Aktien unter der Lupe
Anleger trauen der Telekom nicht

Für die Besitzer der T-Aktie war die Freude von kurzer Dauer: Der Einstieg des Großinvestors Blackstone hat der müden Volksaktie nur am Tag der Bekanntgabe zu einem Kurssprung verholfen. Ein Grund für die Skepsis der Anleger dürften die vielen ungeklärten Baustellen beim Bonner Riesen sein.

BONN. Selbst dieses Plus von gut vier Prozent hat das Papier wenige Tage später schon fast wieder eingebüßt. Dabei begrüßten die meisten Analysten das Engagement des neuen Großaktionärs. „Durch den Einstieg von Blackstone könnte die Aktie auch bei anderen Investoren wieder verstärkt in den Blickpunkt geraten“, sagt Jochen Reichert vom Analysehaus SES Research.

Blackstone hat vor zwei Wochen 4,5 Prozent der Telekom-Anteile von der staatlichen KfW Bankengruppe gekauft. Damit ist er nach der KfW Bankengruppe, die noch 17 Prozent hält und dem Bund mit 15 Prozent der drittgrößte Investor der Telekom.

Durch den Einstieg hat der Bund den Anlegern die Angst vor dem Aktienüberhang genommen: Investoren hatten bereits lange damit gerechnet, dass die KfW nach und nach Papiere am Markt platziert. Zeitgleich mit dem Blackstone-Einstieg hat die Bankengruppe jedoch bekannt gegeben, dass sie in den kommenden zwölf Monaten keine weitere Tranche verkaufen wird.

Auch Blackstone hat sich verpflichtet, seine Anteile zwei Jahre lang zu halten. „Damit zeigt Blackstone, dass sie mit dem Kurs einverstanden sind, den der Telekom-Vorstand eingeschlagen hat“, sagt Frank Rothauge von der Privatbank Sal. Oppenheim, der das Kursziel der Telekom bei 21 Euro sieht.

Warum hat die T-Aktie dennoch wieder verloren? „Der Markt zweifelt weiterhin die Wachstumschancen der Telekom an“, erklärt Jochen Lins von der BHF Bank. „Der Konzern muss sich das Vertrauen der Anleger erst wieder zurück erobern – und das wird noch einige Quartale dauern.“

Auf der Hauptversammlung der Telekom in der vergangenen Woche zeigte sich Konzernchef Kai-Uwe Ricke zwar ebenfalls enttäuscht über die schlechte Kursentwicklung seiner Aktie. Er rechtfertigte dies aber damit, dass die gesamte Telekombranche in den vergangenen Monaten schlechter abgeschnitten habe als andere Branchen. Dabei ließ er jedoch unerwähnt, dass die T-Aktie noch schlechter dasteht als die Papiere der europäischen Konkurrenz: Der Branchenindex Dow Jones Stoxx Telecommunication Index ist seit Anfang vergangenen Jahres um drei Prozent gesunken. Die T-Aktie verlor in der gleichen Zeit aber neun Prozent.

Der Grund dafür liegt in zahlreichen Baustellen der Telekom: Bei der laufenden europäischen Konsolidierung ist sie bisher nur mit dem Kauf des kleinen österreichischen Mobilfunkers Telering zum Zug gekommen, während andere sich die Filetstücke schnappten. Die Auslands-Strategie von Ricke liegt weitgehend im Dunkeln. Er schließt Akquisitionen nicht aus, will aber nur in Ländern investieren, wo die Telekom bereits vertreten ist und ein Kauf den Wert des bestehenden Investments steigert.

In den USA, dem wachstumsstärksten Markt der Telekom, muss Ricke im Sommer vermutlich mehrere Milliarden Dollar für die Ersteigerung von neuen Mobilfunkfrequenzen ausgeben. Dabei liegt seine Tochter T-Mobile USA abgeschlagen an vierter Stelle hinter den amerikanischen Giganten.

Im Festnetz, dem einstigen Kerngeschäft, verliert die Telekom monatlich bis zu 150 000 Kunden. Durch den Vormarsch der Internet-Telefonie und des Handys wird sich diese Entwicklung künftig noch verstärken. Ricke versucht gegenzusteuern und will nun dem Umsatz Vorrang vor dem Gewinn einräumen, um Marktanteile zu verteidigen. Die Anleger aber warten aber offenbar erst einmal den Erfolg dieser Strategie.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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