Aktien im Fokus
Bankaktien im freien Fall

Die Finanzkrise in den USA hat sich dramatisch zugespitzt und zieht europäische Bankaktien nach unten. Am schlimmsten erwischte es die Papiere britischer Banken. Aber auch in Deutschland gibt es Verluste im zweistelligen Prozentbereich.

HB FRANKFURT. Die Finanzkrisehat sich dramatisch zugespitzt und Schockwellen an den weltweiten Börsen ausgelöst. In Europa gaben Finanzwerte deutlich nach. Am schlimmsten erwischte es die Aktien der britischen Hypothekenbank HBOS.

HBOS-Titel fielen in der Spitze um 36 Prozent auf 179,60 Pence. Händler verwiesen auf die Angst vor weiteren Abschreibungen nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman. Zudem habe HBOS vermutlich mit höheren Kosten bei der Refinanzierung zu kämpfen, erklärten Händler den Einbruch. Im "Footsie" brachen die Aktien von Barclays um 16 Prozent, die der Royal Bank of Scotland um 15 Prozent ein.

In Paris brachen die Papiere der Société Générale um 7,8 Prozent ein, die von Crédit Agricole um 7,4 Prozent, und in Zürich sackten die Aktien der UBS um 7,8 Prozent ab.

Auch in Frankfurt beschleunigten die Finanzwerte ihre Talfahrt kurz vor Beginn des US-Handels. Commerzbank ragten dabei mit minus 12,29 Prozent auf 15,34 Euro im Dax heraus, gefolgt von Deutsche Bank und Allianz mit Abschlägen von 9,45 und 8,14 Prozent. "In allen Bankaktien kommen noch mal richtig Stücke an den Markt - vermutlich von US-Investoren", sagte ein Börsianer. "Dort herrscht Weltuntergangsstimmung." Damit rutschte auch der DAX deutlicher unter die Marke von 6 000 Zählern und auf den tiefsten Stand seit Oktober 2006, was den Druck zusätzlich verstärke.

Nach Einschätzung von Finanzexperten wird die Bankenkrise in den USA jedoch keine Pleitewelle im deutschen Bankensystem hervorrufen. "Die Banken in Deutschland und Europa werden zwar weitere Abschreibungen vornehmen müssen - da können sich ganz große Milliardenlöcher auftun", sagte der Professor an der TU Darmstadt, Dirk Schiereck.

Bundesfinanzministerium, Finanzaufsicht BaFin und Bundesbank beruhigten in einer gemeinsamen Erklärung: Die Auswirkungen der Krise auf den deutschen Markt seien "verkraftbar". "Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei Lehman Brothers Holding, die einen Antrag auf Gläubigerschutz angekündigt hat, halten sich in einem überschaubaren Rahmen und sind verkraftbar." Ministerium, BaFin und Bundesbank stünden in engem Kontakt mit den internationalen Partnerbehörden und den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft. Die weitere Entwicklung werde "sehr genau" beobachtet. Eine akute Gefahr, dass sich die Bankenkrise in den USA auf das deutsche Wirtschaftswachstum und damit auf den deutschen Haushalt auswirkt, sieht das Bundesfinanzministerium nicht.

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