Aktienkurs unter Ausgabepreis
Fondsmanager und Analysten kritisieren Rosneft

An ihrem ersten offiziellen Handelstag in London legten die Aktien des staatlich kontrollierten russischen Ölkonzerns Rosneft zu Beginn leicht zu, verloren dann aber wieder und verharrten schließlich am späten Mittwoch Nachmittag auf einem Niveau von 7,44 Dollar. Der Kurs lag damit unter dem Ausgabepreis von 7,55 Dollar.

LONDON/MOSKAU. Die Rosneft-Aktien waren nach einem umstrittenen Börsengang am vergangenen Freitag bereits in den vorläufigen Handel in London gestartet. Auch an der Moskauer Börse verlief der Handel gestern ähnlich: Am späten Nachmittag notierten die Rosneft-Papiere bei 7,51 Dollar.

Nach wie vor erzeugt Rosneft bei vielen Analysten gemischte Gefühle: „Dem Management fehlt jegliche Erfahrung in der Führung eines so großen Ölkonzerns“, sagt ein Moskauer Analyst, der seinen Namen nicht nennen möchte. Rosneft sei in kurzer Zeit mit einer Reihe von staatlich dirigierten Übernahmen in die Topliga der Ölmultis aufgestiegen. Das Management müsse erst einmal seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, so der Analyst. „Der Börsengang war ein politisches Zeichen vor dem G8-Treffen. Für das Unternehmen wäre es besser gewesen, noch ein Jahr zu warten.“

Auch Julian Thompson von der Fondsgesellschaft Threadneedle hat keine Rosneft-Aktien gekauft. „Viel zu teuer“, sagt er. So wie Thompson denken viele Fondsmanager in London. Nerea Heras-Mendaza von der französischen Axa ist regelrecht empört. „Ich habe mit Yukos viel Geld verloren, jetzt soll ich die selben Vermögenswerte noch einmal nur teurer kaufen“, klagte der Fondsmanager vor einigen Tagen in einem Interview.

Am Ende ging die Hälfte der Rosneft-Aktien an drei große Ölgesell-schaften: BP, Petronas und China Petroleum. Russische Industrielle wie der Milliardär Roman Abramowitsch stiegen ebenfalls ein. Darüber hinaus sollen nach Informationen aus Finanzkreisen spekulative Hedge-Fonds eine erhebliche Tranche übernommen haben. Internationale Aktienfonds sollen sich dagegen stark zurück gehalten haben.

Trotz seines Misstrauens gegen-über Rosneft sieht Fondsmanager Thompson den russischen Aktien-markt „sehr“ positiv. Die Zahlungs-bilanz des Landes sehe durch den Rohstoffboom sehr vertrauenserweckend aus und auch die Handelsbilanz Russlands hat inzwischen das Niveau Chinas erreicht – wenn auch angetrieben vom Ölpreis. Im vergangenen Jahr seien 17 Mrd. Dollar an Direktinvestitionen nach Russland geflossen, in Indien hätten ausländische Investoren dagegen nur vier Mrd. Dollar investiert, vergleicht Thompson. Auch das Wirtschaftswachstum von voraussichtlich sechs Prozent in diesem Jahr spreche für Russland.

Threadneedle hat derzeit etwa 100 Mill. Dollar an der Moskauer Börse investiert. Gute Aussichten sieht Thompson vor allem für die Energieversorger, aber auch für Telekom- und Stromkonzerne. Auch den Bankensektor sieht der Fondsmanager ausgesprochen positiv.

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