Aktien unter der Lupe
BASF rundet das Portfolio ab

Mit dem Kauf von Engelhard will der Konzern den Einfluss der zyklischen Schwankungen im Chemiegeschäft reduzieren. Obwohl der Kauf teuer wird, empfehlen die meisten Analysten, das BASF-Papier zu kaufen oder zu halten.

LUDWIGSHAFEN. Während sich die Engelhard-Aktionäre die Hände reiben, machen sich die Anteilseigner von BASF Sorgen um ihre Anlage. Je länger sich das Management des amerikanischen Spezialchemieherstellers Engelhard gegen das in der vergangenen Woche veröffentlichte Übernahmeangebot des deutschen Chemiekonzerns BASF wehrt, desto teurer könnte der Kauf werden. An der Börse gab das Papier des Ludwigshafener Unternehmens deshalb gegen den Dax-Trend nach.

Nachdem die Engelhard-Manager im Dezember eine freundliche Übernahme abgelehnt hatten, versucht BASF nun eine feindliche Übernahme und reichte am Montag sein Barangebot bei der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC ein. Darin bietet der Konzern den Anteilseignern von Engelhard wie angekündigt 37 US-Dollar je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 23 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 20. Dezember, dem letzten Handelstag vor dem ersten schriftlichen Angebot von BASF an Engelhard. Inzwischen kostet das Engelhard-Papier aber schon mehr als 38 US-Dollar.

Mit den 4,9 Mrd. US-Dollar bietet BASF mehr als das Elffache des Gewinns von Engelhard vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Damit liege der Preis zwar am oberen Ende der Skala, sei aber noch vertretbar, so der Tenor der Experten. Falls BASF jedoch das Angebot aufstocken müsse, so werde der Kurs umso stärker unter Druck geraten, je tiefer die Ludwigshafener in die Tasche greifen müssten.

„Im Augenblick ist die Aktie durch den hohen Kaufpreis zwar stark belastet, und kurzfristig ist das Kurspotenzial durch die Unsicherheit sehr begrenzt. Langfristig wird sich die Integration von Engelhard jedoch wertsteigernd auswirken“, sagte Silke Stegemann, Chemie-Expertin bei der Landesbank Rheinland-Pfalz.

So könnte BASF zukünftig eine führende Rolle auf dem Markt für Autokatalysatoren einnehmen. Dieses Marktsegment gehorcht seinen eigenen Rhythmen und trägt damit zum Ausgleich der zyklischen Schwankungen im Chemiegeschäft bei. Bisher beeinflusst vor allem die Petrochemie den Ludwigshafener Konzern. „Mit dem Zukauf von Engelhard verbreitert und verstärkt BASF weiter das Produktportfolio – eine Strategie, die die Börse nach gelungener Integration honorieren wird“, sagte Lutz Grüten vom Research-Institut Kepler Equities. BASF will außerdem die Bauchemiesparte der Degussa aufkaufen und übernahm in der Vergangenheit das Elektronikchemikaliengeschäft von Merck und den Schweizer Feinchemiehersteller Orgamol.

Zudem will der Konzern seine guten Beziehungen zur Automobilindustrie nutzen und das neu erworbene Katalysatorengeschäft weiter ausbauen. Die Branchenexperten von Merck Finck & Co bezeichnen das zusätzliche Verkaufspotenzial in einer Analystenstudie jedoch als begrenzt, weil Engelhard bereits eine starke Position habe. Auch die möglichen Kostensynergien schätzen die Analysten von Merck wegen der geringen Überschneidungen zwischen den beiden Unternehmen als gering ein.

Trotzdem empfehlen die meisten Analysten, das BASF-Papier zu kaufen oder zu halten. Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht in dem Kauf eine gute Gelegenheit, die liquiden Mittel des Konzerns sinnvoll zu investieren. Da in China und in den USA neue Richtlinien für Katalysatoren bevorstünden, erkaufe sich BASF mit dem Investment Wachstum, betont auch Lutz Grüten von Kepler Equities.

Noch können viele Faktoren den Plan von BASF durchkreuzen. Laut US-Recht hat das Engelhard-Management nach Abgabe des Angebotes bei der SEC zehn Tage Zeit zu reagieren. Dabei verbirgt sich in den Statuten von Engelhard eine „Giftpille“, also eine Klausel, mit der das Management BASF die Machtübernahme erschweren könnte – die Details sind nicht bekannt. Möglicherweise wendet sich das Management auch an Konkurrenten der BASF, zum Beispiel an die US-Chemiekonzerne Dow Chemical oder Koch Industries – oder an einen eigenen Mitbewerber wie Johnson Matthey –, um mit ihnen über eine Gegenofferte zu verhandeln.

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