Aktie zählt zu den größten Verlieren unter den Nebenwerten
Medion verspielt das Vertrauen der Anleger

Für die meisten Medion-Aktionäre wird das Jahr 2004 in schlechter Erinnerung bleiben. Immerhin zählt die Aktie zu den größten Verlieren unter den Nebenwerten. Und auch für das kommende Jahr sieht es kaum besser aus. Denn nach Meinung von Analysten hat das Unternehmen das Vertrauen der Anleger verspielt.

HB DÜSSELDORF. Über 40 Prozent hat die Aktie des Elektronikgroßhändlers seit Jahresanfang verloren. Fast wäre das Papier sogar zum schwächsten Titel unter allen 50 im MDax notierten Nebenwerten abgestiegen – hätte nicht der Titel der Kaufhauskette Karstadt-Quelle nach kräftigen Umsatzeinbrüchen und Milliardenverlusten starke Kursverluste hinnehmen müssen.

Ihren Höhepunkt erreichte die Talfahrt der Medion-Aktie im September, nachdem der Vorstand die Jahresziele für das laufende Jahr bereits zum zweiten Mal binnen weniger Monate zurücknehmen musste. Und von diesen Rückschlägen und dem damit verbundenen Vertrauensverlust hat sich der Kurs bisher nicht erholt. Eine der Hauptaufgaben für das Management werde es in Zukunft sein, nach den Kursverlusten und Gewinnwarnungen das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, sagt Christian Schindler, Branchenexperte bei der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Doch das wird alles andere als einfach. Denn der größte Kunde des Elektronikhändlers ist noch immer der verschwiegene Discountriese Aldi. Nach Schätzungen der Analysten von Independent Research, die als Anlagevotum für die Medion-Aktie „verkaufen“ angeben, erwirtschaftet der Konzern rund 50 Prozent seines Umsatzes über die Aldi-Theke. Medion beliefert die Märkte mit Fernsehern, CD-Spielern und Computern, die wiederum günstig als Massenware eingekauft werden. Da Aldi sich aber generell nicht zu seinen Geschäften äußert, wird von dieser Seite das Vertrauen nicht gerade untermauert.

Und obwohl kaum ein Experte damit rechnet, dass die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Discounter und Medion bald abgebrochen werden, sorgen derartige Gerüchte immer wieder für extreme Kursausschläge. „Die Aktie reagiert sensibel auf fast alles was mit Aldi zu tun hat“, sagt Schindler. Immer häufiger wurde das Papier in den vergangenen Wochen somit zum Spielball der Spekulanten. Oftmals reichten schon Gerüchte über eine schlecht angelaufene Verkaufsaktionen aus, um der Aktie einen weiteren Dämpfer zu verpassen.

Mit Argusaugen beobachten Anleger und Analysten daher auch den Verlauf des vierten Quartals. Wie bei fast allen Konsumwerten entscheidet bei dem Essener Unternehmen vor allem das Weihnachtsgeschäft über die Jahresbilanz.

Und zumindest auf den ersten Blick sieht das alles andere als schlecht aus. So verkündete ein Unternehmenssprecher in der vergangenen Woche, dass das Weihnachtsgeschäft besser laufe als erwartet. Es sei geradezu eine „Welle der Nachfrage“ zu spüren, sagte der Sprecher. An der Börse sorgten diese Aussagen für einen Kurssprung. Zeitweise legte das Papier rund sieben Prozent zu.

Die Experten beurteilen die positiven Nachrichten allerdings skeptisch. „Medion hat seine Prognosen im Vorfeld so deutlich gesenkt, dass negative Überraschungen ohnehin so gut wie ausgeschlossen sind“, sagt Roland Koenen, Analyst beim Bankhaus Lampe. „Die Ergebnisse aus den Vorjahren deutlich zu übertreffen wird schwierig“, sagt auch Schindler, der der Aktie nur eine ähnliche Entwicklung wie dem Markt zutraut. Und mit dieser Einstufung zählt der Anlageexperte sogar noch zu den Optimisten. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg empfiehlt fast jeder zweite befragte Analyst die Aktie zum Verkauf. Nur fünf von 22 Finanzexperten sehen in dem derzeitigen Niveau eine günstige Kaufgelegenheit.

Denn momentan fehlen einfach die Kurstreiber. Das Kerngeschäft läuft schleppend. „Das Hauptproblem ist, dass die Discounter immer stärker auf die Preise und damit auch auf die Gewinnmargen von Medion drücken“, sagt Koenen. Auch dass Medion vor wenigen Tagen mit einer eigenen Internetplattform in den boomenden Online-Musikhandel eingestiegen ist, werde die Aktie daher kaum beflügeln. „Die Sparte ist ohnehin so klein, dass sie für das Ergebnis nicht relevant ist“, sagt Schindler.

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