Aktien unter der Lupe
Google ist nicht zu bremsen

Die Aktie der führenden Internet-Suchmaschine Google schreibt ihre Erfolgsgeschichte fort: Am Dienstag stieg der Kurs zum ersten Mal über die Marke von 500 Dollar. Und nach Meinung von Analysten ist auch der jüngste Anstieg nur ein Zwischenschritt. Mittlerweile werden Rufe nach einem Splitting der Aktie laut.

PORTLAND. Nach Angaben von Bloomberg empfehlen zurzeit 33 Experten die Google-Aktie zum Kauf, nur zwei raten zum Verkauf. Die Kursziele liegen überwiegend im Bereich von 550 Dollar, reichen zum Teil aber auch bis auf 600 Dollar.

Derart zuversichtlich waren die Banken für die Google-Aktie nicht immer. Noch bei ihrer Börsen-Einführung vor gut zwei Jahren hatten die Zweifler die Oberhand und veranlassten die Konsortialbanken, den Emissionskurs von 135 auf 85 Dollar zu senken. Die Folge war ein rasanter Kursanstieg von 18 Prozent gleich am ersten Handelstag und eine beeindruckende Rally in der folgenden Zeit.

Doch die Skepsis blieb: Als die Aktie im Mai 2005 erstmals 200 Dollar übersprang, rieten prominente Analysten zum Verkauf. Und als Finanzchef George Reyes Anfang dieses Jahres vor schwächerem Werbewachstum warnte, fiel die Aktie um über 13 Prozent, viele sahen das Ende des Google-Booms. Mittlerweile fragen Analysten nur noch, wie weit der Kurs noch steigen wird, bevor das Unternehmen die Aktie splittet, die für viele Anleger mittlerweile unerreichbar teuer ist.

Mit einem Marktwert von gut 156 Mrd. Dollar hat Google inzwischen fast Cisco erreicht und ist viermal soviel wert wie der Internetkonzern Yahoo. Seit dem Frühjahr ist der Google-Kurs um fast die Hälfte gestiegen, während Konkurrent Yahoo, der Google einst Finanzhilfe beim Start gab, um über zehn Prozent abrutschte.

Die beiden jugendlichen Google-Gründer, Larry Page und Sergey Brin, gehören mit einem Privatvermögen von je über 17 Mrd. Dollar mittlerweile zu den reichsten Männern im Silicon Valley, und ihre Firma hat sich als stärkster Rivale von Microsoft fest etabliert. Seit dem Börsengang hat Google die Belegschaft auf über 9 000 Mitarbeiter mehr als vervierfacht und heuert immer noch mehr als 100 Personen pro Woche an. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit zehn Mrd. Dollar Umsatz – fast ausschließlich aus suchgebundener Werbung – und mit einem Reingewinn von 2,8 Mrd. Dollar.

Zu den wenigen verbliebenen Google-Kritikern, die sich durch den Rekordkurs der Aktie sogar noch bestärkt fühlen, gehört der High-Tech-Experte Fred Hickey. „Die Aktie ist weit überbewertet und wird steil fallen, wenn klar wird, dass die Werbeeinnahmen langsamer wachsen“, schreibt Hickey in seinem Marktbrief. Geoffrey Moore, ein Marketingberater aus dem Silicon Valley, rechnet damit, dass Google das gleiche Schicksal wie frühere Internet-Highflyer wie Ebay oder Amazon erleiden wird, „wenn sich die Faszination der Anleger gelegt hat“.

Mark Mahaney von der Citigroup, der den Verkauf der Aktie empfahl, als sie über 200 Dollar stieg, hat dagegen die Seiten gewechselt. Er ist heute Google-Fan und sieht das Kursziel bei 550 Dollar.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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