Aktie unter der Lupe
Home Depot enttäuscht

Der ausbleibende Bau-Boom und ein schwacher Ausblick der Heimwerkerkette belasten die Anteilsscheine des Unternehmens.

HOUSTON. Als vor einem Jahr Hurrikan „Katrina“ über die US-Golfküste hinwegfegte, sagten Analysten den amerikanischen Heimwerkermärkten eine deutliche Geschäftsbelebung voraus. Sobald die vom Sturm Vertriebenen in ihre Häuser zurückkehrten und sich an den Wiederaufbau machten, werde es ein beachtliches Umsatzplus geben, hieß es damals. Entsprechend kletterte in den ersten Wochen und Monaten nach dem Sturm der Aktienkurs des US-Marktführers Home Depot eifrig in die Höhe, und auch Hauptkonkurrent Lowe’s verzeichnete Kursgewinne.

Inzwischen sind die Kurse der Heimwerkermärkte allerdings wieder deutlich zurückgekommen, die Aktien stehen sogar schlechter da als vor Jahresfrist. Der Grund: In weiten Teilen der zerstörten Gebiete läuft die Heimkehr deutlich zögerlicher als erwartet. Im Stadtgebiet von New Orleans sind Schätzungen zufolge höchstens die Hälfte der früheren Bewohner zurück in ihren Häusern. Rund 40 Prozent der Wohnungen in der Stadt sind weiterhin ohne Strom.

Für das zweite Geschäftsquartal meldete Home Depot vor zwei Wochen zwar ein Gewinnplus von knapp fünf Prozent. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen aber für den Rest des Jahres Umsätze und Gewinne am unteren Ende der bisherigen Prognosen an. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern jetzt einen Gewinn von rund drei Dollar pro Aktie. „Doch selbst das könnte sich angesichts des problematischen Makroklimas noch als zu aggressiv herausstellen“, sagt Analyst Brian Nagel von UBS Investment Research.

Schuld ist vor allem der lahmende US-Immobilienmarkt, der nach jahrelanger Höchstleistung jetzt an Schwung verliert. „Die schwachen Verkaufszahlen bei bereits bestehenden Häusern machen uns Sorgen, weil sie eng zusammenhängen mit den Trends in den Heimwerkermärkten“, sagt Stephen Chick von JP Morgan. „Normalerweise kommt eine solche Entwicklung mit einem Dreivierteljahr Verzögerung bei den Baumärkten an – demnach sollten wir die Einbrüche spätestens im vierten Jahresquartal zu spüren bekommen.“

Die Prudential Equity Group setzte das Urteil gleich für den gesamten Sektor von „neutral“ auf „unvorteilhaft“ herab. Auch sie fürchten, dass sich die Konsumenten zurückziehen, weil ihnen die höheren Benzinkosten und Zinssätze ebenso zu schaffen machen wie der schwierige Immobilienmarkt.

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Lob gibt es dagegen für Home Depots Bemühungen, die Investoren mit anderen Sahnehäubchen anzulocken. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr kündigte die Chefetage eine Ausweitung des Aktienrückkaufprogramms an, das jetzt insgesamt über 17,5 Mrd. Dollar verfügt. Seit 2002 hat der Konzern bereits 17 Prozent seiner ausstehenden Papiere aufgekauft. Als Dividende sollen im zweiten Quartal 15 Cent je Aktie an die Anleger ausgezahlt werden.

Außerdem steigt das Unternehmen aus Atlanta vermehrt ins Geschäft mit professionellen Bauunternehmen ein. „Das ist ein logischer Schritt für Home Depot, schließlich stammen schon jetzt 30 Prozent des Umsatzes von professionellen Kunden“, sagt Analyst Alan Rifkin von Lehman Brothers. Auch David Strasser von Bank of America lobt: „Dass Home Depot durch einige Zukäufe seine Zulieferersparte ausgeweitet hat, sollte wieder Leben in die Wachstumsraten und den Bargeldbestand bringen.“

Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass Home Depots Aktienkurs seit Anfang Januar fast ein Fünftel seines Werts verloren hat. Zurzeit notiert die Aktie mit knapp 34 Dollar nur wenig über dem Jahrestief. Während einige Analysten das als Kaufgelegenheit betrachten und die Dow-Jones-Aktie weiterhin für einen fundamental guten Wert halten, warnen andere wie Stephen Chick von JP Morgan: „Es gibt gute Gründe dafür, dass die Aktie so billig ist. Wir raten den Anlegern noch zur Geduld.“

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