Aktie unter der Lupe
Schwarz Pharma unter Druck

Analysten fürchten auf Grund von Konkurrenzprodukten weitere Kursverluste für die Aktie von Schwarz Pharma.

DÜSSELDORF. Der Kurseinbruch kam ohne Vorwarnung: Binnen 24 Stunden verlor die im MDax notierte Aktie von Schwarz Pharma bis Dienstag rund ein Drittel ihres Wertes. Der Grund für den dramatischen Wertverlust war die unerwartete Konkurrenz für das gewinnträchtige Magen-Darm-Medikament „Omeprazol“. Der US-Konzern Mylan Laboratories hatte zuvor mitgeteilt, Schwarz Pharma mit einem wirkstoffgleichen Medikament in den USA Konkurrenz zu machen. Diese Nachricht kam überraschend, weil Mylan das Medikament nun trotz laufenden Rechtsstreits auf den Markt bringt.

Omeprazol ist ein Nachahmerprodukt (Generikum) des Medikaments „Prilosec“ des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astra-Zeneca. Es hilft gegen Sodbrennen und Magen-Darm-Geschwüre. Schwarz-Pharma hatte sein Medikament nach einem juristischen Sieg gegen den Pharmariesen im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht und seitdem Gewinn und Börsenwert kräftig gesteigert. Ein US-Gericht hatte im Oktober 2002 entschieden, dass das Präparat von Schwarz Pharma zwar auf dem selben Wirkstoff wie Prilosec beruhe, dessen Patentschutz aber nicht verletze. Mylan hingegen, dessen Medikament ebenfalls auf Omeprazol basiert, befindet sich nach wie vor in einem Patenstreit mit Astra Zeneca.

Die Amerikaner berufen sich darauf, dass ihr Medikament dem von Schwarz Pharma entspreche und damit das Patent von Astra Zeneca ebenfalls nicht verletzen könne. Sollte Mylan mit der Argumentation scheitern, drohen dem Unternehmen hohe Schadenersatzforderungen. Anderenfalls wäre Schwarz Pharma der Leidtragende.

Welche Gefahr der Markteintritt von Mylan birgt, zeigt die Gewinn- und Umsatzentwicklung des Monheimer Unternehmens. Im ersten Halbjahr stieg den Überschuss auf 143 Mill. Euro (nach 9,4 Mill. im ersten Halbjahr 2002). Der Umsatz stieg um 142 Prozent auf 978 Mill. Euro – knapp 600 Mill. Euro davon entfielen auf Omeprazol.

So gewaltig die Erfolge des Generikums auch sind, die große Abhängigkeit von Omeprazol könnte sich für die Monheimer jetzt als Nachteil erweisen. Konkurrenz durch ein zweites Generikum hatte das Unternehmen nicht vor 2005 erwartet. „Das Wachstum von Schwarz Pharma beruht gegenwärtig vollständig auf Omeprazol. Die Konkurrenz durch Mylan wird den Marktanteil von Schwarz voraussichtlich schmälern und somit auf die Profitabilität drücken“, schreiben die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt in einer Studie. Der fundamentale Wert des Unternehmens werde sich dadurch verringern. Die Analysten raten nun zum Verkauf der Aktie, nachdem ihre Bewertung bisher „Add“ (Hinzufügen) lautete. Das Kursziel senkten sie auf 25 Euro.

Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), hält sogar einen noch kräftigeren Kursrutsch für möglich. „Wenn die Sonderertragssituation durch Omeprazol weg fällt, müsste Schwarz Pharma eigentlich wieder auf einem Niveau zwischen zehn und 20 Euro gehandelt werden, wie dies vor dem Gerichtsurteil im Oktober der Fall war.“ Außer dem Erfolgsgenerikum habe Schwarz nicht viel zu bieten, und auch die Produkte in der Pipeline hätten ihn bisher „nicht sonderlich beeindruckt“, sagt Groschke, für den die Aktie nur unterdurchschnittliches Potenzial hat. Über das Gewicht der Konkurrenz lässt Groschke keinen Zweifel: „Mylan ist groß genug, um aus dem Stand eine Kapazität bereit zu stellen, mit der sie den gesamten amerikanischen Markt abdecken können.“

Für Altana, deren Aktie am Montag ebenfalls kräftig verlor, erwartet Groschke hingegen vorerst keine Konkurrenz durch Mylan oder andere US-Generika-Hersteller. Zwar gehöre Omeprazol zur gleichen Medikamentenklasse wie Protonix von Altana. Um diesem Konkurrenz zu machen, müssten die Generikafirmen jedoch kräftig in Marketing investieren, und dies widerspreche der Strategie der Unternehmen.

Schwarz Pharma hingegen muss darauf hoffen, dass die US-Justiz den Prozess zwischen Astra Zeneca und Mylan zu Gunsten der Briten entscheidet. Sonst sind die Gewinnprognosen des Unternehmens hinfällig. Dies befürchten nun offenbar auch die Anleger.

Quelle: Handelsblatt

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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