Aktien unter der Lupe
Iberia-Kurs scheint ausgereizt

Fusionsgerüchte haben die Aktie der spanischen Fluggesellschaft Iberia in die Höhe getrieben. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bringt es auf den Punkt: Iberia sei ein interessantes Unternehmen, aber zu teuer. Diese Meinung teilen auch viele Analysten.

MADRID. Die Aktie der größten spanischen Airline hat in diesem Jahr über 40 Prozent gewonnen und notiert derzeit bei knapp vier Euro - dahinter steckt vor allem Spekulation. Die im europäischen Vergleich kleine Fluggesellschaft ist mit ihrer Marktführerschaft bei den Strecken von Europa nach Lateinamerika ein attraktives Übernahmeziel für größere Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air France oder British Airways geworden.

Zudem war der vor 70 Jahren gegründete Konzern bisher auch vergleichsweise erschwinglich. Die Iberia-Aktie kam wegen der allgemeinen Krise in der Luftfahrtindustrie und fehlender Phantasie in den vergangenen Jahren kaum in Schwung und setzte erst im Herbst vergangenen Jahres angesichts möglicher Fusionen mit dem Hauptaktionär British Airways oder einem Zukauf von Iberia im Markt zu ihrem steilen Anstieg an. Seit Chairman Fernando Conte in diesem Februar offiziell zugab, dass er für eine Allianz mit einem europäischen Partner offen ist und der Iberia-Verwaltungsrat ihn autorisierte, nach Offerten zu suchen, kochen die Gerüchte um die Zukunft der Airline erst richtig hoch. Aber es scheint, dass anders als bei dem Kampf um den spanischen Versorger Endesa, die Investoren bei Iberia nicht bereit sind, jeden Preis für das Unternehmen zu bezahlen.

Auch wenn die Presse bereits ein baldiges Gebot von Lufthansa voraussagt und auch British Airways eine Übernahme innerhalb eines Konsortiums studiert, wurde die spanische Börsenaufsicht bisher nur über das Kaufinteresse der US-Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group informiert. Die Amerikaner wollen zusammen mit anderen Investoren 3,6 Euro je Aktie bieten und liegen damit unter dem derzeitigen Kurs.

„Damit jetzt eine neue Offerte auf den Tisch kommt, muss die Aktie sich erst einmal abkühlen“, glaubt Diego Chao, Analyst der spanischen Bank Bankinter. Er rät, Iberia-Titel zu halten, aber glaubt, dass für einen Zukauf andere Titel interessanter sind. Der spanische Broker Ibersecurities glaubt, dass ein neues Übernahmeangebot für Iberia zwischen 4,2 und 5 Euro liegen müsste, um die Aktionäre zu überzeugen, darunter neben British Airways die spanischen Finanzinstitute BBVA und Caja Madrid. Gestern verloren die Iberia-Aktien im Umfeld eines allgemeinen Kurseinbruchs über vier Prozent und notierten um 3,90 Euro.

Die Airline habe zwar nach einem harten Sparkurs und einer Umorientierung der Strategie auf Langstreckenflüge wieder gute Aussichten, glaubt Analyst Alberto Morillo von der Investmentberatung Consulnor in Madrid: „Aber diese positiven Perspektiven spiegelt der Kurs bereits wider, da ist nicht mehr viel Potenzial.“ Die Deutsche Bank warnt auch vor dem immer noch sehr schwierigen Europageschäft der Airline. Die massive Eroberung des spanischen Marktes durch Billig-Airlines mache Iberia das Leben schwer.

2006 meldete das Unternehmen einen Gewinnrückgang um 71 Prozent auf 117 Millionen Euro. Im vierten Quartal wuchs der Verlust, und auch in den ersten drei Monaten 2007 wird mit roten Zahlen gerechnet. Auch ein Grund, warum Banken wie die holländische ABN Amro oder HSBC gerade ihre Empfehlung für Iberia von kaufen auf halten abgeändert haben. ABN sieht das Kursziel bei 4,20 Euro.

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