Aktie unter der Lupe
Johnson & Johnson entdeckt neue Marktnische

Wie lukrativ Johnson & Johnson’s neue Marktnische ist, zeigt sich schon am Gerangel mit der Konkurrenz. Schon kurz nach Einführung der neuen Gefäßstütze „Cypher“ verklagte der Pharma- und Medizintechnikriese Johnson & Johnson seinen Rivalen Boston Scientific wegen Patentverletzungen.

NEW YORK. „Cypher“ wird operativ in verstopfte Arterien eingesetzt, um den Blutfluss aufrecht zu erhalten. Die Gefäßstütze ist mit medizinischen Chemikalien beschichtet, die eine erneute Verklumpung verhindern sollen. Damit bietet Cypher eine Alternative zu aufwändigeren Bypass-Operationen. Experten schätzen, dass der Markt künftig auf ein Volumen von etwa 5 Mrd. $ anwachsen könnte.

Bereits bei der jüngsten Quartalsbilanz des im Dow Jones notierten Konzerns sorgte Cypher für Aufsehen. Zwar ging der Gesamtgewinn wegen Sonderbelastungen um mehr als ein Viertel zurück und blieb deshalb unter den durchschnittlichen Analystenerwartungen. Doch der Umsatz machte einen Sprung um 14 Prozent auf 10,3 Mrd. $. Zusätzlich gewann auch die Sparte der medizinischen Geräte und Diagnoseprodukte, zu denen Cypher gehört. Nach Konzernangaben profitierte die Sparte von dessen Einführung.

Dennoch warnen Analysten vor allzu großer Euphorie: „Die Investoren sollten nicht sämtliche Anlageentscheidungen von den Ebbe- und Flutläufen des Gefäßstützenmarkts abhängig machen“, warnt Jan Wald, Analyst beim Bankhaus A.G. Edwards und ausgebildeter Arzt.

Mit seiner vorsichtigen Haltung ist Wald nicht allein. Von 23 Analysten, deren Urteile die Nachrichtenagentur Bloomberg auflistet, raten 14 zum Halten und einer zum Verkauf der Aktie. Zudem gab der Kurs nach der Bilanzlegung um etwa vier Prozent nach und tendiert seitdem bei knapp 51,50 $ im Mittelfeld zwischen dem Jahreshöchststand und den Tiefwerten vom vergangenen Juli. Unter zusätzlichen Druck geriet die Aktie, als mehrere Banken ihre Anlageurteile herabstuften. „Inzwischen sind alle schlechten Nachrichten in den Titel eingepreist“, sagt Glenn Novarro von der Bank of America, der seine Bewertung ebenfalls auf Neutral kürzte. „Aber es fällt uns auch schwer, einen Beschleunigungsfaktor zu erkennen, der den Kurs wieder nach oben bringen könnte. Bis Jahresende wird sich die Aktie deshalb wahrscheinlich eher seitwärts bewegen.“

Einige Pluspunkte bietet der Titel dennoch: „Johnson&Johnson ist die siebtgrößte Pharmafirma der Welt“, sagt Wald. „Und die Marke bietet einiges an Stärke, vor allem beim Geschäft mit den Privatkunden. Diese Kraft liefert eine stabile Einkommensquelle für den Konzern.“ Analyst Matt Dodds von SG Cowen lobt zudem den „beeindruckenden Bargeldvorrat“, der dem Unternehmen große finanzielle Flexibilität biete. Die bestehenden Risiken seien mehr als ausreichend im Kurs berücksichtigt. „Wir bevorzugen Johnson&Johnson außerdem wegen seiner robusten Wachstumsaussichten“, sagt Dodds. Im Vergleich zur Konkurrenz halten andere Experten das künftige Potenzial allerdings für begrenzt. Glenn Novarro kürzte sein Kursziel von 70 auf 58 $, was im Vergleich zum aktuellen Niveau noch immer ein Plus von mehr als zehn Prozent wäre. Er glaubt, dass Pharmakonzerne wie Wyeth, Pfizer und Eli Lilly schneller wachsen.

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