Aktienkurs des britisch-niederländischen Konzerns hängt am Stahlpreis und dem Verhalten eines Großinvestors
Bei Corus ist noch nicht alles Gold

Achtzehn Monate nach seiner existenzbedrohenden Krise steht der britisch-niederländische Stahlkonzern Corus so gut da wie nie in seiner fünfjährigen Geschichte: Der neue Vorstand Philippe Varin verkündete im September erstmals seit der Fusion von Koninklijke Hoogovens und British Steel schwarze Zahlen.

LONDON. Corus hat die Lieferpreise seit Jahresanfang mehr als verdoppelt und der Aktienkurs liegt mit über 50 britischen Pence fast zwölf Mal so hoch wie zu den schlechtesten Zeiten. Corus nimmt zudem zum zweiten Mal Anlauf, seine Aluminiumsparte zu verkaufen. Und vor wenigen Tagen platzierte die Firma eine Anleihe über 600 Mill. Euro, die fünffach überzeichnet war.

Anfang 2003 sah das Bild noch ganz anders aus. Nach Jahren mit mindestens dreistelligen Millionenverlusten und stark rückläufigen Stahlpreisen lag Corus am Boden. Als auch noch der Versuch scheiterte, die Aluminiumsparte an den französischen Konkurrenten Pechiney zu verkaufen, musste Chairman Brian Moffat seinen Hut nehmen.

Was in den anderthalb Jahren seitdem passiert ist, ist zu einem nicht unwesentlichen Teil schlicht Glück. Seit dem Amtsantritt von Varin stieg der Stahlpreis um mehr als drei Viertel, angefeuert vor allem von der Nachfrage aus China und anderen asiatischen Ländern. Dazu kommen positive Ergebnisse des selbst auferlegten Sparprogramms.

Noch ist nicht alles Gold bei Corus. Der Londoner Analyst einer Schweizer Investmentbank geht davon aus, dass die Aktie nur kurzfristig weiter zulegt. Schon in der zweiten Hälfte 2005 erwarten Beobachter eine fallende Nachfrage nach Stahl – auch weil sich der Bedarf in Asien wieder nachlassen sollte.

Wenn die Firma ihre Kosten bis dahin nicht stark reduzieren kann, könnte sie wieder in die roten Zahlen rutschen, schätzt der Analyst. Problematisch bleibt auch die Verschuldung des Konzerns. Ende des ersten Halbjahres listet Corus eine Netto-Verschuldung von gut 1,2 Mrd. Pfund auf. Auch wird sich das Verhalten des russischen Großinvestors Alisher Usmanov auf die Aktie auswirken. Der Tycoon hält mehr als 13 Prozent an Corus, sein Einstieg war einer der Gründe für den schnellen Kursanstieg. Sollte das Management den Versuchen Usmanovs, massiv Einfluss auf die Geschäftspolitik zu nehmen, weiter standhalten, könnte sich der Russe aber womöglich entschließen, Kasse zu machen – was den Aktienkurs stark belasten würde.

Die Arbeit von Vorstandschef Varin bewerten Analysten bisher positiv. „Was man machen muss, hat Varin bislang getan“, sagt der Analyst der Schweizer Adresse. Er hat die Verbindung mit der holländischen Seite deutlich gestärkt und er bemüht sich um den Verkauf der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten. Dennoch reicht das nicht zwangsläufig aus, um die Situation des Konzerns zu verbessern: Die Verantwortlichen bei Corus müssen vorerst hoffen, dass sie das Glück nicht allzu schnell wieder verlässt.

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