Aktien unter der Lupe
Euromicron bietet Chancen

Die Aktie der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Euromicron ist nach der Umstrukturierung wieder gefragt. Gründe dafür gibt es viele, der wichtigste dürfte der von zehn Prozent auf über 90 Prozent gestiegene Anteil an frei handelbaren Aktien sein.

FRANKFURT. An der Börse handelbar ist die Aktie der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Euromicron schon seit Sommer 1998. Richtig gehandelt wird sie erst wieder seit Ende vergangenen Jahres. Zahlen der Münchener Gebhardbank sprechen hier eine eindeutige Sprache. Noch den gesamten Oktober über wechselten gerade mal 1 100 Aktien über das elektronische Handelssystem Xetra den Besitzer, im Dezember waren es 148 000 Stücke.

Im Dezember war Euromicron aus der Konzernstruktur der Mutter Adcapital herausgelöst worden. „Vor allem die großen institutionellen Anleger greifen seither zu“, sagt Michael Krebs von der Gebhardbank. Darunter finden sich Großbanken wie Credit Suisse und UBS ebenso wie kleinere Fondsboutiquen wie Mainfirst. Erst in der vergangenen Woche sorgte eine Präsentation vor Investoren in London für weiteres Interesse.

Daneben weckt die generelle Neuausrichtung des Konzerns die Kursphantasie der Anleger. Stand die Euromicron des Jahres 2000 eher für einen Gemischtwarenladen von 15 Unternehmen aus zehn Branchen, so präsentiert die neue Euromicron vor allem für Hochtechnologie. Allein auf die Zukunftssegmente Netzwerk- und Lichtwellentechnologie – die Bereiche gelten als anspruchsvollstes Geschäft innerhalb der Datenübertragung – richtet sich die Strategie das Managements um Vorstandschef Willibald Späth. Sechs Unternehmen hat Euromicron seither gekauft. Geht es nach den Worten von Vorstandschef Späth, soll ein weiterer Unternehmenszukauf bereits in den nächsten Wochen folgen. Weitere vier bis fünf Gesellschaften, alle in einer Größenordnung von fünf Mill. Euro bis zu 50 Mill. Euro Jahresumsatz, sollen im laufenden Jahr folgen. Ein kleines M&A-Büro sondiert dabei für Euromicron den Markt. „In diesem Bereich finden sich zum einen hervorragende Unternehmen, die für die großen Konzerne jedoch zu klein und uninteressant sind“, sagt Späth. Geld dafür ist ausreichend vorhanden. Bei stattlichen 20 Mill. Euro liegt der Bestand an liquiden Mitteln. Die institutionellen Anleger machen kein Hehl daraus, dass es vor allem die Akquisitionsphantasie ist, die sie in die Aktie treibt.

Bei Analysten kommt diese Strategie ebenfalls gut an. „Der Konzern wird 2006 wieder in die Expansionsphase eintreten, nachdem 2005 als Jahr der Reorganisation und Umstrukturierung anzusehen war“, sagt Matthias Engelmayer von Independent Research. Er empfiehlt die Aktie, die am Freitag bei 17,85 Euro notierte, mit einem Kursziel von 22,50 Euro zum Kauf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit etwa 17, was die Aktien zwar nicht unbedingt als Schnäppchen erscheinen lässt. Auf der anderen Seite gilt sie gerade wegen der künftigen Wachstumsperspektiven auch noch nicht als überteuert.

Zumal neues Interesse hinzu kommen dürfte, wenn die Aktie schon bald vom General Standard in den höher reglementierten Prime Standard wechseln wird. Das wird laut Vorstandschef Späth vermutlich im zweiten Quartal, aber noch vor dem Hauptversammlung am 14. Juni der Fall sein.

Klar ist auch, dass die lange vergessene Aktie künftig deutlich höheres Analysteninteresse auf sich ziehen wird als bislang. Beim Hamburger Analysehaus SES Research ist eine Studie in Arbeit. Die Commerzbank sorgt als neuer „Designated Sponsor“ für die Handelbarkeit der Aktie. Dazu will Euromicron selbst durch die neue Anlegerkonstellation deutlich mehr die Öffentlichkeit suchen als dies bisher der Fall war.

Gemessen wird Euromicron in diesem Jahr daran, ob das Unternehmen nach der Umstrukturierung nun die Neuausrichtung gelingt. Fünf bis zehn Prozent Wachstum aus eigener Kraft hält das Management in diesem Jahr für möglich. „Das Unternehmen ist jetzt in der Bringschuld“, sagt Analyst Krebs.

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