Aktien halten sich trotz des hohen Ölpreises gut
Dax-Ausblick: „Markt will nach oben“

Die weitere Entwicklung der zuletzt stark gestiegenen Ölpreise wird nach Einschätzung von Aktienhändlern die Richtung an den deutschen Börsen in der kommenden Woche bestimmen. Mit großer Spannung warten Börsianer zudem auf die US-Arbeitsmarktdaten für Juni am Freitag.

HB FRANKFURT. Sollte der Ölpreis weiter fallen, werde der Aufwärtstrend an den Börsen sicher weitergehen, sagt Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing. Am Freitag kostete leichtes Rohöl zur Lieferung im August 56,80 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem am Montag für leichtes US-Öl zeitweilig Rekordpreise von bis zu 60,95 Dollar verlangt worden waren. Auch Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg, sieht den Ölpreis als entscheidenden Faktor. "Öl ist immer ein Thema. Aber zuletzt ist es bei 60 Dollar kritisch geworden. Der Ölpreis könnte sich etwas entspannen, und das würde den Dax stützen."

Der Index zeigt sich derzeit sehr stark. In dieser Woche gewann der Dax gut ein Prozent auf mehr als 4600 Punkte. Der Juni sei ohne fundamentale Argumente der stärkste Monat des Jahres gewesen, stellen Börsianer fest. Zudem stimme freundlich, dass es sich nicht allein um das berühmte "Window-Dressing" zum Halbjahres-Ultimo gehandelt habe. Die Kauflaune habe sich auch zum Juli-Beginn fortgesetzt oder sogar verstärkt. Dies zeige die relative Stärke, mit der auf schlechte Nachrichten reagiert werde. So sei die "Doppel-Enttäuschung" der Pharmawerte Altana und Medigene als hausgemacht betrachtet worden und habe keine Belastung für den Gesamtmarkt ausgelöst. Selbst die Gewinnwarnung bei 3M und die VW-Schmiergeld-Affäre hätten nur kurzfristig für Belastung gesorgt. Und die US-Zinserhöhung sei ohnehin erwartet worden. Zudem seien Aktien-Platzierungen wie von Hannover Rück und Wincor-Nixdorf vom Markt "einfach aufgesogen" worden. Dies beschreibe einen Markt, der nach oben will, heißt es weiter.

Anleger spekulieren auf niedrige Zinsen

"Es ist bemerkenswert, dass die Stimmung an den Märkten so gut ist, obwohl der Ölpreis so hoch kletterte", sagte Kai Stefani, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft Dit. Das liege zum einen daran, dass der Euro nachgegeben hat. "Außerdem scheinen einige Anleger auf ein Ende der Zinserhöhungen in den USA und Zinssenkungen in Europa zu spekulieren. Beide Faktoren bergen aber Enttäuschungspotenzial", fügt er hinzu. Entsprechend halten sich institutionelle Anleger derzeit zurück, investieren "mit Handbremse", wie ein Analyst sagte. Vor allem vor der Quartalssaison scheuen sie das Engagement. Auf Sicht dürften sie aber den Markt weiter tragen, vermuten Beobachter.

Technisch bestehe für den Dax eigentlich kein Grund, weiter zu steigen, sagt ein technischer Analyst. Das Jahreshoch bei 4637 Punkten werde daher kurzfristig bremsend wirken. Die Marke werde aber von der aktuellen Kursdynamik jedoch überrollt werden, vermutet der Experte. Die Marktbreite sei weiter "hervorragend", und die Aufwärts-Rotation funktioniere weiter. Auf Sicht von zwei bis drei Monaten sei ein Anstieg über die 5000er-Marke wahrscheinlich.

Börsianer sind positiv gestimmt

Zu den weiteren Aussichten des Dax äußerten sich auch andere Börsianer optimistisch. "Wir sind nach wie vor eher positiv gestimmt. Der Dax dürfte sich auch in der kommenden Woche über 4600 Punkten halten", sagte MM Warburg-Stratege Klude, „die Bewertungen sind nach wie vor günstig“. Grundsätzlich dürfte diese positive Stimmung weiter bestehen. Vor allem die freundlichen Konjunkturindikatoren zum Wochenschluss ließen kaum noch Ausreden, um nicht zu investieren, heißt es. "Schließlich haben mit Michigan-Index und ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe gleich zwei wichtige Frühindikatoren positiv überrascht", erklärte ein Händler. Auch der Einkaufsmanagerindex für Europa lag leicht über Erwartung.

Weitere Hinweise auf die Zinsentwicklung erhoffen sich die Börsianer von den US-Arbeitsmarktdaten für Juni, die am Freitag veröffentlicht werden. Die US-Industrieaufträge für Mai stehen am Dienstag, der US-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen am Mittwoch und die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche zum 2. Juli am Donnerstag an. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheidet am Donnerstag über den Leitzins im Euro-Raum, der seit Juni 2003 mit 2,0 Prozent auf dem tiefsten Niveau der Nachkriegszeit liegt. Bei der jüngsten Umfrage der Agentur Reuters unter Volkswirten von Banken und Forschungsinstituten sagten 63 von 65 vorher, dass die EZB bei ihrer nächsten Ratssitzung am 7. Juli den Leitzins unverändert lassen wird. Schwache Konjunkturdaten hatten zuletzt den Druck auf die EZB verstärkt, die Zinsen zu senken. Auf der Unternehmensseite dürfte es in der kommenden Woche eher ruhig bleiben, da die heiße Phase der Berichtssaison erst im späteren Monatsverlauf beginnt.

Anleger warten auf Unternehmensnachrichten

Bei den Unternehmen aus der zweiten Reihe legt der im Kleinwerteindex notierte IT-Vermieter Grenkeleasing am Montag seine Zahlen zum Neugeschäft im zweiten Quartal vor. Am Dienstag lädt das Medienunternehmen EM.TV zur Hauptversammlung ein, am Mittwoch folgt der Internet-Dienstleister Web.de mit seinem jährlichen Aktionärstreffen. Europas größte Optikerkette Fielmann hält ihre Hauptversammlung am Donnerstag ab. In den USA gibt der weltgrößte Aluminiumhersteller Alcoa mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal am Donnerstag den Auftakt zur Bilanzsaison. Auch AT&S lädt zur Hauptversammlung; Beate Uhse wird vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen. Die US-Börsen bleiben am Montag wegen des US-Feiertages "Independence Day" geschlossen.

Die Börsianer würden sich nun auf den Beginn der "Pre-Releases"-Phase einstellen, sagt ein Händler. Dies berge das höchste Potenzial für positive als auch negative Überraschungen. Bei den "Pre-Releases" handelt es sich um die Veröffentlichung von Unternehmenszahlen vor dem offiziell angekündigten Termin. "Wer vorzieht, hat etwas Besonderes zu berichten", so der Händler weiter.

Die politische Lage in Deutschland mit der Möglichkeit von Neuwahlen sei bereits eingepreist, sorge jedoch für langfristige "Hoffnungskäufe", meint ein französischer Analyst. Kurzfristig gerate nun das Wahlprogramm der CDU/CSU in den Blickpunkt, das am 11. Juli der Öffentlichkeit vorgestellt wird. "Die Einzelheiten im Wirtschaftsprogramm sind jetzt ein wichtiger Trigger für ausländische Investoren", sagt der Analyst.

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