Aktienkurs des Abrechnungsdienstleisters profitiert von Expansionsplänen
Analysten loben Heizungsableser Techem

Das Eschborner Unternehmen Techem erfasst, wie stark Mieter heizen und wie warm sie duschen. Dieser Markt der Verbrauchsabrechnung ist praktisch aufgeteilt, daher wenig wettbewerbsintensiv – und Techem der Branchenführer, der zudem stark ins Ausland expandiert. Solche Stories schätzen Anleger wie Analysten. Daher lautet die einhellige Meinung der Profis: Die Aktie hat Potenzial.

DÜSSELDORF. Im deutschen Markt der Abrechnungsdienstleister wurde Techem Anfang August durch die Übernahme des kleineren Konkurrenten Heimer Concept zum Marktführer. Zuvor lag das Unternehmen mit einem Marktanteil von rund 27 Prozent gleichauf mit seinem Hauptkonkurrenten Ista, der seit April 2003 dem britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners gehört.

Für Heimer zahlte Techem 48 Mill. Euro, die komplett auf Kredit finanziert werden sollen. „Es ist gut, dass sich Techem die Marktanteile in Deutschland gesichert hat“, sagt Roland Könen vom Bankhaus Lampe. Er erwartet, dass die Gesellschaft durch die Integration des Familienunternehmens Synergien heben kann. In zwölf bis 18 Monaten will Vorstand Horst Enzelmüller Heimers Gewinnmarge auf das Niveau von Techem steigern. Bisher erzielt Heimer bei einem Umsatz von 22,8 Mill. Euro vor Zinsen und Steuern eine Marge von rund elf Prozent, die neue Mutter Techem kommt auf 20 Prozent.

Auch die Investoren honorierten die Übernahme. Kurz nach dem Kauf stieg der Kurs der Techem-Aktie auf ein Allzeit-Hoch von 40,50 Euro. In der Zwischenzeit hat sich die Aktie von diesem hohen Niveau zwar wieder verabschiedet, Analysten trauen dem Wert aber einen erneuten Anstieg zu.

Besonders optimistisch sind die Experten der Schweizer Großbank UBS, die 44 Euro als Zielmarke für die Aktie ausgeben. Matthias Heck von der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim setzt 42 Euro als Kursziel für Techem. Die mittel- und langfristigen Perspektiven für die Aktie seien gut. „Das Geschäftsmodell ist in vielen Ländern noch nicht etabliert. Mit steigenden Öl- und Kohlepreisen entsteht aber zunehmender Bedarf an Energieeinsparungen“, sagt er.

Die genaue Abrechnung von Heizkosten schafft vor allem für Mieter Anreize, sparsamer mit Energie umzugehen. Damit gehört das Unternehmen zu den wenigen Profiteuren steigender Energiepreise.

Bankhaus-Lampe-Analyst Könen sieht vor allem gesetzliche Vorschriften als Startsignal für die Expansion ins Ausland. Sobald ein Land die Erfassung des Energieverbrauchs vorschreibt, eröffnet sich für Techem und seine Konkurrenten ein neuer Markt. Derzeit ist das Unternehmen vor allem in Osteuropa und China aktiv.

In Rumänien zum Beispiel ist der Wettlauf gegen die Konkurrenz in vollem Gange. Nach Angaben des Unternehmens verfügen erst fünf Prozent der Wohnungen dort über Heizmessgeräte. Die Erstausstattung mit Zählern dürfte Experten zufolge noch bis 2007 oder 2008 dauern. „Techem war früh in Rumänien, mittel bis langfristig könnte es dort die Hälfte des Marktes besetzen“, sagt Könen. Auch in Polen und Ungarn sind noch nicht einmal die Hälfte aller Wohnungen mit Messgeräten ausgestattet.

Anders als in Deutschland verkauft Techem die Verbrauchszähler in Osteuropa meist an die Hausbesitzer. „Das ist sinnvoll, um Bonitäts- und Liquiditätsrisiken zu vermeiden“, sagt Oppenheim-Analyst Heck. Hierzulande sorgt die Vermietung der Zähler für einen stetigen Geldzufluss. Der Preiswettbewerb ist im Vergleich zu anderen Branchen sehr gering. Anbieterwechsel kommen äußerst selten vor. Und da die Rechnung in der Regel vom Mieter beglichen werde, seien die Vertragspartner des Unternehmens, die Vermieter, auch nicht besonders preissensibel, sagt ein Analyst. Der stetige Umsatz trägt bei Techem auch dazu bei, dass die verfügbaren Mittel (Free Cash-Flow) vergleichsweise hoch sind. Beobachter rechnen damit, dass die Gesellschaft daher in Kürze eine Dividende zahlen wird.

Auf der Kostenseite will Techem in den kommenden Jahren deutliche Einsparungen erzielen: Schrittweise werden die alten Zähler durch moderne Messgeräte ersetzt, die ihre Daten per Funk übertragen. Dadurch wird das Eschborner Unternehmen auf absehbare Zeit weniger Personal zum Ablesen brauchen und die Rentabilität weiter steigern.

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