Aktien im Fokus
Stahlkonzern findet nicht aus der Krise

Die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende. Die Beteiligung der Krupp-Stiftung sinkt unter die Sperrminorität, das Engagement in Übersee bleibt ein Milliardengrab und die Aktie dümpelt vor sich hin - ein Ende nicht in Sicht.
  • 0

Ein Ende der Talfahrt ist bei Thyssen-Krupp nicht in Sicht. Auch die Aktionäre scheinen langsam die Geduld zu verlieren. Die Aktie gab in den vergangenen vier Wochen mehr als zehn Prozent nach. Während viele börsennotierte Unternehmen im laufenden Jahr neue Höchstkurse meldeten, verlor die Aktie des Stahlkonzerns seit Jahresanfang rund 14 Prozent an Wert.

Die Schieflage des Konzern veranlasste Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Bilanzpressekonferenz vorzuziehen. Auf dieser hatte er die Aktionäre erneut auf schwierige Zeiten eingestimmt und gesagt, dass es so schnell „keine Befreiungsschläge“ geben werde. Vielmehr werde es noch einige Zeit dauern, den Konzern aus der Misere zu führen.

Der finanziell arg gebeutelte Konzern wusste keinen anderen Ausweg mehr, als sich mit einer Kapitalerhöhung Luft zu verschaffen. Knapp 900 Millionen Euro sammelte Thyssen-Krupp dabei ein. Nach Unternehmensangaben seien die Aktien überwiegend bei langfristig orientierten Investoren platziert worden. Der Finanzinvestor Cevian hat die Kapitalerhöhung von Thyssen-Krupp genutzt, um seinen Einfluss bei dem Stahl- und Technologiekonzern massiv auszubauen.

Cevian hält nach eigenen Angaben nun fast elf Prozent der Anteile - zuletzt hatten die Schweden 6,1 Prozent gemeldet. Das Aktienpaket hat einen Wert von fast einer Milliarde Euro. Damit steigen die Chancen für den Investor, auch einen Vertreter in den Aufsichtsrat senden zu können. Auf diese Weise versucht Cevian Einfluss auf die Strategie von Thyssen-Krupp zu nehmen. „Cevian schließt nicht aus, seinen Anteil weiter zu erhöhen“, sagte eine Sprecherin.

Ein Banker hatte Cevian als „Ankerinvestor“ der Kapitalerhöhung bezeichnet. Die Krupp-Stiftung hatte dagegen nicht mitgezogen und ihre einstige Sperrminorität auf 23 Prozent verwässern lassen. Damit hätte sie nur noch Anrecht auf zwei statt auf drei Aufsichtsratsposten.

Die mächtige Krupp-Stiftung galt über lange Zeit als Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Doch das ist nun Geschichte. Die Beteiligung der Stiftung ist damit unter die Sperrminorität gesunken. Bislang war die nach dem Tod von Alfred Krupp testamentarisch verfügte Stiftung in der Lage gewesen, mit einer Beteiligung von zuletzt 25,3 Prozent wichtige Beschlüsse der Hauptversammlung zu blockieren.

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat sich nicht an der Aktienplatzierung beteiligt, teilte die Stiftung in einer Pressemitteilung mit. Ihre Beteiligung sank von 25,3 Prozent auf 23 Prozent, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Kommentare zu " Aktien im Fokus: Stahlkonzern findet nicht aus der Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%