Aktienkurse
Infineon-Tochter Inotera enttäuscht an der Börse

Der Testlauf für die Emission der Speichersparte des Münchener Chipherstellers Infineon ist nur teilweise geglückt. Anleger zeigten wenig Interesse an den Aktien der Taiwaner Infineon-Tochter Inotera, die am Freitag erstmals an der Börse von Taipeh notiert worden war.

MÜNCHEN. Die Aktie schloss lediglich auf ihrem Ausgabekurs und entwickelte sich damit schlechter als der gesamte Markt, der leicht zulegte. Die Emission von Inotera gilt als Generalprobe für den geplanten Börsengang der Infineon-Speicher-sparte. Sie sollte zeigen, ob Speicherchip-Hersteller derzeit bei Investoren gefragt sind. Die Münchener wollen ihre Speichersparte im Sommer an die Börse zu bringen.

Infineon-Chef Wolfgang Ziebart wertete trotz des verhaltenen Handels den Inotera-Börsengang als positives Signal. „Der Kapitalmarkt hat eindeutiges Interesse an diesem soliden Speicherhersteller gezeigt“, betonte der Manager. Bester Beweis dafür sei, dass der Börsengang sechsfach überzeichnet gewesen sei.

Inotera-Chef Charles Kau verteidigte den Zeitpunkt des Börsengangs. Dieser sei gut gewählt, denn die Preise für Speicherchips seien dieses Jahr um ein Fünftel gestiegen, sagte er dem Handelsblatt. Trotzdem hoffe er „natürlich, dass der Aktienkurs bald steigt“. Mit dem Börsengang hat Inotera 200 Mill. Dollar eingenommen. Damit will das Unternehmen den Bau einer zweiten Fabrik in Taiwan finanzieren.

Infineon ist derzeit dabei, seine Speichersparte auf eigene Beine zustellen. Die frühere Siemens-Tochter trennt sich damit von rund 40 Prozent ihres Umsatzes. Der Münchener Konzern will sich ganz auf das Geschäft mit so genannten Logik-Chips konzentrieren, wie sie etwa in Telefone und Autos eingebaut werden. Diese Sparte ist deutlich weniger schwankungsanfällig als die Drams. Mit seinen Speicherchips ist Infineon in den vergangenen Jahren wiederholt in die roten Zahlen gerutscht.

Inotera-Chef Kau geht davon aus, dass Infineon gute Chancen hat, die Speicher-Aktien an der Börse zu platzieren: „Die Zeit für eine Emission ist noch immer gut. Dazu kommt, dass es in der Speichersparte von Infineon aufwärts geht.“ Insider vermuten, dass Infineon das Geschäft nicht in Deutschland, sondern in Asien an die Börse bringen will.

Inotera ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Infineon und seinem Taiwaner Partner Nanya. Die Firma produziert ausschließlich im Auftrag ihrer beiden Großaktionäre, die jetzt noch je 41 Prozent der Anteile halten. Inotera ist zudem ganz vom Technologietransfer seiner Eigentümer abhängig.

Kau sieht sein Unternehmen auf strammem Wachstumskurs: „Weltweit entstehen kaum noch neue Dram-Fabriken, deshalb sind wir in einer guten Position. Viele Anbieter bauen derzeit Dram-Kapazitäten ab und investieren stattdessen in so genannte Flash-Chips.“ Analysten in Asien betrachten das Speichergeschäft aber skeptisch. „Die schwache Kursentwicklung spiegelt die Skepsis vieler Investoren wider. Die Anleger gehen davon aus, dass der Dram-Markt lange nicht so gut läuft wie erwartet“, sagte Jay Chen von Daiwa Securities der Nachrichtenagentur Dow Jones. Die meisten Experten gehen deshalb davon aus, dass der Aktienkurs in nächster Zeit kaum steigt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%