Aktienfokus
Siemens und Nokia sehr fest

Aktien von Siemens und Nokia haben am Montag von einer geplanten, milliardenschweren Kooperation im Bereich Telekom-Ausrüstung profitiert und deutlich zugelegt. Die Titel des Münchener Elektrokonzerns legten gegen 12.30 Uhr um 8,47 Prozent auf 68,13 Euro zu.

dpa-afx FRANKFURT. Aktien von Siemens und Nokia haben am Montag von einer geplanten, milliardenschweren Kooperation im Bereich Telekom-Ausrüstung profitiert und deutlich zugelegt. Die Titel des Münchener Elektrokonzerns legten gegen 12.30 Uhr um 8,47 Prozent auf 68,13 Euro zu. Papiere des finnischen Unternehmens gewannen 4,35 Prozent auf 16,33 Euro. Zeitgleich legte der europäische Leitindex Eurostoxx 50 um 1,39 Prozent auf 3 511,86 Zähler zu.

Beide Unternehmen setzten sich für ihr neues Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks ehrgeizige Ziele. Es solle vor Restrukturierungskosten bereits im ersten Jahr eine zweistellige operative Marge erreichen, sagte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz beider Unternehmen in Frankfurt. Mittelfristig solle sich das neue Unternehmen zum profitabelsten in der Branche mausern. Nokia Siemens Networks werde außerdem schneller wachsen als der Markt. Der zur Siemens-Sparte Com gehörende Bereich Enterprises soll als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert werden.

Händler begrüßten die Vereinbarung als positiv für Siemens. Einer verwies auf die Probleme bei der Restrukturierung des Netzwerkgeschäfts, nachdem das Unternehmen seine Handysparte an den taiwanischen Wettbewerber Benq verkauft hatte. Durch die Zusammenarbeit mit dem finnischen Konkurrenten komme Siemens nun komplett aus dem Telekommarkt heraus. BNP Paribas stufte die Titel von "Neutral" auf "Ourperform" hoch und setzte das Kursziel bei 79 Euro fest.

Bernd Laux von Cheuvreux verwies auf den zunehmenden Wettbewerb in der Telekomausrüsterbranche. Die Kooperation von Siemens und Nokia werde im kommenden Jahr noch gewinnneutral sein, aber 2008 mit bis zu zehn Prozent zum Gewinn je Siemens-Aktie beitragen, schreibt er in einer Kurzstudie. Laux bestätigte Papiere mit "Outperform" und einem Kursziel von 91 Euro.

Ein Marktteilnehmer beurteilte die Auswirkungen der Kooperation auf Nokia skeptisch. Sie sei ein für das finnische Unternehmen ungewohnt offensiver Schritt, da Nokia bisher nicht durch große Übernahmen aufgefallen sei. Zudem sei der Restrukturierungsbedarf groß. Es sei allgemein bekannt, dass Siemens' Telekom-Ausrüstungssparte neu geordnet werden müsse. Dresdner Kleinwort Wasserstein sehen diese Reststrukturierungskosten bei 1,5 Mrd. Euro. Die Transaktion wirke sich kurzfristig negativ auf den Nettogewinn aus. Die Titel wurden mit "Sell" bestätigt.

Ein Analyst zeigte sich überrascht über die Zustimmung von Nokia zu der Zusammenarbeit. Nach seiner Einschätzung könnte die Fusion des französischen Telekomausrüsters Alcatel mit seinem US-Wettbewerber Lucent der Grund dafür sein. Die angestrebten Synergien durch die Kooperation erschienen ihm mit hochgerechnet acht Prozent hoch, so der Experte weiter. Bei Alcatel und Lucent liege dieses Ziel bei sechs Prozent. Dass Nokia die Leitung des Gemeinschaftsunternehmens habe, sei ein Zeichen, dass Siemens mittel- bis langfristig aus dem Bereich Telekom-Ausrüstung aussteigen wolle.

Uneins waren Beobachter sich über den Einfluss der Zusammenarbeit auf die anderen Wettbewerber. Laut einigen Analysten sollte sie sich positiv für den schwedischen Marktführer Ericsson und andere führende Telekom-Ausrüstern auswirken, da sie für stabilere Preise sorge. Kurzfristig seien Siemens und Nokia mit der Integration ihres Joint Ventures beschäftigt sein, was der Konkurrenz ebenfalls nutze.

Von anderer Seite hieß es dagegen, die deutsch-finnische Kooperation gehe auf Kosten von Ericsson und Alcatel. Nachdem Ericsson sich mit Alcatel und Siemens zwei offensichtliche Fusionskandidaten für den Bereich Telekom-Ausrüstung habe entgehen lassen, könnte der Markt eine Transaktion der Schweden mit anderen Wettbewerbern wie Nortel Networks oder Juniper Networks für notwendig halten. Mit ihrer Kooperation hätten Siemens und Nokia im Bereich Telekom-Ausrüstung zu Ericsson aufgeschlossen.

Auch für Alcatel seien die Auswirkungen des neuen Gemeinschaftsunternehmens negativ. Alcatel und Lucent würden im Bereich der drahtlosen Kommunikation hinter Ericsson und dem neuen Joint Venture mit Abstand auf den dritten Platz zurückfallen. Dazu steige der Konkurrenzdruck in einem ohnehin schon wettbewerbsintensiven Markt.

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