Aktien unter der Lupe
Gerry Weber punktet mit Expansion

Analysten loben den Einstieg des westfälischen Unternehmens ins Herrenmoden-Geschäft. Zwar sind die Aktien der Westfalen mittlerweile kein Schnäppchen mehr - im Vergleich zur Konkurrenz aber immer noch günstig.

HALLE. Die Aktie des Modeherstellers Gerry Weber hat trotz kräftiger Gewinne in den vergangenen Monaten nach Analystenansicht noch Kurspotenzial. Anfang Oktober waren die Papiere des in Halle/Westfalen ansässigen Unternehmens auf ein Allzeithoch von 15,75 Euro geklettert. Grund für den Kurssprung war die positive Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigerte Gerry Weber sein Betriebsergebnis (Ebit) um ein Viertel auf 18,6 Mill. Euro. Zudem bekräftige Vorstandschef Gerhard Weber die Prognose, den Umsatz des gesamten Geschäftsjahres um knapp 14 Prozent auf 400 Mill. Euro zu steigern.

Der jüngste Kursrückgang von rund zehn Prozent auf zeitweise unter 14 Euro lässt Analysten wegen der langfristigen Perspektive des im S-Dax notierten Unternehmens kalt. „Die Papiere haben weiteres Potenzial“, sagt etwa Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe. Gerry Weber habe sich trotz schwierigen Umfelds wegen der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland gut positioniert. Das Bankhaus Lampe empfiehlt die Aktie als „Kauf“; das Kursziel für die verbleibenden Monate des Jahres 2005 wird mit 15 Euro aber moderat eingestuft – trotz des Lobes.

Gerry Weber produziert und verkauft bislang ausschließlich Damenmode und ist insgesamt mit drei verschiedenen Kollektionen im Modemarkt vertreten. Neben seinem Aushängeschild Gerry Weber im gehobenen Preissegment vertreibt das Unternehmen Artikel der Marken Taifun, dem jüngeren Business-Label im mittleren Preissegment, und Samoon, der Marke für Frauen mit größeren Konfektionsgrößen.

Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen die Marke Yomanis vom Markt genommen und das Label Court One in die Gerry Weber-Kollektion integriert. Angesichts der positiven Geschäftszahlen fühlt sich Vorstandschef Weber darin bestätigt, das Unternehmen auf drei Marken im Bereich Damenmode zu konzentrieren.

Positiv bewertet Deborah Aitken, Analystin bei der WestLB, „ die Expansionsstrategie des Unternehmens“. Die Zahl der „Houses of Gerry Weber“, das sind Filialen, in denen ausschließlich unternehmenseigene Marken angeboten werden, beträgt 93 – 20 mehr als im vergangenen Jahr. 30 der Geschäfte werden in eigener Regie betrieben, der Rest durch Franchise-Partner. Knapp die Hälfte aller Filialen befinden sich im Ausland. Im kommenden Februar soll eine Filiale in bester Londoner Lage ihre Pforten öffnen. Insgesamt erzielt Gerry Weber heute 40 Prozent der Umsätze im Ausland.

Impulse für die Umsatz- und Gewinnentwicklung in den kommenden Jahren erwarten die Analysten auch vom Lizenzgeschäft Gerry Webers. Seit 2000 ist das Unternehmen Lizenzgeber für Taschen, Brillen und Schmuck – und das erste Gerry Weber-Parfüm kam 2004 auf den Markt. Zudem bringe die Erweiterung der Produktpalette um Herrenmode dem Unternehmen einen Schub, sagt Schlienkamp, „vorausgesetzt, diese wird sinnvoll in das Gesamtkonzept des Unternehmens integriert“. Billigmode für Herren zum Beispiel werde bei Gerry Weber kaum funktionieren.

An der Börse hat sich das westfälische Unternehmen vom Langweiler zum Liebling entwickelt. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Aktienkurs um rund 90 Prozent zu. Die wachsende Beliebtheit der Papiere bei Anlegern spiegelt sich auch im durchschnittlichen Tagesumsatz wider. Noch vor einem Jahr betrug dieser knapp 200 000 Euro täglich. Im Oktober dieses Jahres war der Umsatz mit 611 320 Euro pro Tag gut dreimal so hoch. Interessant erscheint Analysten zufolge auch die langfristige Betrachtung der Kursentwicklung: Während die Aktien von Gerry Weber zu Zeiten des Aktienbooms 1998/99 noch zwischen fünf und acht Euro gedümpelt hätten, zeige die Kurve seit Frühjahr 2003 stetig nach oben.

Zwar sind die Papiere von Gerry Weber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,9 mittlerweile keine Schnäppchen mehr. Im Vergleich zur Konkurrenz von Escada (23,1) und Hugo Boss (20) sind die Aktien der Westfalen aber verhältnismäßig günstig bewertet.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%