Aktie unter der Lupe
Telefónica überrascht positiv

Der spanische Konzern Telefónica schafft es immer wieder, Analysten und Märkte positiv zu überraschen. Schon seit geraumer Zeit erwarten zum Beispiel die Analysten von Goldman Sachs, dass sich das Gewinnwachstum des Konzerns abflacht. Doch vor kurzem präsentierte Telefónica seine Quartalsergebnisse – und übertraf erneut die Erwartungen der Experten.

MADRID. Vor allem dank starker Zuwächse im spanischen Heimatmarkt sowie guter Umsätze in Lateinamerika konnten die Iberer ihr Nettoergebnis von April bis Juni im Vergleich zum zweiten Quartal 2006 mehr als verdoppeln.

„Wir hatten mit einem guten Ergebnis auf dem spanischen Markt gerechnet, aber die Ergebnisse haben unsere hohen Erwartungen noch übertroffen“, schwärmt Goldman Sachs-Telekomspezialist Mike Meloan. Telefónica selbst korrigierte die eigenen Schätzungen für das Gesamtjahr deutlich nach oben.

Der Hauptreiz der Gruppe liegt in einer Mischung aus einer sehr dominanten Stellung auf dem Heimatmarkt Spanien und einer ebenfalls führenden Position im boomenden Lateinamerika. Dort ist Telefónica in acht Ländern vertreten. Beide Regionen machen etwa ein Drittel des Geschäfts aus. Das restliche Europa erbringt nur rund ein Viertel der Einnahmen. Enttäuscht hat vor allem die deutsche Tochter O2. Doch nach der Neubesetzung des CEOs in Deutschland und einigen Umstrukturierungen erwartet Telefonica, dass der deutsche Ableger schon in der zweiten Jahreshälfte wieder wachsen wird.

Besonders stark war in den letzten Quartalen der spanische Breitband-Markt. Telefónica hat in diesem Bereich einen Marktanteil von 65 Prozent in Spanien. Analysten erwarten jedoch, dass der Anteil im Laufe des nächsten Jahres wegen steigender Konkurrenz und härterer Bedingungen der Regulierungsbehörden leicht sinkt. „Allerdings dürften diese Risiken längere Zeit brauchen, um Telefónicas hohen Erträgen zu schaden“, meint Citigroup-Analyst Terence Sinclair. Seiner Meinung nach werden die Gewinne vorerst im spanischen als auch im lateinamerikanischen Mobilgeschäft steigen und auch im Festlinienbereich stark bleiben. Starke Wachstumszahlen weist Telefónica zudem im Bereich Kabelfernsehen auf, das bisher einen relativ kleinen Anteil am Gesamtgeschäft hat, weil es bisher nur in wenigen Ländern angeboten werden darf. Dies soll sich aber bald ändern.

Trotz der geballten Begeisterung der Analysten gilt die Telefónica-Aktie noch immer als relativ billig. Zwar stieg der Kurs im Laufe des Jahres bereits um acht Prozent, mehr als doppelt so viel wie der spanische Aktienindex IBEX (plus drei Prozent), doch das Kurs-Gewinn-Verhältnis steht nur bei knapp zwölf. Die Aktie liegt mit 17,40 Euro noch immer deutlich unter dem Preisschild von 20 Euro, welches die Citigroup für realistisch hält, oder dem Zielpreis 19,45 Euro von Goldman Sachs.

Kursbewegend dürften in den nächsten Wochen vor allem Neuigkeiten aus Brasilien sein, wo Telefónica den größten Mobiltelefonanbieter Vivo ganz übernehmen will. Bisher halten die Spanier 50 Prozent der Anteile, die andere Hälfte ist in Händen von Portugal Telecom. Die Portugiesen wollen aber erst verkaufen, wenn sie sich eine Präsenz auf dem brasilianischen Markt auf andere Weise gesichert haben. Daneben hält Telefónica eine Beteiligung an Telecom Italia, die wiederum den brasilianischen Mobilfunker TIM kontrolliert.

„Entweder über Telecom Italia oder über Portugal Telecom wird Telefónica ihre Präsenz auf dem attraktiven brasilianischen Markt stärken, es ist sehr gut positioniert“, sagt die Telekomexpertin der spanischen Bank Banif, Fatima Parreño. Sie hält es etwa für möglich, dass Telefonica den Portugiesen Eintritt in den Mobilfunker TIM verschafft und im Gegenzug Vivo übernehmen kann.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
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