Aktie unter der Lupe
Neuausrichtung beflügelt Celanese-Aktie

Analysten begrüßen bei Celanese die Besinnung auf Kerngeschäftsfelder. Weiteres Kurspotenzial für die Aktie des Chemieunternehmens ist allerdings umstritten.

DÜSSELDORF. Mit den „Visionen 2005“ rief der Vorstand von Celanese im März 2001 den Aufbruch zu neuen Ufern aus. Die Marschroute des Chemieunternehmens hieß kräftiges Wachstum – intern wie extern. Vollmundig wurden zehn Mrd. Euro als Umsatzziel für das Jahr 2005 ausgegeben. Nach dem abgelaufenenen Jahr musste man kleinlaut einen Rückschlag eingestehen. Mit 4,3 Mrd. Euro Umsatz blieb Celanese 500 Mill. Euro unter dem Wert von 2001. Nachdem das erste Halbjahr 2003 nicht mehr als 2,2 Mrd. Euro Umsatz brachte, verabschiedete sich Vorstandschef Claudio Sonder Anfang September auch offiziell vom hoch gesteckten Umsatzziel. Die „Visionen 2005“ wurden auf unbestimmte Zeit ins Reich der Illusionen verbannt.

Besinnung auf das Kerngeschäft ist an deren Stelle getreten. Mit Konsequenzen fürs Produktportfolio: Das verlustbringende Acrylat-Geschäft werde für 150 Mill. Euro an den US-Chemieriesen Dow Chemical verkauft, hieß es jüngst. Das Acrylat-Geschäft hatte dem Unternehmen, das 1999 vom Hoechst- Konzern abgespalten wurde, bei chemischen Zwischenprodukten im ersten Halbjahr 2003 einen Verlust von zehn Mill. Euro beschert. Acrylsäure wird z. B. für die Herstellung von Seife, Reifen und Autowachs benutzt. Auch die Mitarbeiter sind betroffen: In der Kunststoffsparte streicht Celanese 140 der 2 400 Stellen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 10 400 Menschen. Die Neuausrichtung wird Vorstandschef Sonder nicht vollenden: Er räumt Ende Oktober 2004 seinen Posten. Als Nachfolger wird der frisch berufene stellvertretende Vorstandschef David Weidman hoch gehandelt.

Die Trennung von den Acrylaten ist wohl nur der Beginn der Neuausrichtung: Heftige Spekulationen über den Verkauf der Süßstoffsparte Nutrinova werden von Celanese nicht dementiert. „Alle Optionen sind offen“, heißt es aus der Firmenzentrale. Die verschiedenen Möglichkeiten – von Veräußerung bis Partnerschaft – werden derzeit mit einer Investmentbank ausgelotet. Nutrinova trug im Vorjahr 4 % zum Gesamtumsatz bei.

„Celanese kennt die eigenen Kernfelder“, bescheinigt Andreas Heine von der HypoVereinsbank dem Chemieunternehmen. „Mit dem Acrylate-Verkauf wurde eines der Probleme gelöst.“ Heine stufte die im MDax geführte Aktie daher Mitte September von „Outperformer“ (besser als der Markt) auf „Kaufen“ hoch. Als Kursziel binnen zwölf Monaten markiert er 41 Euro. Eine Trennung von der Süßstoffsparte würde Heine begrüßen. „Nutrinova ist mit einem Jahresumsatz von 150 Mill. Euro einfach zu klein.“

Auch Kollege Bernd Schnarr von der WGZ-Bank ist optimistisch – sofern sich die Konjunktur anhaltend belebt und Öl- und Gaspreise sich auf niedrigem Niveau bewegen. „Celanese ist mit dem Abstoßen der unattraktiven Geschäftsfelder, die die Abspaltung vom Hoechst-Konzern mit sich brachte, auf dem richtigen Weg.“ In den Kerngeschäften Acetylprodukte, in denen Erdgas und Ethylen zur Weiterverarbeitung veredelt werden, und Ticona, das sind technische Kunststoffe, erwartet Schnarr weitere Expansion und Investition. Derzeit machen Acetylprodukte 43 % des Umsatzes aus, auf Ticona entfallen 18 %. Die Börse habe die Konzentration allerdings bereits mit einer Kursrally honoriert – Schnarrs Kursziel von 31 Euro ist fast erreicht. „Akkumulieren“ lautet daher seine Empfehlung.

Innerhalb der vergangenen sechs Monate kletterte der Aktienkurs von unter 15 auf mehr als 30 Euro. Vorsicht sei deshalb trotz der guten Unternehmensentwicklung geboten, gibt Sven Dopke zu Bedenken. Der Analyst von M.M. Warburg stuft Celanese mit „Halten“ ein. „Die Luft ist kurzfristig raus“, meint der Experte. Positiv bewertet er den kontinuierlichen Schuldenabbau. 313 Mill. Euro Nettoverschuldung erwartet Dopke am Jahresende – Ende 2002 waren es noch 497 Mill. Euro.

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