Aktie unter der Lupe
FJH: Softwarehaus mit Chancen

Einst angesagt, jetzt mangels geeigneter Kandidaten megaout: Wer vor einigen Jahren auf Turn-around-Kandidaten setzte, also auf Unternehmen, die nach langer Durststrecke auf dem Weg der Besserung sind und deswegen womöglich hohe Kurschancen bieten, der konnte unter einer Vielzahl von Aktien wählen.

FRANKFURT. Zu den wenigen Ausnahmen, die heute noch unter diesem Aspekt interessant sind, gehört FJH. Das Münchener Spezialsoftwarehaus für Versicherer stemmte sich im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Software-Branche lange erfolgreich gegen die Krise der Jahre 2002 und 2003, geriet anschließend aber umso mehr in den Abwärtsstrudel und ist gerade dabei, wieder schwarze Zahlen zu erreichen.

Finanzvorstand Stephan Schulak bestätigte gerade die für das laufende Jahr angekündigte Gewinn-Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von acht bis zehn Prozent. „Mittelfristig sollen an dieser Stelle sogar 15 Prozent stehen“, sagte er dem Handelsblatt. Unter Analysten gibt es zumindest keinen Zweifel, dass FJH die Krise überstanden hat und die Aktie nun große Chancen bietet. Im Jahr 2004 stand an dieser Stelle noch ein immenser Verlust von 122 Mill. Euro. Mehrere krasse Fehlentscheidungen im Management sowie eine lange spürbare Verunsicherung bei Kunden der sehr sensiblen Branche waren die Folge. Beispielsweise übernahm FJH im Jahr 2003 das Kölner Beratungsunternehmen Heubeck, um es 2005 schon wieder an den früheren Besitzer Klaus Heubeck zurückzuverkaufen.

Inzwischen hat das in der Versicherungsbranche weiterhin geschätzte Spezialsoftwarehaus das Management komplett ausgetauscht. Und seitdem absehbar ist, dass die Rückkehr in die schwarzen Zahlen in diesem Jahr geschafft werden wird, sehen sich auch Analysten wieder die Aktie an. Deren Einschätzung ist eindeutig: Drei Kaufurteile zeigt der Informationsdienst Bloomberg im Moment. Und jedesmal liegt das Kursziel deutlich über dem aktuellen Kurs von 2,55 Euro. „Wir sehen auf Basis des aktuellen Kursniveaus deutliches Upside für die Aktie“, sagt beispielsweise Knut Woller von Unicredit. Einen Kurs von 3,90 Euro hält er für möglich, auch wenn die jüngst vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr nicht ganz seine hohen Erwartungen getroffen haben.

Woller hat deshalb seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr leicht zurückgenommen, hält dabei jedoch immer noch eine Ebit-Marge von über neun Prozent für erreichbar. Nächstes Jahr sollen es dann schon fast zwölf Prozent sein. Wichtig wird dabei sein, wie sich die Versicherungsbranche im Rahmen der anhaltenden Konsolidierung im Heimatmarkt weiter entwickeln wird. Im vergangenen Quartal erwirtschaftete FJH hier 77 Prozent seines Umsatzes.

Die Zukunft des Unternehmens hängt deshalb unter anderem davon ab, welche Zusammenschlüsse sich am Versicherungsmarkt ergeben. Denn während die Branchenriesen ihre Software selbst entwickeln, greifen vor allem kleine und mittlere Versicherer nach einer Fusion gerne auf FJH-Software zurück, um ihre Systeme zu vereinheitlichen. „Im Moment halten sich positive und negative Auswirkungen auf unser Geschäft die Waage“, sagt Stephan Schulak.

Analysten wie Felix Ellmann von SES Research in Hamburg erwartet hierdurch auch keine negativen Konsequenzen. Immerhin habe FJH im ersten Halbjahr die Provinzial Rheinland Lebensversicherung als strategisch wichtigen Kunden gewonnen, außerdem in den USA die gute Entwicklung im Bereich der Krankenversicherer fortgesetzt, lobt Ellmann. Mit 4,20 Euro als Kursziel ist er der größte Optimist für die FJH-Aktie.

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