Aktie unter der Lupe
UPS bietet Kurspotenzial

Der US-Paketdienst UPS steigert auch in schwierigen Zeiten Umsatz und Gewinn. Das werten Analysten als gutes Zeichen.

STUTTGART. Zwei US-Teenager hatten die zündende Idee und gründeten ihre Firma in einem kleinen Kellerraum in Seattle. Heute zählt das Unternehmen zu den größten der Welt. Klingt wie eine Dotcom-Erfolgsgeschichte, ist aber schon viel älter – die Rede ist vom Paketzusteller UPS, der diesen Monat seinen hundertsten Geburtstag feiert. UPS ist „das Öl im Getriebe der globalen Wirtschaft“, lobt Analyst Dan Ortwerth vom Bankhaus Edward Jones. Sein Kollege Scott Flower von Bank of America bezeichnet den Titel als beste Aktie (Top Pick) der Branche.

Wie Konkurrent Fedex-Kinko kümmert sich UPS vor allem um das lukrative Geschäft mit kleineren und mittelständischen Firmen, die anders als Großunternehmen keine Mengenrabatte auf ihre Paketlieferungen aushandeln können. Vor einigen Jahren verstärkte UPS zudem seine Dienste im Expressverkehr, bei dem Pakete in vielen Ländern schon am nächsten Morgen den Empfänger erreichen.

Viel Zeit zum Verschnaufen wird UPS allerdings am runden Geburtstag nicht bleiben. Denn die US-Versandindustrie kämpft derzeit mit einer schlechten Stimmung im Lande. Seitdem die Preise am amerikanischen Immobilienmarkt fallen und die Benzinpreise an den Tankstellen steigen, haben die US-Bürger ihre Ausgaben deutlich zurückgefahren. Für UPS als weltgrößten Paketdienst heißt das möglicherweise: weniger Lieferungen an Privathaushalte und an Einzelhändler. Im zweiten Quartal erzielte die Firma ihr niedrigstes Gewinnplus in fast drei Jahren und zum zweiten Mal in Folge nur ein minimales Plus bei den Versandzahlen. Trotzdem halten Anleger an der Aktie fest. Auch Analysten teilen die positive Einschätzung: Von 18 Banken rät die Hälfte dazu, die Aktie zu halten. Die übrigen neun Banken empfehlen die Aktie zum Kauf, darunter gibt es fünfmal das Urteil „Starker Kauf“.

„Die Paketdienstbranche allgemein wird sich in der nächsten Zeit nur durchschnittlich entwickeln, aber UPS ist defensiver aufgestellt als der Großteil der Konkurrenz, weil das Unternehmen einen beachtlichen Finanzfluss aufweist“, sagt Scott Flower. Analyst Jason Seidl von Credit Suisse gefällt der Titel „sowohl als kurzfristige Defensiv-Anlage als auch wegen des Aufwärtspotenzials.“

Als viel versprechend gilt derzeit das internationale Geschäft. Immerhin liefert UPS täglich in mehr als 200 Länder, und knapp ein Fünftel der 430 000 UPS-Mitarbeiter arbeiten außerhalb der Staaten. Im vergangenen Vierteljahr wuchs der Umsatz bei US-Paketen nur um 1,6 Prozent, der weltweite Umsatz stieg dagegen um zwölf Prozent. „Zwar muss man diese Entwicklung weiter kritisch beobachten“, urteilt David Lee Smith vom Internet-Anlageberater The Motley Fool, „aber es ist doch beruhigend, ein Unternehmen zu finden, das seinen Umsatz und Gewinn auch in Zeiten steigern kann, wenn der US-Markt schwächelt.“ Als gutes Zeichen werten die Experten, dass sich der Paketdienst bereits frühzeitig um einen neuen Arbeitsvertrag mit der Gewerkschaft Teamsters kümmert. Diese vertritt mehr als die Hälfte aller UPS-Angestellten und fordert bessere Bedingungen bei Renten und Krankenversicherungen. Der bisherige Vertrag endet erst im Juli 2008, doch die Verhandlungen sind bereits in vollem Gange.

„Eine frühzeitige Einigung ist hier wahrscheinlich und würde dem UPS-Aktienkurs beträchtlich auf die Sprünge helfen“, sagt Jason Seidl. Auch Scott Flower hält die Strategie der Chefetage für umsichtig: „UPS könnte noch aggressiver beim Aktienrückkauf sein, aber sie wollen offenbar das überschüssige Geld als Löschmittel behalten, vielleicht für Pensionsverpflichtungen bei den Teamster-Verhandlungen.“

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