Aktie unter der Lupe
Novartis profitiert von Neuheiten

Kaum eine Branche ist so stark von der Entwicklung neuer Produkte abhängig wie die Pharma-Industrie. Kein Wunder, dass den Analysten die Strategie des Pharmaunternehmens Novartis gefällt. Der Konzern soll mehrere neue Produkte in der Hinterhand haben. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Selten sind sich die Kenner so einig: Die Pipeline ist voll. Die Rede ist von neu entwickelten Produkten, die der in der Hinterhand oder eben "in der Pipeline" haben soll. So stünden etwa das Osteoporose-Mittel Aclasta und das Parkinson-Medikament Stalevo vor dem Durchbruch. Bis 2011 will das Unternehmen zudem vier neue Krebsmedikamente auf den Markt bringen.

Das ist deshalb so wichtig, weil kaum eine Branche so stark von der Entwicklung neuer Produkte abhängt wie die Pharma-Industrie. Die Forschung und Erprobung verschlingt immenses Geld und dauert Jahre, dennoch scheitern viele Medikamente an der Zulassung. Hat ein Konzern dann keine neuen Patente zu bieten, kann er schnell ins Wanken geraten.

Novartis wankt nicht. "Im Vergleich zu anderen in der Branche hat Novartis weniger Probleme mit auslaufenden Patenten", sagt Analyst Björn Wolber von Independent Research. Wolber bestätigte seine Bewertung mit "kaufen" und einem Kursziel von 60 Schweizer Franken. Sein Kollege Manfred Jakob von der SEB-Bank stufte den Titel vor kurzem sogar herauf: Anstelle der Bewertung "buy" setzte er ein "strong buy". Seit Beginn des Jahres hat die Aktie zwar rund ein Fünftel an Wert verloren, doch derzeit deutet sich eine Umkehr des Trends an. Von 25 Analysten, die die Aktie innerhalb des vergangenen Monats bewertet haben, raten 16 zum Kauf. Fünf empfehlen, das Papier zu halten. Vier raten zum Verkauf.

Mit seinen kürzlich vorgelegten Zahlen hat das Unternehmen die meisten Analysten überzeugt. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf rund zehn Mrd. Dollar, das operative Ergebnis um sieben Prozent auf rund 2,5 Mrd. Dollar. "Damit hat Novartis in jeder Hinsicht überrascht", sagt Jakob. Umsatz und operatives Ergebnis seien viel stärker als erwartet gewachsen. Etwas vorsichtiger urteilt Wolber: "Die Zahlen für das erste Quartal sind zufrieden stellend ausgefallen".

Dass sie nicht noch besser ausfielen, lag an den USA, dem wichtigsten Arzneimittelmarkt. Starke Konkurrenz durch kostengünstige Nachahmerprodukte sowie der Stopp des Reizdarmmittels Zelnorm drückten den US-Absatz um 19 Prozent. "Das war erwartet worden", sagt Jakob. Dafür sei Novartis auf anderen Märkten, etwa in Osteuropa und Schwellenländern, sehr erfolgreich. Zudem sei Novartis durch seine Generika-Marke Sandoz und durch seine Impfstoff-Sparte breiter als die Konkurrenten aufgestellt.

Dazu passt die jüngst angekündigte Übernahme des Augenheilkunde-Unternehmens Alcon. Dafür wird Novartis bis 2011 insgesamt 35 Mrd. Dollar an den Nahrungsmittelkonzern Nestlé überweisen. Die Übernahme sei strategisch zwar vernünftig, allerdings sei der Preis dafür hoch, schreiben etwa die Analysten von Lehman Brothers in einer Studie. Analyst Jakob sieht die Vorteile: "Damit sichert sich Novartis den Zugang zum wachsenden Healthcare-Markt." In seiner Strategie orientiert sich Novartis an langfristigen Zielen - daher eignet sich auch die Aktien nicht für schnelle Spekulationen. Für Anleger, die mehr Geduld mitbringen, könnte sich das Papier lohnen.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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