Aktienfokus
Deutsche Börse drehen ins Minus

Vor dem Hintergrund des Übernahmepokers um die Euronext haben die Aktien der Deutschen Börse am Dienstag nach frühen Kursgewinnen ins Minus gedreht.

dpa-afx FRANKFURT. Vor dem Hintergrund des Übernahmepokers um die Euronext haben die Aktien der Deutschen Börse am Dienstag nach frühen Kursgewinnen ins Minus gedreht. Gegen 14.45 Uhr verloren die Papiere des deutschen Börsenbetreibers 1,53 Prozent auf 99,75 Euro - das Tageshoch hatte bei 105,54 Euro gelegen. Der Leitindex Dax gewann dagegen 1,57 Prozent auf 5 633,07 Punkte.

Der Bieterwettstreit um die Fünf-Länder-Börse Euronext ist in die heiße Phase übergegangen. Nach der New York Stock Exchange (Nyse) veröffentlichte am Dienstag auch die Deutsche Börse ihr Übernahmeangebot. Ihre Chance, den US-Konkurrenten damit auszubooten, wurde von Experten allerdings unterschiedlich beurteilt. Die Euronext-Spitze bezeichnete das Angebot am Tag ihrer Hauptversammlung als "irreführend". Die Aktionäre lehnten einen Antrag ab, wonach eine Fusion mit der Deutschen im Besten Interesse der Anteilseigner wäre.

Diese Berechnungsmethode der Deutschen Börse wurde von mehreren Experten kritisiert, da sie das Angebot höher erscheinen lässt als das des New Yorker Börsenbetreibers. Der daraus zu errechnende Gesamtwert beträgt nach weitgehend übereinstimmender Meinung 76,60 Euro je Euronext-Aktie. In Wirklichkeit sei das Angebot aber um 13 Prozent niedriger, sagte Analyst Cyril Meilland von dem französischen Investmenthaus CA Cheuvreux.

Fondsmanager Helmut Hipper von der Union Investment kam ebenfalls zu der Einschätzung, dass das Angebot der Deutschen Börse niedriger ausfällt als das des US-Konkurrenten. "Wir gehen davon aus, dass die Deutsche Börse da noch etwas nachbessern muss, wenn sie Erfolg haben will", sagte Hipper. Dieser Einschätzung schloss sich auch die französische Bank Societe Generale an, die daher ihre Einstufung für die Papiere der Euronext mit "Buy" bekräftigte.

Am Morgen räumte die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) der Offerte wenig Erfolgschancen ein, da der Vorstand der Fünf-Länder-Börse sich für das Angebot der Nyse ausgesprochen habe. Bei einer für die Deutsche Börse negativen Entscheidung sollte der Kurs wieder unter Druck geraten. Die LRP bekräftigt Deutsche Börse daher mit "Underperformer" und einem Kursziel von 93 Euro.

Auch Roland Pfänder von equinet sieht den US-Börsenbetreiber im Vorteil, da dessen Angebot Euronext höher bewerte und eine attraktive Bargeld-Komponente enthalte. Ein Bieterkampf könnte den Kurs der deutschen Börse belasten, schreibt er. Er bewertet die Aktien weiter mit "Reduce" und einem Kursziel von 102 Euro.

Nach Ansicht der UBS weist die Kombination aus Deutscher Börse und Euronext ein günstigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf. Der kombinierte Marktwert von Nyse Euronext hätte auf der Basis der Ergebnisprognose für 2007 ein KGV von 28. Euronext/Deutsche Börse käme auf weniger als 21 und würde damit geringeren Druck auf den Kurs auslösen.

Die Analysten der niederländischen Rabobank gehen davon aus, dass die Euronext-Aktionäre das Frankfurter Angebot annehmen werden. Es beinhalte eine Vergünstigung für die Kunden der beiden Börsenbetreiber in Höhe von 60 Mill. Euro. Zu dieser Gruppe gehören vor allem die französischen Großbanken, die als Gegner einer Fusion mit der Deutschen Börse gelten, da sie nach einer Fusion höhere Gebühren befürchten. Euronext-Aktionäre, die gleichzeitig Papiere der Deutschen Börse halten, werden sich nach Ansicht der Rabobank-Experten voraussichtlich für die Offerte aus Frankfurt entscheiden. Grund sei, dass sie anderenfalls mit der Isolierung der Deutschen Börse in Europa und mit einem Kursverfall rechnen müssten.

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