Aktien unter der Lupe
Strategen empfehlen Allianz zum Kauf

Die Allianz hat in der vergangenen Woche nicht nur exzellente Quartalszahlen vorgelegt, sondern auch ihr Gewinnziel für das Jahr 2005 kräftig nach oben geschraubt. Analysten gehen davon aus, dass sich dies auch positiv auf den Aktienkurs auswirken wird.

DÜSSELDORF. Im ersten Halbjahr sprang der Gewinn von Europas größtem Versicherungskonzern um fast zwei Drittel auf 2,6 Mrd. Euro. Nicht nur der traditionell ohnehin wichtigste Ertragsbringer, die Schaden- und Unfallversicherung, hat sich mit einem Gewinnzuwachs von rund zehn Prozent im zweiten Quartal verbessert. Auch die Dresdner Bank konnte die besten Zahlen seit der Übernahme durch die Allianz vorlegen. Im ersten Halbjahr verbesserte sie ihr operatives Ergebnis um 13 Prozent auf 477 Mill. Euro. Die Bank wandelt sich offenbar vom Sorgenkind der Allianz zum ertragreichen Standbein, was die Anleger honorieren.

In den letzten Jahren musste die Dresdner Bank immer wieder als Sündenbock für den schlechten Aktienkurs der Allianz herhalten. Zwischen Mitte 2003 und 2004 hatte der Unternehmenswert gerade mal um 15 Prozent zugelegt. Der Dax stieg im selben Zeitraum um 24 Prozent. Analysten begründeten den geringen Kursanstieg mit der Unzufriedenheit der Anleger darüber, dass sich die Allianz mit der Sanierung der Dresdner Bank beschäftigt habe, während internationale Konkurrenten wie AIG, Axa und Generali auf den Versicherungsmärkten Rekordgewinne eingefahren hätten. Der stetige Zuwachs des Ergebnisses bei der Dresdner hat mittlerweile aber auch kritische Anleger überzeugt. Von einem Verkauf des Tochterunternehmens spricht heute niemand mehr, und auch der Aktienkurs legt seit April dieses Jahres kontinuierlich zu.

Auch in Zukunft dürfte die Allianz ihre Anleger mit positiven Nachrichten überzeugen, meint Sven Janssen, Analyst beim Bankhaus Metzler. Im Bereich Rentenversicherung und Gesundheitsvorsorge sieht er noch erhebliches Wachstumspotenzial. „Der Staat nimmt sich immer stärker zurück. Der Bedarf an privater Absicherung steigt“, sagt er. In Deutschland könnte diese Tendenz nach Meinung von Janssen durch einen Regierungswechsel weiteren Auftrieb erhalten. Er geht davon aus, dass eine CDU-geführte Bundesregierung die staatlichen Leistungen noch weiter zurückschrauben würde. Allianz-Chef Michael Diekmann sieht im Marktbereich der Allianz derzeit ein Potenzial von 200 Mill. Kunden, die noch nicht angemessen für das Alter vorgesorgt hätten.

Das Geschäft mit privaten Vorsorgeversicherungen wächst nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, Asien und den USA. Davon dürfte besonders die Allianz profitieren, „da sie international breit aufgestellt ist und durch Beteiligungen beispielsweise in Italien, Frankreich und Südkorea aktiv ist“, sagt Sven Janssen.

Trotz positiver Zukunftsaussichten war der Aktienkurs des Unternehmens nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen zunächst um rund ein Prozent gefallen. Analysten begründeten dies mit Gewinnmitnahmen einiger Anleger. Anfang dieser Woche waren Allianz-Aktien wieder gefragt. Gestern notierte Allianz knapp unter 109 Euro. Doch damit sei der Aktienkurs noch längst nicht ausgereizt, meint Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck & Co.. Er sieht das Kursziel bei 120 Euro, Sven Janssen gar bei 131 Euro.

Vor allem die Prognose für das Gesamtjahr sei vielversprechend, sagt Konrad Becker. Der Allianz-Konzern erwartet für 2005 einen Gewinn nach Steuern von mehr als vier Mrd. Euro. Damit würde die Gruppe die 2,2 Mrd. Euro aus 2004 fast verdoppeln.

Künftig will die Allianz ihre Anleger zwar eher mit organischem Wachstum erfreuen, schließt aber weitere „strategisch sinnvolle Zukäufe“ nicht aus, hieß es nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen. Derzeit wird die Allianz als potenzieller Käufer des Finanzdienstleisters BHW gehandelt. Kommentiert wurden dies von Allianz-Seite bisher nicht. Auch die Anleger lassen die Gerüchte offensichtlich kalt. Im Jahr 2001 hatten sie bereits beim Aufkommen erster Spekulationen um den Kauf der Dresdner Bank mit Aktienverkäufen reagiert.

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