Aktien im Fokus
„Fass ohne Boden“ – Bankaktien in Not

Bankentitel sind schon wieder unter Druck geraten. Zu den größten Verlieren gehörten Deutsche Bank und Postbank. Auch die Commerzbank, die sich dem Trend lange widersetzen konnte, rutschte letztlich ins Minus. Nach Medienberichten drohen den Geldhäusern weitere milliardenschwere Abschreibungen. Zudem belastet der Milliardenverlust der Royal Bank of Scotland den gesamten Sektor.

HB FRANKFURT. Laut Händlern dämpften Berichte über eine anrollende Abschreibungswelle die Stimmung für den Sektor. Laut "Spiegel" sind von "toxischen Wertpapieren" im Volumen von knapp unter 300 Milliarden Euro aus den Büchern von 20 Großbanken erst rund ein Viertel abgeschrieben worden. "Das ist ein Fass ohne Boden", kommentierte ein Börsianer. Das Finanzministerium bestätigte die Studie, aber nicht die Zahlen. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will den Instituten nicht mit einer staatlichen "Bad Bank" aus der Patsche helfen.

Die Titel der Deutschen Bank sackten um 10,59 Prozent auf 17,90 Euro ab, Postbank verloren 13,29 Prozent auf 7,50 Euro. Bei der Postbank müsse dagegen eigentlich jeden Tag mit einer Kapitalerhöhung gerechnet werden, sagte ein Experte. Commerzbank hielten sich zeitweise mit fast acht Prozent im Plus. Im Handelsverlauf schmolzen die Gewinne jedoch dahin. Zum Schluss fiel die Aktie um 2,05 Prozent auf 3,10 Euro.

Kepler Capital Markets reduzierte das Kursziel für die Commerzbank sogar von fünf auf zwei Euro. Das neue Ziel resultiere aus einem überarbeiteten Gewinn- und Bewertungsmodell nach der Teilverstaatlichung, schrieb Analyst Dirk Becker in einer Studie vom Montag. Er gehe nicht davon aus, dass die Bank in absehbarer Zukunft eine Dividende zahlen werde.

"Die Postbank ist derzeit mit ihrer Kursbewegung eng an die Deutsche Bank gekoppelt - nach dem Motto: Mit gehangen, mit gefangen. Zudem ist die Fantasie aus der Aktie völlig raus", sagte ein Händler. Derzeit herrsche große Unsicherheit am Markt, in welche Richtung sich die Deutsche Bank künftig orientieren will. "Nach einem 'Spiegel'-Bericht will der Branchenprimus seinen Eigenhandel vollständig aufgeben. Langsam stellt sich die Frage, mit was die Deutsche Bank ihr Geld verdient", so der Börsianer.

Analyst Philipp Häßler von equinet blieb bei seiner vorsichtigen Einschätzung für den Bankensektor. "Wir können die Zahlen aus dem Spiegel-Bericht zwar nicht bestätigen, aber insbesondere die Landesbanken dürften noch hohe Positionen solcher "toxischer' Anlagen haben, die noch nicht abgeschrieben sind", schrieb Häßler in einem Kommentar. Auch wenn derzeit für Deutschland die Gründung einer "Bad Bank" zurückgewiesen werde, sei es möglich, dass das Modell von Großbritannien - einer Versicherung gegen faule Kredite - zu einem "Trendsetter" werden könnte. Insgesamt sollten die verschiedenen Programme in den USA und Großbritannien den Banken helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Noch sei es für eine Anlage in deutschen Bankenwerten aber zu früh, so Häßler.

Ein weiterer Analyst schob die Kursverluste der Deutschen Bank insbesondere auf die Nachrichten der Royal Bank of Scotland (RBS) . 2008 sei ein Verlust von bis zu 28 Milliarden Pfund (rund 31 Mrd Euro) möglich, teilte die verstaatlichte britische Bank mit. "Gerade in den Wochen der Jahresabschlüsse rückt die Frage, wie schlimm es denn nun wirklich wird, wieder verstärkt in den Vordergrund", sagte der Experte. Aktien der Royal Bank of Scotland fielen am Montag um rund 66 Prozent.

Auch andere europäische Banken verloren kräftig. In London büßten Aktien von Lloyds TSB rund 34 Prozent ein, HSBC fielen um 6,5 Prozent. In Paris rutschten BNP Paribas um 7,9 Prozent ab, Titel von Societe Generale verloren 6,3 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%