Aktien des Jahres
Katastrophe lastet auf BP-Aktie

Noch immer ist unklar, wie teuer die Ölkatastrophe für den Ölkonzern wird - diese Ungewissheit belastet den Kurs nachhaltig.
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Es war ein Traumstart für BP. Im Januar waren die Briten was den Börsenwert anging zum zweitgrößten Ölkonzern der Welt - hinter Exxon Mobil - aufgestiegen. In Europa war man sogar die neue Nummer Eins und stach zum ersten Mal seit drei Jahren den Konkurrenten Shell aus. Analysten und Anleger zeigten sich erfreut, wie schnell BP auf den massiven Preiseinbruch am Ölmarkt von 140 Dollar auf 40 Dollar in der Finanzkrise reagiert hatte. Der Ölmulti steuerte mit einem großen Sparprogramm dagegen und konnte die Gewinneinbrüche so im Zaum halten.

Michele della Vigna, Analyst bei Goldman Sachs, schrieb damals "BP bietet 2010 die Chance auf ein herausragendes und über dem Branchendurchschnitt liegendes Wachstum bei Produktion und Cashflow." Aufgrund der neuen Förderstätten im Golf von Mexiko und vergleichsweise geringer Investitionen würde der Konzern deutlich von steigenden Ölpreisen profitieren und 2010 den höchsten Liquiditätszufluss im Sektor erzielen. Bei einem Kurs von rund 600 Pence hob della Vigna sein Ziel auf 763 Pence an und empfahl die Aktie zum Kauf.

Der Ölpreis konnte seitdem in der Tat wieder deutlich zulegen, aber BP machte die Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" am 20. April einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Fast drei Monate lang sprudelten insgesamt 660 000 Tonnen Öl aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko. So wie sich das Öl ins Meer verflüchtigte, sank auch der Börsenwert des britischen Konzerns. Mit jedem gescheiterten Versuch, das Loch zu verschließen und zunehmendem Boykott von BP-Tankstellen in den USA, stiegen die Sorgen der Anleger über die Kosten des Desasters. Bis Ende Juni fiel der Aktienkurs auf unter 300 Pence.

Übernahmegerüchte beflügelten den Aktienkurs

David Cline, Analyst bei der Royal Bank of Scotland, war der erste, der prophezeite, dass BP nun Ziel von Übernahmen werden könnte. Er setzte das Kursziel auf 455 Pence und empfahl "kaufen". Wenige Tage später, inzwischen war auch das Bohrloch endlich abgedichtet, kamen tatsächlich Gerüchte auf, Konkurrent Exxon Mobil sowie arabische Fonds hätten Interesse an einem Einstieg. An der Börse schlugen diese Meldungen ein wie eine Bombe. Bis Ende Juli stieg der Aktienkurs auf 440 Pence.

Eine Übernahme konnte vorerst abgewendet werden. Die Kosten der Katastrophe werden BP dagegen noch eine Weile belasten. 21 Milliarden hat der Konzern bereits durch den Verkauf von Unternehmensanteilen zurückgelegt. Man rechnet mit einer Gesamtbelastung von 40 Milliarden Dollar. Die Summe könnte allerdings noch steigen. Am Mittwoch reichte die US-Regierung Klage gegen BP und vier weitere Unternehmen wegen grober Fahrlässigkeit ein. Sie fordert insgesamt 21 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs gab daraufhin bis zu drei Prozent nach. Die große Mehrheit der Analysten ist allerdings derzeit überzeugt, dass BP die Kosten wird schultern können und empfiehlt die Aktie zum Kauf.

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