Aktien im Fokus
VW-Aktie fällt tief ins Minus

Nach monatelangem Machtkampf haben sich Porsche und VW auf eine Fusion geeinigt. Zudem scheint der Einstieg von Katar bei VW kurz bevor zu stehen. Doch an der Börse gehen die Turbulenzen weiter.

HB FRANKFURT. Am Freitagnachmittag fielen VW-Stammaktien im Dax zeitweise um 25 Prozent auf 173 Euro. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Einstieg des Emirates Katar bei VW als drittgrößter Aktionär unmittelbar bevor steht. Die Investoren aus Katar landeten am Nachmittag auf dem Stuttgarter Flughafen und wollten sich anschließend mit Porsche-Aufsichtsratschef und VW- Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche treffen.

Der Einstieg der Scheichs hätte massive Auswirkungen auf den Kurs der VW-Stammaktien. Hintergrund: Das Emirat will einen Teil der Optionen, mit denen sich Porsche einen Anspruch auf 20 Prozent an VW gesichert hatte, übernehmen. Zunächst war von 17 Prozent der VW-Optionen die Rede, die an Katar gehen sollen.

So bald Katar die zur Verfügung stehenden Optionen ausübt, fällt der Streubesitz bei den VW-Stammaktien unter zehn Prozent. Für eine Dax-Mitgliedschaft müssen aber mindestens zehn Prozent der Unternehmensaktien frei verfügbar sein.

Entscheidend ist die Frage, wie hoch der Preis liegt, um die Optionen tatsächlich auszuüben. Ein Geheimnis, dass der scheidende Porsche-Boss Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter bestens gehütet haben. An der Börse kursieren darüber viele Gerüchte.

Händler äußerten die Erwartung, dass die „künstlich hochgehaltene“ Aktie sich nun bei ihrem „richtigen fundamentalen Wert“ einpendele. Ein Händler machte folgende Rechnung auf: „Katar bezahlt für die 17 Prozent an VW weniger als 100 Euro je Aktie - da ist sicherlich ein gewisser Paketabschlag drin, der aber 20 bis 25 Prozent nicht übersteigen wird. Damit wären wir bei einem realistischen Kurs von etwa 120 Euro.“ Auch der Durchschnitt der Analysten-Kursziele bei rund 96 Euro passe zu diesem Szenario.

Die Aufsichtsräte von VW und Porsche hatten sich gestern nach einem monatelangen und erbitterten Machtkampf auf eine Fusion geeinigt. Der traditionsreiche Sportwagenbauer Porsche wird seine Unabhängigkeit verlieren und voraussichtlich binnen zwei Jahren als zehnte Marke im Volkswagen-Konzern aufgehen.

Die UBS hat die Einstufung für VW Stammaktien nach der Einigung mit Porsche auf "Sell" mit einem Kursziel von 130,00 Euro belassen. Die unendliche Verhandlungsgeschichte sei noch nicht vorüber, schrieb Analyst Philippe Houchois in einer Studie. Noch sei nicht klar, welchen Einfluss Katar haben werde. Er gehe davon aus, dass er bei der Einstufung der VW-Titel noch Anpassungen vornehmen muss. Derzeit seien aber noch nicht genügend Details bekannt.

Als Gewinner sehen Experten die Aktionäre von Porsche. "Die Bewertung der Porsche AG mit 12,4 Milliarden Euro zeigt, dass VW bereit war, einen ordentlichen Preis anzusetzen und zu bezahlen", sagte Thilo Müller, Fondsmanager bei MB Fund Advisory.

Analyst Tim Schuldt von Equinet hob die Einstufung der Porsche-Aktien infolge des Zusammenschlusses beider Konzerne von "Hold" auf "Buy" und schraubte das Kursziel von 34 auf 63 Euro nach oben. Auch wenn das Risiko der Optionsgeschäfte weiter bestehe, sei der Spielraum nach oben für die Aktien so groß, dass eine "Buy"-Empfehlung gerechtfertigt sei. Für die Aktionäre der VW-Vorzüge sei die Nachricht indes klar negativ.

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