Aktie unter der Lupe
Geduld mit Google

Der jüngste Kurseinbruch hat viele Anleger überrascht. Analysten vertrauen jedoch auf den Wert.

HOUSTON. Am Ende genügte ein scheinbar unbedeutender Anlass, um die Aktie der größten Internet-Suchmaschine Google abstürzen zu lassen: Der jüngste Quartalsgewinn, immerhin 82 Prozent höher als im Vorjahr, blieb leicht unter den Erwartungen der Finanzanalysten. Der Kurs der Aktie gab prompt um mehr als 20 Prozent nach. Ein kritischer Pressebericht im Wochenmagazin Barron’s belastete den Aktienkurs zusätzlich.

Dennoch halten die meisten Experten Google die Stange. 29 von 39 Anlageurteilen raten zum Kauf, zeigt eine Statistik des Finanzdienstleisters Thomson Financial. Tenor der Einschätzungen: Während eine Kurskorrektur über kurz oder lang zu erwarten gewesen sei, gebe es keinen Grund zur übertriebener Schwarzmalerei. „Die Leute sehen Googles Glas als dreiviertel leer an, aber in Wahrheit ist es dreiviertel voll“, sagte Analyst Jordan Rohan von RBC Capital der Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist eine richtige Erleichterung, diesen Schritt aus dem Weg zu haben, bevor die Aktie noch höher geklettert und dadurch noch tiefer gefallen wäre“, schrieb Analyst James Stewart im Wall Street Journal.

Mit Preisen um 340 Dollar liegt Googles Aktienkurs zurzeit wieder auf dem Niveau von Ende Oktober. Da werde der Kurs voraussichtlich auch erst einmal bleiben, bis Anfang März Googles nächster Analystentag stattfinde und für weitere Klarheit sorge, sagt Analyst Martin Pyykkonen von Hoefer & Arnett. Mehrere Analysten sehen durch die Korrektur sogar großartige Einstiegschancen für abgebrühte Anleger: „Während diejenigen mit dem schwachen Nervenkostüm den Tisch verlassen, fängt Googles langfristige Vision erst an“, kündigt etwa Denise Garcia vom Investmenthaus WR Hambrecht an. Für Mark Mahaney von Citigroup ist Google noch immer die wichtigste Kaufempfehlung bei den Internetaktien.

Dass Google trotz allem auch mit handfesten Problemen zu kämpfen hat, ist allerdings unbestritten. Mit Sorge betrachten die Analysten etwa die einseitige Ausrichtung der Internetfirma, die bislang den überwiegenden Teil ihrer Einnahmen mit Online-Reklamegebühren verdient. Die Werbekunden bezahlen dafür, dass ihre Anzeigen auf Googles Ergebnisseite erscheinen, wann immer die Nutzer bestimmte Suchwörter in die Maske eingeben.

Da die Gebühren oft pro Klick berechnet werden, bedeuten mehr Besucher auch höhere Einnahmen für die Suchmaschinen – was dem so genannten „Klickbetrug“ Tür und Tor öffnet. Dabei klicken beispielsweise Konkurrenten, bösartige Computerprogramme oder Hacker unverhältnismäßig oft auf die Anzeigen und verursachen dem Werber damit astronomische Kosten. Mehrere Analysten rügen Google dafür, sich nie eindeutig zum Problem des Klickbetrugs und möglichen Gegenmaßnahmen geäußert zu haben.

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