Aktienexperten sehen ruhigere Kursentwicklung und neue Übernahmen voraus
Versicherer fassen wieder Tritt

Die britische Investmentbank Fox-Pitt, Kelton (FPK) hat die Einschätzung der europäischen Versicherungsaktien von „untergewichten“ auf „neutral“ angehoben. Es bleibe aber ein „asymmetrisches“ Risiko, heißt es in einer neuen Studie: Sollten die Börsen sich schlecht entwickeln, so dürften die Aktien dieser Branche überproportional verlieren, während sie bei einem guten Trend kaum noch überdurchschnittlich zulegen dürften.

DÜSSELDORF. Der Grund ist, dass bei einer schwachen Börse die Sorgen um die Kapitalanlagen der Versicherer zunehmen und daher auch die Kursausschläge. Bei einer Seitwärtsbewegung an der Börse spiegeln die Aktien der Branche – wegen ihrer hohen Abhängigkeit von Kapitalerträgen – hingegen in etwa den allgemeinen Trend wider. Die Einschätzung von FPK, einer auf Finanzdienstleister spezialisierten Investmentbank, lässt bei einem Chance-Risiko-Vergleich die Branche eigentlich immer noch schlecht aussehen. Allerdings betont die Bank, dass die Versicherer ihre Aktienquoten gesenkt haben und daher selbst im schlechtesten Fall die Kurse nicht mehr so herunterrauschen sollten wie im vergangenen Jahr.

Außerdem gibt es große Unterschiede im Detail: Je nach Struktur der Kapitalanlage und eigener Kapitalausstattung reagieren die Versicherer unterschiedlich auf Börsentrends. FPK entwirft daher drei Szenarien: Börsenoptimisten sind mit Axa, Allianz, Münchener Rück, ING, Skandia und Aegon gut bedient, wobei ING und Axa besonders herausgestellt werden. Pessimisten eher mit Generali, Converium, Fortis, RAS und Topdanmark. Bei einem neutralen Börsentrend sollten ZFS, Fondiaria-SAI, Alleanza, CNP und AMB gute Kandidaten sein. FPK zählt sich zu den vorsichtigen Optimisten, daher wurde die „sehr defensive“ Aktie der Generali herabgestuft auf „neutral“.

Die Investmentbank, die zur Gruppe der Schweizer Rück gehört, stellt zwei Kandidaten wegen ihres guten Managements heraus. Die schweizerische Zurich Financial Services (ZFS) hat unter ihrem neuen Chef, James Schiro, wieder Tritt gefasst und zeigt daher hohe Gewinndynamik. Die französische Axa bleibt stark von der Börse abhängig, aber die Experten loben bei ihr den sparsamen Einsatz des Kapitals. Vier Aktien hebt die Studie zudem wegen ihrer niedrigen Bewertung hervor: CNP, Converium, Swiss Life und AMB.

Nach Ansicht der Experten könnte in der Branche auch das Übernahmekarussell allmählich wieder in Schwung kommen. Eine gewisse Signalwirkung hat hier das Angebot der Axa für die US-Gesellschaft Mony. FPK sieht vor allem Axa, Fortis und Generali als mögliche Aufkäufer – was allerdings auch mit Risiken für die jeweiligen Aktien verbunden ist; bei Axa gilt andererseits der hauseigene Rückversicherer als Verkaufskandidat. Die beiden großen deutschen Gruppen, Allianz und Münchener Rück, seien mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und kämen daher kaum als Käufer in Frage. Einen Teil des Bankgeschäfts (Corporate & Markets) der Allianz-Gruppe – also der Dresdner Bank – bezeichnet die Studie als Verkaufskandidaten. Außerdem vermuten die Experten, dass die Münchener Rück ihr Kapital auf das Rückversicherungsgeschäft konzentriert und daher „nachdenken“ wird über ihre Tochter Ergo.

Auch Morgan Stanley sieht in einer neuen Studie weltweit eine Konsolidierung voraus, speziell im Bereich der Lebensversicherung. Dabei handelt es sich nach Ansicht der US-Bank vor allem um Übertragungen von Vertragsbeständen, weil schwache Gesellschaften das Lebengeschäft, das sehr viel Kapital bindet, aufgeben.

Morgan Stanley stuft den Sektor weltweit als „neutral“ ein. Dabei werden nach Ansicht der Bank die steigenden Prämien im Nicht-Leben-Bereich besonders den Rückversicherern zugute kommen, weshalb in Europa Converium, Münchener Rück und Schweizer Rück empfohlen werden, außerdem die US-Titel Partner Re und Everest Re. Während viele im Markt bald ein Ende des Aufwärtstrends bei den Preisen voraussehen, glaubt Morgan Stanley, dass zumindest für die Rückversicherer der Zyklus „länger dauern und ertragreicher sein wird, als die meisten Investoren erwarten.“

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