Aktien unter der Lupe
Analysten loben Software AG

Experten erwarten steigende Kurse, weil der SAP-Konkurrent mit einem Kassenschlager glänzt.

Die Analysten kommen überwiegend zu guten Beurteilungen: Von 18 Empfehlungen für die Aktie der Darmstädter Software AG lauten 15 auf „kaufen“ und drei auf „halten“. Die Optimisten unter ihnen erwarten in den kommenden Monaten sogar eine Kurssteigerung um zehn Euro oder gut 20 Prozent. Zurzeit kostet das Papier 45 Euro. Ein Kursziel von 52 Euro bis Januar hält Raimo Lenschow von Merrill Lynch für realistisch. „Ich glaube, es geht weiter bergauf, denn Crossvision ist eine wirklich große Geschichte“, sagt der Analyst. „Crossvision“ realisiert, wovon verzweifelte IT-Chefs seit langem träumen. Der Kern dieses Produkts ist eine Anwendung, die bestehende, eigentlich nicht zueinander passende Software zusammenbindet.

Vor allem Unternehmen, die sehr früh EDV eingeführt haben, kennen das Problem: Da gibt es eine vor langer Zeit selbst programmierte Datenbank auf dem Großrechner im Keller, oben im Netz läuft ein schickes neues SAP-Programm, und an den Einzelplätzen gibt es noch Microsoft-Software. Crossvision dient dazu, diese Programm-Inseln mit Brücken zu verbinden – und zwar so, dass einzelne Produkte aktualisiert werden können, ohne dass die Techniker gleich alle Schnittstellen neu basteln müssen.

Der Vorteil: Die Firmen müssen ihre eingespielte Informationstechnik (IT) nicht wegschmeißen, sondern können sie noch auf Jahre weiternutzen. „Gerade für Banken und Versicherungen ist das ein Vorteil“, sagt Lenschow. Das Umsatzwachstum für die neue Version des Produkts lag im zweiten Quartal bei 60 Prozent, wenn auch von kleiner Basis. „Wenn das so weiterläuft, wird Crossvision zum zweiten Standbein neben dem Mainframegeschäft und kann dieses ablösen, falls es sich abschwächt“, argumentiert Lenschow.

Die 1969 gegründete Software AG mit 2 570 Mitarbeitern steht immer im Schatten des größten deutschen Softwareherstellers SAP mit 37 740 Beschäftigten. Während SAP das Ziel hat, allen Unternehmen eine Software aus einem Guss zu verkaufen, nimmt sich die Software AG – neben andern Geschäftsbereichen – auch der Großrechner an.

Kurse um 55 Euro im ersten Quartal des kommenden Jahres hält auch Analyst Stefan Kuppen von JP Morgan für realistisch.

Die Großrechnersoftware zeige eine anhaltend starke Entwicklung. Kuppen erwartet, dass das starke Wachstum mit Crossvision auch 2007 anhalten wird, da die Industrie weiter Produkte aus dem Bereich der so genannten serviceorientierten Architektur (SOA) – wozu Crossvision gehört – stark nachfrage.

Eine Nuance skeptischer ist Michael Busse von Helaba Trust. Er ist einer der Aktienexperten, die den Wert nur auf „halten“ stehen haben. Seine Zurückhaltung ergibt sich aus dem guten Lauf, den die Geschäftszahlen und der Kurs seit Jahresmitte hatten: „Das Management sagt selbst, dass sich das ansehnliche Wachstum des zweiten Quartals nicht im dritten Quartal fortsetzen wird.“

Im zweiten Quartal lag das Wachstum bei zehn Prozent. Für den laufenden Dreimonatszeitraum erwartet Busse fünf bis sechs Prozent, zumal die höheren Erlöse im Vorquartal durch den Rhythmus der Abrechnung bedingt gewesen seien. Was die mittelfristig sehr guten Prognosen für das Unternehmen angeht, schließt sich Busse seinen Kollegen jedoch an.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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