Aktie unter der Lupe
Führungswechsel gibt Motorola Schwung

Analysten geben dem kommenden Vorstandschef von Motorola einen kräftigen Vertrauensvorschuss – das Handy-Geschäft entspannt sich indes. Nach Erhebungen des Finanzdienstes Thomson Financial überwiegen jetzt die Kaufempfehlungen

HOUSTON. Es kann kein freudiger Abschied für Motorola-Chef Christopher Galvin gewesen sein: Fast auf den Tag genau 75 Jahre, nachdem sein Großvater Paul Galvin den US-Technologiekonzern gegründet hatte, trat der Enkel im Streit um die künftige Firmenstrategie zurück. Das Direktorium wollte Galvin nicht mehr folgen. Der Handy- und Halbleiterkonzern hatte in dessen Amtszeit massiv Marktanteile verloren. Und alle Sparprogramme schlugen nicht recht an, obwohl unter Galvin etwa 60 000 Mitarbeiter entlassen wurden. Nach Analystenansicht hatte sich der Motorola-Chef zu lange gegen Neuerungen gesträubt.

Prompt reagierten die professionellen Beobachter mit Heraufstufungen für den zweitgrößten Handyhersteller der Welt. Nach Erhebungen des Finanzdienstes Thomson Financial überwiegen jetzt die Kaufempfehlungen. „Die erheblichen strategischen und fundamentalen Probleme bei Motorola werden sich zwar nicht über Nacht lösen lassen“, sagt Dale Pfau vom Investmenthaus CIBC World Markets. „Aber der Rücktritt des Chefs ist der positivste Schritt im Management seit vielen Jahren.“

Analysten und Investoren vermuten, dass für die Nachfolge unter anderem Konzernpräsident Mike Zafirovski im Gespräch ist. Sie hoffen, dass sich Motorola möglichst bald für einen Kandidaten entscheidet, damit bei den Anlegern keine Unsicherheit aufkommt. Dennoch könnte es noch drei bis sechs Monate dauern, bis die Nachfolge geklärt ist, schätzt Samuel May von US Bancorp Piper Jaffray. Trotzdem setzt der Markt schon jetzt große Hoffnungen in den neuen Mann auf dem Chefsessel. Seit Galvins Rückzug am Freitag vor einer Woche erreicht der Aktienkurs nahezu täglich neue Jahreshöchststände.

Die Aufgabe wird für den neuen Firmenchef allerdings nicht leicht. Denn Motorolas Probleme ziehen sich durch viele Geschäftssparten. Im Kernbereich Mobiltelefone und Mobilfunkdienstleistungen verzeichnete der Konzern lange Zeit Verluste, während der Rest der Branche verhältnismäßig stabil blieb. In Galvins Amtszeit musste der Konzern zudem seine weltweite Führungsrolle in der Handy-Produktion an Nokia abgeben. Der finnische Konkurrent verfügt inzwischen über einen Weltmarktanteil von rund 36 %, während es Motorola noch auf knapp 15 % bringt.

Insgesamt verlor die Aktie in Galvins knapp siebenjähriger Amtszeit fast 40 %. Der Standard&Poor's- 500-Index legte in der gleichen Zeit mehr als 40 % zu. Und obwohl der Konzern die eigenen Prognosen vor kurzem noch bestätigte, fürchten Analysten, dass Galvins Abgang in der Ertragsschwäche des Konzerns begründet sein könnte. „Möglicherweise ist das eine Ankündigung für weitere Enttäuschungen im vierten Quartal oder darüber hinaus“, sagt Dale Pfau.

Allerdings gibt es auch geschäftliche Lichtblicke. „Das Risiko im Handy-Portfolio beginnt sich abzumildern“, sagt Analyst May. „Es gibt klare Zeichen dafür, dass die Halbleitergeschäfte weltweit wieder anziehen.“

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