarke aber inzwischen auf 115 000 Einheiten herauf. Für 2007 rechnet man mit ungefähr 150 000 exportierten Fahrzeugen. Ein Großteil der künftigen Ausfuhren basiert auf festen Verträgen.

Morgan Stanley erwartet, dass Tofas die Ausfuhren 2008 auf 326 200 Einheiten steigern wird. Das wären fast drei mal so viel wie im laufenden Jahr. Aber auch daheim dürfte Tofas seinen Marktanteil weiter steigern können. Er liegt derzeit bei 12,3 Prozent, nach 11,3 Prozent im Vorjahr.

Gefragt ist vor allem der im erste Quartal eingeführte Grande Punto, auch der Kleinlaster Doblo läuft gut. Ab 2008 soll ein neuer Transporter namens Minicargo für Schwung sorgen. Tofas wird dieses Fiat-Modell exklusiv für ganz Europa produzieren. Die italienische Mutter sowie PSA Peugeot Citroen haben sich bereits zur Abnahme von mindestens 165 000 Fahrzeugen pro Jahr bis 2015 verpflichtet.

Gute Aussichten, findet Morgan Stanley-Analyst Altundas. Er rechnet für 2006 bei Tofas mit einer Absatzsteigerung um 15 Prozent, 2007 könnten die Verkäufe sogar um weitere 21 Prozent zulegen. Damit dürfte der Hersteller im kommenden Jahr seine Ebitda-Marge von jetzt sieben auf acht Prozent steigern. Morgan Stanley prognostiziert Tofas eine Gewinnsteigerung (Ebitda) von 211 Mill. Lira in diesem auf 623 Mill. im Jahr 2008.

Nicht nur der gute Geschäftsverlauf macht die Tofas-Aktie interessant, auch Übernahme-Spekulationen sorgen für Kursphantasie: Anfang September beflügelten Gerüchte, wonach Fiat seinen Anteil an Tofas aufstocken wolle, das Papier. Die Italiener dementierten zwar, Istanbuler Aktienhändler sehen aber weiter reges Interesse institutioneller Anleger an der Aktie. Allerdings gilt auch für Tofas: Türkische Dividendenpapiere sind wegen der generellen Unwägbarkeiten von Schwellenmärkten und der besonders hohen Volatilität der Börse am Bosporus riskante Investments.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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