Aktien unter der Lupe
Fraport droht Stagnation

Die Aktie des Flughafenbetreibers Fraport hat in den vergangenen Monaten enttäuscht. Während der M-Dax seit Juli um etwa zehn Prozent zulegte, stehen die Fraport-Papiere heute nicht besser da als im Sommer. Das Gezerre um die dringend benötigte zusätzliche Landebahn am Frankfurter Flughafen und Wachstumssorgen sind verantwortlich für die schwache Kursentwicklung.

FRANKFURT. Geht es nach der Mehrzahl der Analysten, dürfte das Papier auch künftig kaum besser laufen. „Ich erwarte in den kommenden Monaten eher eine negative Kursentwicklung“, sagt Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

„Zu teuer, zu klein, zu langsam“ sei der Frankfurter Flughafen, sagte der Chef des internationalen Luftverkehrsverbands IATA, Giovanni Bisignani, kürzlich zum Hauptproblem von Fraport. Die Frankfurter haben ein Wachstumsproblem. Am Frankfurter Flughafen, der für mehr als vier Fünftel des Unternehmensumsatzes steht, ist die Kapazitätsgrenze längst erreicht. „Hier ist nun fast mit Nullwachstum für die nächsten fünf Jahre zu rechnen“, sagt Analyst Markus Hesse von Sal. Oppenheim.

Zwar wurde am vergangenen Mittwoch mit der Einigung über die Werksverlagerung der Celanese-Ticona-Chemiefabrik, die im Gefahrenbereich der neuen Nordwestlandebahn liegt, ein großer Stein auf dem Weg zur Flughafenerweiterung aus dem Weg geräumt. Die Einigung kostet Fraport aber 650 Millionen Euro – und macht den Flughafenausbau dadurch um 20 Prozent teurer. Im Zuge der Einigung gab das Unternehmen auch noch bekannt, dass die neue Landebahn nicht vor 2011 – also ein Jahr später als geplant – in Betrieb gehen wird. Bereits 2003 hatte das Unternehmen über die Kapazitätsengpässe am Airport Frankfurt gesprochen und damals eine neue Landebahn zur Fußballweltmeisterschaft in Aussicht gestellt. Die WM liegt schon fünf Monate zurück.

Angesichts drohenden Nullwachstums am Flughafen Frankfurt sucht Fraport nach anderen Geldquellen. „Mitte 2005 gab es einen Paradigmenwechsel im Unternehmen, das seitdem mehr Gewicht auf das Retail-Geschäft und die Immobilien im Konzern legt“, sagt Hesse. An der Börse kam dieser Schwenk zunächst gut an. Positiv bewerteten Experten bereits vor Jahren auch den Aufbau eines eigenen Flughafen-Sicherheitsgeschäfts. „Dies bringt aber nur einen kleinen Ergebnisbeitrag“, sagt Hellgren. Ähnlich sah es lange beim Umsatz pro Passagier in den Geschäften am Flughafen Frankfurt aus. Die Frankfurter liegen im Vergleich mit anderen europäischen Großflughäfen abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Mittlerweile wurde das Shopping-Angebot aber deutlich ausgebaut.

Auch im Kerngeschäft, dem Betreiben und Beteiligen an Flughäfen, versucht Fraport voranzukommen. Neben Frankfurt bestehen bereits Engagements in Antalya, Kairo, Lima, Hahn, Hannover und Saarbrücken. Kürzlich wurde der Einstieg bei zwei Flughäfen in Bulgarien bekannt gegeben. Außerdem plant Fraport, sich an einem chinesischen Flughafen zu beteiligen – und signalisiert Interesse am Airport London City. Die Analysten warnen aber vor den Risiken der Auslandsexpansion.

„Letztendlich kann der Kerntreiber für Wachstum nur der Passagier sein“, sagt Hesse. Und da am wichtigsten Flughafen des Unternehmens, dem in Frankfurt, die Abfertigungszahlen bis 2011 wegen der geringen Kapazitäten nicht gesteigert werden können, sieht es düster aus.

„Der Retail-Umsatz ist sicherlich ausbaufähig; aber sonst gibt es derzeit wenig Wachstumsmöglichkeiten“, sagt Hesse. Ähnlich urteilen die Experten von Dexia Securities: Man sehe nicht, wie Fraport 2007 wie geplant eine Steigerung der Passagierzahlen um zwei Prozent erreichen wolle.

Der Aktienkurs gerät deshalb unter Druck. Seit September sank er über zehn Prozent; ein Ende ist nicht in Sicht. „Das Bewertungsniveau liegt deutlich über dem historischen Durchschnitt“, sagt Hesse. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt rund 26, das des M-Dax 16. „Langfristig wird sich der Aktienkurs am fairen Wert des Unternehmens orientieren“, sagt Hellgren. Und der liege zurzeit niedriger als der Börsenwert Fraports.

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