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Defensive Aktien: Pille fürs Depot

Anleger haben zuletzt kräftig bei Aktien von Unternehmen zugegriffen, die stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängig sind. Nun raten Experten dazu, den Zyklikern den Rücken zu kehren und stattdessen auf defensive Aktien aus der Telekom - und Pharmabranche zu setzen. Grund für den Stimmungswandel ist eine außer Kraft gesetzte Regel.

FRANKFURT. Aktien, die stark von der Entwicklung der Konjunktur abhängen liefen in den vergangenen Monaten besonders gut und wurden nachgefragt. Aus Sicht von Experten sind aber die Papiere der Automobilkonzerne, der Stahlkocher und Banken im Vergleich zu den nicht-zyklischen Werten, beispielsweise aus der Nahrungsmittel-, Pharma- oder Telekombranche, mittlerweile zu teuer. Selbst Optimisten raten inzwischen von den normalerweise in Boomzeiten gefragten, konjunkturabhängigen Aktien ab und bevorzugen wegen des erhofften Nachholeffekts stattdessen die oft als langweilig geltenden Nicht-Zykliker.

Der Grund für den Stimmungswandel ist eine Regel, die derzeit völlig außer Kraft gesetzt scheint: Normalerweise werden Zykliker mit einem Kursaufschlag im Verhältnis zum Gewinn der kommenden zwölf Monate (KGV) von 60 bis 80 Prozent gegenüber Nicht-Zyklikern bewertet. Die größeren Kurschancen in prosperierenden Marktphasen sind ein Grund dafür. Jetzt allerdings ist dieses Verhältnis auf über 130 Prozent angestiegen. "Beispiellos" nennen dies die Experten von BNP Paribas.

Da im KGV für die kommenden zwölf Monate inzwischen schon acht Monate aus dem Jahr 2010 enthalten sind, vermuten die Strategen, dass ein starker Gewinnanstieg im kommenden Jahr bereits weitgehend in deren Kursen enthalten ist. Zumal andere Bewertungsmaßstäbe wie beispielsweise das zyklisch adjustierte KGV, in dem ein zehnjähriger Durchschnittswert herangezogen wird, ein ähnliches Bild abgeben.

"Die Börse hat lange nach unten übertrieben, jetzt übertreibt sie nach oben", sagt Dirk Gojny, Leiter der Analyseabteilung bei der HSH Nordbank. Wobei hier nicht von einem generellen Trend gesprochen werden kann. Die Gesamtheit aller Aktien sind etwa auf historischem Durchschnittsniveau bei einem KGV von derzeit 12,5 bewertet. Nur eben die Zykliker haben sich in den vergangenen Monaten weit davon entfernt.

Zyklische Aktien sind aktuell riskant

Wer in dieser Zeit auf Zykliker gesetzt hat, der hat damit hohe Gewinne eingefahren. Das Problem für viele Investoren ist jetzt jedoch, zu realisieren, dass gerade bei Finanz- und Autoaktien sehr viel an Fantasie von der Börse vorweggenommen wurde. "Wer jetzt noch dabei ist, sollte rausgehen und sich geruhsam zurücklehnen", sagt Dirk Gojny. Doch wohin mit dem Geld? Bei Tages- und Festgeld ist derzeit nicht viel zu holen.

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