Aktienfokus
Schering und Bayer gefragt - Merck im Minus

Nach dem Übernahmeangebot von Bayer an Schering haben die Aktien der beiden Unternehmen am Freitag zugelegt. Bayer und Schering hatten am Donnerstagabend ihre Einigung auf einen Zusammenschluss bekanntgegeben.

dpa-afx FRANKFURT. Nach dem Übernahmeangebot von Bayer an Schering haben die Aktien der beiden Unternehmen am Freitag zugelegt. Bayer und Schering hatten am Donnerstagabend ihre Einigung auf einen Zusammenschluss bekanntgegeben. Bayer bot 86 Euro pro Schering-Aktie und übertrumpfte damit das von den Berlinern abgelehnte Merck-Gebot von 77 Euro. Der Schering-Vorstand empfahl die Annahme des Bayer-Angebots. Bereits am Vortag hatten entsprechende Spekulationen die Kurse von Bayer und Schering angetrieben.

Schering-Titel stiegen gegen 10.25 Uhr als Dax-Spitzenreiter um 4,51 Prozent auf 88,80 Euro. Bayer-Papiere gewannen 1,70 Prozent auf 35,34 Euro. Die Titel der ebenfalls um Schering buhlenden Merck Kgaa verloren im MDax 2,60 Prozent auf 78,40 Euro. Der Leitindex Dax gewann 0,20 Prozent bei 5 959,21 Punkten. Der MDax rückte um 0,11 Prozent auf 8 683,51 Zähler vor.

Die Einschätzungen zu dem Deal fielen insgesamt sehr unterschiedlich aus. Ein Marktteilnehmer sagte mit Blick auf das Kursplus bei Schering: "Nun spekulieren viele Investoren, dass Merck noch einmal nachlegt." Lehman Brothers bestätigte die Schering-Aktie in einer ersten Reaktion auf "Overweight" mit einem Kursziel von 77 Euro. Nach Einschätzung der US-Investmentbank könnte Merck bald 95 Euro pro Schering-Aktie bieten. Laut Händlern belastet die Sorge vor einem teuren Bieterkampf um Schering den Merck-Kurs.

Analyst Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) glaubt dagegen nicht, dass Merck das Bayer-Angebot noch toppen wird. "Der Preis von 86 Euro ist schon zu hoch für Schering, zudem würde die hohe Verschuldung das Risiko bei Merck und den Familiengesellschaftern erhöhen", so Groschke. Merck werde nun wohl mit leeren Händen aus dem Bierkampf treten. Für den Schering-Anteil von rund knapp fünf Prozent würde aber im Falle einer Schering-Übernahme durch Bayer ein Kursgewinn von etwa 250 Mill. Euro blieben. Ein Händler ergänzte: "Merck geht wohl leer aus. Ein höheres Angebot wäre aber zu viel für die Darmstädter."

Mit Blick auf die Bayer-Titel waren die Einschätzungen am Markt widersprüchlich. "Die Bayer-Aktie muss nun neu bewertet werden", sagt ein Händler. Ein anderer Börsianer hob positiv hervor, dass Bayer durch die Übernahme den Teilkonzern Bayer Healthcare "als Hauptwachstumsmotor des Konzerns" substanziell ausbauen will. "Bis zum Jahr 2009 wollen wir die Ebitda-Marge für unseren Gesundheitsbereich von derzeit 19 Prozent auf 25 Prozent steigern", sagte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning am Vorabend.

Die Analysten waren sich mit ihren Äußerungen zu Bayer uneins. Merrill Lynch hob die Bayer-Aktie in einer ersten Reaktion auf "Neutral". Die Analysten hoben das Synergiepotenzial hervor. Die Chancen, dass Bayer Schering übernimmt, seien hoch. Dagegen senkte WestLB den Bayer-Titel von "Add" auf "Hold". Das bisherige Kursziel von 39,10 Euro wurde einer Studie vom Freitag zufolge unter Beobachtung gestellt. Der Leverkusener Pharmakonzern müsse den Kauf über die Ausgabe von bis zu 20 Prozent neuer Aktien finanzieren. Ein Beitrag zum Gewinn werde zudem erst für 2009 erwartet. Die UBS bekräftigte die "Neutral"-Einstufung für die Leverkusener. Das Kursziel liege weiter bei 33 Euro.

Ein anderer Marktteilnehmer führte zu Bayer eine Pressemeldung an. Demnach rechnen die Leverkusener durch den Zusammenschluss mit Schering mit Synergien in Höhe von 700 Mill. Euro bis zu einer Milliarde Euro, wie das "Handelsblatt" (Freitagausgabe) aus Unternehmenskreisen erfahren haben will. Bei den Händlern gab es aber auch kritische Stimmen zu Bayer: "Die Synergien sind nicht so erheblich, der Kaufpreis ist zudem sehr hoch", sagte ein Börsianer./

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