Aktien des Jahres
Q-Cells beschert heftige Verluste

Die Aktionäre von Q-Cells werden froh sein, wenn das Jahr endlich vorüber ist. Es hat ihnen heftige Verluste beschert. So schlecht wie der Solarkonzern hat 2010 keine andere Firma aus Dax, MDax oder TecDax abgeschnitten. Stellt sich die Frage, ob die Aktie schon so weit gefallen ist, dass sie wieder günstig ist?
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FRANKFURT. Im Januar waren Anteilsscheine von Q-Cells mehr als zehn Euro wert, jetzt sind es weniger als 2,50 Euro - ein Minus von fast 80 Prozent. Keine andere deutsche Aktie in Dax, MDax oder TecDax entwickelte sich in diesem Jahr so schlecht.

Q-Cells steht stellvertretend für das Drama, das die gesamte Branche betrifft. Auch andere Solaraktien sind in diesem Jahr abgestürzt: Solarworld, Phoenix Solar oder Roth & Rau haben an der Börse rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Die sonnigen Zeiten für die deutsche Solarindustrie sind vorbei. Nicht weil die Nachfrage nach Solartechnik eingebrochen wäre, sondern weil die Deutschen von der Konkurrenz abgehängt wurden. Experten schätzen, dass chinesische Firmen wie Suntech Power und Yingli Solar inzwischen 20 bis 30 Prozent billiger produzieren. Hinzu kommt: In Deutschland streicht die Politik die üppigen Subventionen zusammen, die den Aufstieg der Branche überhaupt erst möglich gemacht haben. Nach den Kürzungen in diesem Jahr dürfte es im nächsten weitere Einschnitte geben.

Besonders heftig bekam dies Q-Cells zu spüren, einst der größte Hersteller von Solarzellen der Welt. Das Unternehmen reagierte erst spät auf die Krise. Jetzt soll ein hartes Sparprogramm die Wende bringen; Stellen streichen und unrentable Geschäfte verkaufen, heißt das im Klartext. Einen ersten Lichtblick gibt es immerhin schon: Q-Cells meldete im letzten Quartal wieder einen Gewinn von 13 Millionen Euro - ein Jahr zuvor war es noch ein Minus von über 100 Millionen Euro. Das Zahlenwerk habe die Erwartungen deutlich übertroffen, sagt Sven Diermeier von Independent Research. Dennoch seien die Risiken nach wie vor groß.

Die entscheidende Frage lautet: Ist die Aktie so weit gefallen, dass sie schon wieder günstig ist? Darüber rätseln auch die Analysten. Die wenigsten können sich zu einer klaren Bewertung durchringen. Zumindest haben aber mehrere Experten die Aktie in den vergangenen Wochen von "verkaufen" auf "halten" hochgestuft. Acht von 15 Analysten sind neutral eingestellt, vier raten zu verkaufen, drei empfehlen den Kauf.

Einer der Optimisten ist Sebastian Zank von der WestLB. Der Solarzellenhersteller habe neben starken Zahlen für das abgelaufene Quartal auch einen neuen Ausblick präsentiert, der über den Erwartungen gelegen habe. Sein Kursziel lautet: 5,10 Euro. Verglichen mit dem aktuellen Kurs wäre das eine ordentliche Steigerung. Für alle, die schon länger dabei sind, aber nur ein schwacher Trost.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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