Aktie unter der Lupe
Magere Zeiten für Weight-Watchers

Probleme bei der Diät-Selbsthilfegruppe Weight Watchers International: Obwohl sich die Zahl der Übergewichtigen in den USA zurzeit auf einem Rekordhoch bewegt, stehen dem New Yorker Unternehmen magere Zeiten bevor.

HOUSTON. Nach jüngsten Studien sind zwar zwei von drei US-Bürgern übergewichtig und ein Drittel sogar krankhaft fettleibig. Doch in der angespannten Wirtschaftslage leisten sich immer weniger Amerikaner den monatlichen Mitgliedsbeitrag für Weight Watchers, deren Programme schon berühmten Zeitgenossen wie Sarah Ferguson, der Herzogin von York, beim Abspecken geholfen haben. Seit der Gründung 1963 hat sich Weight Watchers mit rund 44 000 Gruppentreffen pro Woche und mehr als 25 Millionen Kunden zum weltweit größten Diät-Anbieter entwickelt.

Im vergangenen Quartal stieg der Gewinn bei Weight Watchers zwar um etwa 30% auf knapp 54 Mill. $. Dabei profitierte das Unternehmen vor allem von dem Geschäft im Ausland und dem Verkauf von Produktven unter der Weight-Watchers-Marke. Doch gleichzeitig warnte die Geschäftsleitung für das Gesamtjahr vor niedrigeren Gewinnen.

Experten vermuten, dass unter anderem geänderte Ernährungsphilosophien zum Mitgliederschwund bei Weight Watchers beitragen. Denn in den USA gewinnen zurzeit Abmagerungskuren wie die so genannte Atkins-Diät Anhänger, bei denen anders als bei traditionellen Fastenkuren viel Fett und wenig Kohlenhydrate verzehrt werden. „Dies ist möglicherweise keine kurzlebige Modeerscheinung“, sagt Analystin Carol Wilke von Merrill Lynch. „Dieser Wettbewerb heizt sich eher noch auf und könnte uns eine Weile erhalten bleiben.“

Ihr Kollege Andrew McQuilling beim Bankhaus UBS Warburg betrachtet die neue Konkurrenz als Bewährungsprobe für das Unternehmen. „Hier stellt sich für Weight Watchers die Frage, ob sie fähig sind, sich über das Schlachtengetümmel zu erheben und ihre Botschaft zu verbreiten.“

Einige Wachstumsimpulse könnte die Aktie schon bald bekommen: Seit Kurzem arbeitet Weight Watchers mit der populären US-Restaurantkette „Applebee's“ gemeinsam an einer kalorienbewussten Speisekarte. Die beiden Unternehmen schlossen Ende Juli einen Vertrag über fünf Jahre. Dnach wird Applebee's in seinen Gaststätten unter dem Weight-Watchers-Logo fett- und zuckerreduzierte Gerichte anbieten.

Anfang September wollen die Schlankheitsexperten zudem ein verbessertes Punktezählsystem namens „Flex Points“ einführen, mit dem die Fastenden ermitteln, was sie pro Woche essen dürfen. Dabei nehmen die Kalorienzähler diesmal auch Rücksicht auf finanzschwächere Kunden, sagt Wilke: „Weight Watchers hat traditionell stets die Preise angehoben, wenn die Markteinführung eines Konzepts anstand. Doch diesmal werden die Preise nicht steigen.“

Experten stehen der Neuerung dennoch skeptisch gegenüber. „Solange der Markt die Auswirkungen von Flex Points nicht besser absehen kann, wird die Aktie unter Druck bleiben, vermutlich bis Ende September oder Anfang Oktober“, erwartet McQuilling. Andere Analysten befürchten, dass die Aktion für steigende Werbekosten sorgen wird, ohne dass die Reklame viele neue Kunden anlockt.

McQuilling kürzte daher vor einigen Wochen seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr und senkte auch das Kursziel auf 45$. Mit seinem Urteil „Neutral“ teilt er die vorsichtige Einschätzung einiger Kollegen: Von acht Bewertungen, die die Nachrichtenagentur Bloomberg verzeichnet, raten vier zum Kauf und vier zum Halten der Aktie. Auch Amy Chasen von Goldman Sachs erwartet vorläufig keine großen Höhenflüge: „Wenn auch eine Bewertung um 43 Dollar auf längere Sicht fair ist, lastet doch der jüngste Rückgang bei den Teilnehmerzahlen auf dem Wert.“ Sie rechnet frühestens im vierten Quartal mit einer Verbesserung.

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