Aktie unter der Lupe
Für Grenke Leasing gibt es kaum noch Luft nach oben

Mit einem neuartigen Leasingkonzept konnte Grenke Leasing in den vergangenen zehn Jahren etliche Kunden gewinnen. Noch immer laufen die Geschäfte gut: Der Aktienkurs ist seit dem Sommer um gut 30 Prozent gestiegen. Doch es wird schwierig, den Erfolg zu bestätigen.
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FRANKFURT. Die Bezeichnung genügte, um vor zehn Jahren am technologiehörigen Neuen Markt Eindruck zu schinden: Small Ticket IT Leasing. Das hörte sich innovativ an. Und das ist es noch heute, auch wenn sich dahinter lediglich ein Leasingkonzept für Kleinunternehmer und Mittelständler verbirgt, die so eine neue Computeranlage, Drucker, Kopierer oder Software finanzieren können. Das gab es bislang erstaunlicherweise noch nicht.

Der Nischenfinanzierer Grenke Leasing ist zehn Jahre später noch immer Nischenfinanzierer. Nur in ungleich größerer Form. Geleast werden nicht mehr nur Computer, sondern auch Fahrzeuge. Vor kurzem kam das Industriegeschäft von Kärcher, bekannt für die gleichnamigen Hochdruckreiniger, hinzu. Dazu wurde das sogenannte Factoring-Geschäft ausgebaut, weil Kleinbetriebe mehr finanziellen Spielraum wollen, wenn sich ihre Auftraggeber viel Zeit beim Begleichen von Rechnungen lassen.

Zu guter Letzt übernahm man das Hamburger Bankhaus Hesse Newman, das danach zur Grenkebank wurde. Neben den Anleihen, die man seit Jahren mit Investmentgrade-Status begibt, kam so eine neue Form hinzu, um Einlagen zu generieren. Die Stiftung Warentest zählte die Bank jüngst zu den fünf besten Newcomern in der Branche.

Das kommt am Aktienmarkt an. Der Kurs der im Kleinwertesegment SDax gelisteten Aktie ist seit dem Sommer um gut 30 Prozent gestiegen. So sehr, dass die Prognosen der meisten Analysten mittlerweile erreicht oder in Sichtweite sind. Andreas Riemann von der Commerzbank lobt die neue Strategie und hat gerade das Ziel für die Aktie von 37 Euro auf 44 Euro angehoben. Der einfache Grund: Es gibt nichts, was gegen einen weiteren Aufschwung spricht. "Das Neugeschäft, das in diesem Jahr dazu kam und sich erst 2011 in einem rapidem Gewinnwachstum niederschlagen wird, ist voll intakt", sagt Riemann.

Dass das so ist, liegt an der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe, speziell wenn es um schnell veraltende Technik wie Computer geht. "Grenke kann aus der Kreditklemme sogar als Gewinner hervorgehen", sagt Thomas Noack von der WestLB. Leasing erweist sich seiner Ansicht nach als Alternative zur traditionellen Kreditfinanzierung. Im Moment bewertet er die Aktie aber wegen des immensen Zuwachses mit "neutral".

Mit Spannung erwarten Analysten die nächsten Neuerungen. Im Frühjahr hat man gemeinsam mit dem regionalen Förderinstitut NRW-Bank ein gemeinsames Leasingprogramm für Gewerbebetriebe und Freiberufler in Nordrhein-Westfalen gestartet. Angebote mit Förderbanken in anderen Bundesländern sollen folgen.

Für Analysten bleibt die entscheidende Frage, welche Kurssteigerungen nach dem rapidem Anstieg noch möglich ist. Andreas Riemann ist mit seinem Kursziel von 44 Euro größter Optimist unter den zehn Experten, die die Aktie bewerten. Die Luft nach oben scheint begrenzt.

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